Archivierter Artikel vom 09.08.2022, 06:00 Uhr
Hunsrück

Heft 179 der „Hunsrücker Heimatblätter“: Aufmerksamkeit für die „Herren von Wahlbach“

Der Geschichte des Dorfes Wahlbach, dessen Ortsansicht das Titelblatt des soeben erschienenen Heftes 179 der „Hunsrücker Heimatblätter“ einnimmt, ist bisher wenig Aufmerksamkeit geschenkt worden. Dank des Aufsatzes von Achim R. Baumgarten über die „Herren von Wahlbach“, weiß man jetzt mehr und Genaueres über die mittelalterliche Geschichte des Dorfes im Allgemeinen und über die der Edelherren von Wahlbach im Besonderen.

Mit Kastellaun im Zeitalter des Dreißigjährigen Krieges beschäftigt sich ein fundierter Artikel von Erik Zimmermann.  Foto: Werner Dupuis
Mit Kastellaun im Zeitalter des Dreißigjährigen Krieges beschäftigt sich ein fundierter Artikel von Erik Zimmermann.
Foto: Werner Dupuis

Diese gehörten zu den mehr als drei Dutzend Hunsrücker Adelsfamilien, die im Hochmittelalter über erhebliche Besitz- und Herrschaftsrechte verfügten, dann aber nach einigen Generationen erloschen.

Aufsatz über Kastellaun im Dreißigjährigen Krieg geschrieben

Erik Zimmermann vervollständigt mit seinem Aufsatz über Kastellaun im Dreißigjährigen Krieg seine Reihe über die Geschichte Hunsrücker Städte und ihrer Umgebung im ersten europäischen Großkrieg. Wie schon in seinen Beiträgen über Kirchberg und Simmern erschließt er bisher neue, teils unbeachtete Quellen, erweitert so die Kenntnisse der Leser über die Lokalgeschichte und stellt gleichzeitig die militärische, und hier insbesondere die der Besatzer und der einheimischen Bevölkerung, in ein neues Licht.

Anfang September soll es nach zweijähriger Corona-Pause wieder einen Nunkircher Markt geben. Im Jahre 1893 besuchte der 17-jährige Düsseldorfer Gymnasiast Wilhelm Levison, der später ein bedeutender Bonner Geschichtsprofessor wurde und dessen Mutter Josephine Goldschmidt aus Simmern stammte, den Nunkircher Markt. Rudolf Zimmer veröffentlicht und kommentiert den bisher unbekannten Bericht Levisons über seinen Marktbesuch.

Dieter Junker hat einen aufschlussreichen Quellenfund zum Kirchenkampf Hunsrücker Pfarrer im Dritten Reich gemacht. Es handelt sich um das Protokollbuch über die regelmäßigen Treffen der bekenntniskirchlichen Pfarrer der Kreissynode Simmern. Die hier erstmals ausgewerteten Protokolle reichen vom November 1934 bis zum August 1936 und zeigen, wie viel Mut und Vorsicht die regimekritischen Pfarrer aufzubringen hatten, um sich und ihre Gemeinden aufrecht durch die Zeiten zu bringen. Sie zeigen auch, dass der ausgeprägte Eigensinn einiger Amtsbrüder ein dauerhaftes gemeinsames Handeln verhindern half.

Am Anfang der „Berichte und Mitteilungen“ stehen zwei Quellenfunde. Achim R. Baumgarten stellt anhand eines vollständig abgedruckten Teilungsvertrages dar, mit wie viel Gerechtigkeitssinn 1767 die Erben das vormalige Simmerner Gasthaus „Zum weißen Ross“ geteilt haben. Solche Teilungsverträge sind immer wieder in Hunsrücker Häusern zu finden, und es bleibt zu hoffen, dass der Beitrag deren Besitzer davon abhält, sie zu entsorgen. Rudolf Zimmer veröffentlicht ein Schreiben des Kastellauner Amtmannes von Lüder an die evangelischen Pfarrer von Kastellaun, Bell, Gödenroth und Alterkülz, mit dessen Inhalt sich die Erhöhung des Amtes zum Oberamt auf das Frühjahr 1777 datieren lässt.

Über die Büchervorstellungen durch das Vorstandsmitglied Achim R. Baumgarten im Mai 2022 wird im Anschluss berichtet. Im Rahmen der Auftaktveranstaltung zu 950 Jahre Kümbdchen präsentierte er die Ortschronik „Kümbdchen 1999– 2021“, die ein Panorama der in jüngster Zeit im Dorf stattgefundenen Veränderungen bietet. Bei dem zweiten Buch handelt es sich um die von Josef Peil und Wilfried Theiß besorgte und von Helmut Haack illustrierte Werkausgabe von Ida Conrath, „De Hunsrick is mei Welt“. Die Gedichte, Prosa und kleinen Bühnenstücke der 1965 gestorbenen Völkenrother Schriftstellerin sind es wert, vor dem Vergessen bewahrt zu werden.

Rückschau auf die Leistungen von Fritz Schellack

Der Bericht über den Empfang der Stadt Simmern zu Ehren von Fritz Schellack ist verknüpft mit einer Rückschau auf seine Leistungen als Leiter des Hunsrück-Museums von 1998 bis 2022. Im Anschluss wird Kristina Müller-Bongard als neue Leiterin des Museums vorgestellt, die als studierte Kunsthistorikerin und kulturwissenschaftliche Projektentwicklerin die Arbeit ihres Vorgängers mit neuen Akzenten fortsetzen wird. Am Schluss des Heftes stehen die Einladung und die Tagesordnung zu der am Samstag, 27. August, in Holzbach stattfindenden Generalversammlung des Hunsrücker Geschichtsvereins sowie die Kleine Hunsrücker Bibliografie.

In der Heftmitte finden sich wie gewohnt sechs Hunsrücker Biografien, die folgenden Persönlichkeiten gewidmet sind: Landwirt und Unternehmer Günter Bohr (Verfasser: Axel Brunk), Bürgermeister des Amtes und der Verbandsgemeinde Büchenbeuren Rudolf Rabs (Hans Dunger), Kunstmaler Johannes Adam Münch (Jürgen Johann), Lehrer und Schriftsteller Hajo Knebel, Preußischer Landesgeologe und Erforscher der Hunsrückgeologie August Leppla, Nonne und Vorsteherin einer Frauenklause Jutta von Sponheim (alle drei verfasst von Achim R. Baumgarten). red