Gemünden

Forstamt Soonwald ist besorgt: Der Lametbach ist schon jetzt vollständig ausgetrocknet

Rekordhitze, Dürre und Schädlingsbefall haben den heimischen Wäldern in den vergangenen fünf Jahren arg zugesetzt. Auch dieses Jahr sehen die Forstleute im Forstamt Soonwald eher mit Sorge und banger Erwartung auf die Entwicklung des Waldes in den kommenden Sommermonaten.

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Schon Anfang Juni war das Bett des Lametbachs, der vom Soonwald über Mengerschied nach Gemünden fließt, ausgetrocknet.
Schon Anfang Juni war das Bett des Lametbachs, der vom Soonwald über Mengerschied nach Gemünden fließt, ausgetrocknet.
Foto: Landesforsten

Waren die Niederschläge im zeitigen Frühjahr eigentlich gar nicht so schlecht, sind schon jetzt die ersten Anzeichen einer abermaligen Sommertrockenheit deutlich wahrnehmbar, heißt es in einer Pressemitteilung. Der Lametbach, einer der größten Waldbäche im Soonwald, ist Anfang Juni schon völlig ausgetrocknet.

„Ich fahre nahezu täglich auf dem Weg ins Forstamt über den Lametbach. Auch in den vergangenen Jahren war er von Wasserknappheit betroffen. Nun ist er bereits jetzt vollständig ausgetrocknet“, stellt Bernhard Frauenberger, Forstamtsleiter im Forstamt Soonwald, besorgt fest. „Die dramatischen Klimaveränderungen und deren Folgen für den Wald beschäftigen uns ja schon seit einigen Jahren“, so Frauenberger laut einer Mitteilung des Forstamts weiter. „Auch die Trocknisschäden an unseren Laubbäumen nehmen immer mehr zu und verheißen nichts Gutes.“

Um die Wälder klimastabiler zu machen, sind die Försterinnen und Förster im Forstamt Soonwald sehr einfallsreich und innovativ. Wasserrückhalt im Wald sei dabei neben ganz unterschiedlichen waldbaulichen Maßnahmen ein wichtiger Aspekt, erklärt das Forstamt.

Niederschlagwasser im Wald halten

„Wir haben gerade eine erste Ausschreibung von Wegebaumaßnahmen abgeschlossen, die darauf abzielen, Niederschlagswasser im Wald zu halten“, erläutert Förster Lorenz Berger. „Die ersten Arbeiten sind in vollem Gange, und wir bauen aktuell mit einem örtlichen Bauunternehmer etwa 100 Rigolen ein“, ergänzt Berger.

Durch die Rigolen, die aus sehr grobem Steinmaterial bestehen, das aus einem Steinbruch der Umgebung angeliefert wird, kann Niederschlagswasser langsam durch den Wegekörper hindurchdiffundieren und anschließend im Waldbestand versickern. Es fließt also nicht mit hoher Fließgeschwindigkeit unter den Waldwegen ab, wie beispielsweise bei einer sonst üblichen Verrohrung, und kann die natürlichen Wasserspeicher im Waldboden füllen. In besonders ausgeprägten Trockenphasen steht den Waldbäumen dadurch mehr Wasser zur Verfügung und verhindert dadurch Trocknisschäden.

Darüber hinaus werden etwa zwei Dutzend neue Teiche sowie Wasserabsetzbecken angelegt. Auch diese Maßnahmen dienen dem Wasserrückhalt im Wald und bilden zudem wichtige Lebensräume für ganz unterschiedliche Bewohner von Feuchtbiotopen.

Freiwillige bei der Arbeit im Bergwaldprojekt beim Grabenverschluss.
Freiwillige bei der Arbeit im Bergwaldprojekt beim Grabenverschluss.
Foto: Landesforsten

Im Bemühen, den Wasserrückhalt im Wald stetig zu verbessern, arbeitet das Forstamt Soonwald seit fünf Jahren auch sehr erfolgreich mit dem Verein Bergwaldprojekt zusammen.

Dabei finden in den Monaten Mai und Juni insgesamt vier Projektwochen statt, sowohl mit freiwilligen Erwachsenen aus dem gesamten Bundesgebiet als auch Schulklassen sowie mit Jugendlichen von Jugendhilfeeinrichtungen.

Förster Michael Veeck koordiniert im Forstamt Soonwald diese Arbeitsprojekte und ist ganz angetan von der Motivation und dem Engagement der Freiwilligen. „Wir haben es hierbei mit Menschen aus ganz unterschiedlichen Berufsgruppen zu tun, die ganz bewusst in ihrem Urlaub etwas Sinnvolles im Wald tun wollen, um mit ihrem Einsatz auch dem Klimawandel entgegenzusteuern“, äußert sich Michael Veeck begeistert. „Die beteiligten Schüler wollen damit einen konstruktiven Beitrag im Rahmen der Klimawandeldebatte leisten“, betont er.

Alte Gräben verschließen

Die Freiwilligen verschließen zum Beispiel mit natürlichem Baumaterial aus dem Wald alte Entwässerungsgräben, die vor ewigen Zeiten einmal von den Preußen im Soonwald angelegt wurden und noch immer Niederschlagswasser sehr schnell aus dem Wald ableiten. Darüber hinaus pflegen die Erwachsenen und Jugendlichen Feuchtbiotope, die im Laufe der Jahre mehr und mehr zugewachsen sind. „Wir suchen einen möglichst breiten Konsens mit beziehungsweise in der Bevölkerung, um die besorgniserregenden Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald zu bewältigen. Daher lautet unser diesbezügliches Motto auch: Gemeinsam! Für den Wald“, so Michael Veeck. red