Archivierter Artikel vom 22.04.2019, 15:34 Uhr
Dellhofen

Ende oder Neubeginn? Kirchenschiff von Heilig Kreuz in Dellhofen wird abgerissen

Die Heilig-Kreuz-Kirche im Oberweseler Stadtteil Dellhofen ist nicht mehr zu retten. Auf die Entscheidung, wie es mit dem Gotteshaus weitergehen soll, musste der Ortsbezirk jahrelang warten. Nun steht fest: Das Kirchenschiff wird abgerissen.

Das Kirchenschiff der Heilig-Kreuz-Kirche in Dellhofen wird abgerissen. Es ist einsturzgefährdet, und seit dreieinhalb Jahren ist die Kirche bereits geschlossen. Die Stadt will das Gelände nun übernehmen, anstelle des Kirchenschiffes soll hier eine Begegnungsstätte entstehen, der Turm bleibt erhalten. Doch erst muss das Trierer Bistum noch zustimmen – und das kann Monate dauern.  Foto: Denise Bergfeld
Das Kirchenschiff der Heilig-Kreuz-Kirche in Dellhofen wird abgerissen. Es ist einsturzgefährdet, und seit dreieinhalb Jahren ist die Kirche bereits geschlossen. Die Stadt will das Gelände nun übernehmen, anstelle des Kirchenschiffes soll hier eine Begegnungsstätte entstehen, der Turm bleibt erhalten. Doch erst muss das Trierer Bistum noch zustimmen – und das kann Monate dauern.
Foto: Denise Bergfeld

Für die katholische Gemeinde war diese Nachricht ein Schock, den sie erst einmal verarbeiten musste. Die Nachricht, dass der Kirche das Aus droht, erreichte die Gemeinde im November 2017. Pastor Manfred Weber hatte im Gottesdienst in Oberwesel verkündet, dass das Bistum kein Geld in die Sanierung investieren wird.

Kein Einzelfall. Denn es gibt immer weniger Kirchgänger. Viele Kirchenbänke bleiben heutzutage leer. Die Folge: Immer mehr Gotteshäuser in Rheinland-Pfalz können nicht mehr unterhalten werden. Ein Arbeitskreis hat sich seit Anfang vergangenen Jahres nun mit der speziellen Situation der Gotteshäuser in Oberwesel befasst und eine Idee entwickelt, was in Dellhofen nach dem Abriss entstehen könnte.

Die Stadt soll das Gelände vom Trierer Bistum übernehmen, entweder geschenkt oder symbolisch für 1 Euro. Der Kirchturm wird auf Kosten des Bistums erhalten und saniert und bietet künftig Platz für einen Andachtsraum. Direkt am Kirchturm könnte in Leichtbauweise auf rund der Hälfte der Grundfläche des ehemaligen Kirchenschiffes eine Art Pavillon als ein „Ort der Begegnung“ entstehen. Dort könnten mit einem mobilen Altar Gottesdienste gefeiert werden und weitere Feste stattfinden, wie das Backesfest, das schon immer im Kirchenumfeld angesiedelt war.

Es gibt auch bereits ein Modell, das der Oberweseler Architekt Hubertus Jäckel entworfen hat. Allerdings ohne offiziellen Auftrag der Stadt. Im Verwaltungsrat habe das Modell bereits Zustimmung gefunden, sagt der Pastor.

Der Verwaltungsrat, der für kirchliche Vermögensangelegenheiten zuständig ist, hat in seiner Sitzung vom 28. März die Entweihung der Heilig-Kreuz-Kirche (Profanierung) beschlossen. Auch der Pfarreienrat hat sich bereits mit dem Thema beschäftigt.

Jetzt ist das Bistum am Zug: Dort läuft nun das Genehmigungsverfahren an, der Profanierungsprozess wird eingeleitet und die Vertragsinhalte werden geklärt. Bevor das Kirchenschiff abgerissen und das Gelände verkauft oder verschenkt wird, ist die Kirche zu entweihen.

„Der Antrag wird nun dem Priesterrat auf Bistumsebene zur Anhörung zugeführt, nach der Beratung dort kann das Dekret des Bischofs erfolgen“, erklärt Bistumssprecherin Inge Hülpes. Genaue Termine könne das Bistum aber nicht nennen. „Man kann aber davon ausgehen, dass das gesamte Verfahren noch einige Monate andauern wird“, so Hülpes.

Eine Nachricht, die in Dellhofen für Ernüchterung sorgen wird, denn damit schwindet auch die Hoffnung auf eine zeitnahe Umsetzung des Projekts mit Mitteln aus dem Dorferneuerungsprogramm. Denn Dellhofen ist Schwerpunktgemeinde, schon seit vier Jahren. Doch bis auf ein Buswartehäuschen wurde bislang nichts umgesetzt. Das Kirchenumfeld kann erst geplant werden, wenn die Eigentumsverhältnisse klar sind. Zweimal schon kamen aus diesem Grund die Unterlagen von der Kreisverwaltung zurück, berichtet Ortsvorsteher Wilhelm Zimmermann.

Auch die anstehende Kommunalwahl könnte die Pläne weiter verzögern. Denn es werden ein neuer Stadtrat und ein neuer Stadtbürgermeister gewählt, die dem Vorhaben, das Gelände zu übernehmen, zustimmen müssen. Laut Zimmermann ist der 1. August die letzte Gelegenheit, um Fördermittel aus dem Dorferneuerungsprogramm für dieses Jahr zu beantragen. Zeitlich ist dies wohl kaum noch zu bewerkstelligen.

Dabei sind bereits dreieinhalb Jahre ins Land gegangen, seit die Filialkirche geschlossen wurde. Seit November 2015 finden dort keine Gottesdienste mehr statt, denn das Kirchenschiff aus den 1960er-Jahren ist stark sanierungsbedürftig und das Dach einsturzgefährdet. Dellhofen ist nicht groß, die Kirche von ihrem historischen Wert nicht vergleichbar etwa mit einer Martinskirche oder der Liebfrauenkirche in der Innenstadt. Für die kleine Gemeinde war und ist sie aber der eigentliche Dorfmittelpunkt.

Als im März vor zwei Jahren der damalige Vorsitzende der Immobiliengesellschaft des Bistums gemeinsam mit dem Finanzverwalter und weiteren Experten die Heilig-Kreuz-Kirche begutachtete, waren Ortsvorsteher Zimmermann und seine Frau Maria dabei. Beide engagieren sich seit vielen Jahren in der katholischen Gemeinde. „Eine Frau hat geweint“, erinnert sich Maria Zimmermann. Doch auf Emotionen sei seitens der Kirche wenig Rücksicht genommen worden. Die Menschen könnten ihre Gottesdienste doch überall feiern. Draußen auf der grünen Wiese oder in der Winzergenossenschaft nebenan, soll damals ein Vorschlag der Immobilienexperten gewesen sein.

Maria Zimmermann ist enttäuscht darüber, wie das Bistum Trier mit ihrer kleinen Gemeinde umgegangen ist. „Das Traurige ist, dass wir eine funktionierende Kirchengemeinde hatten und das systematisch kaputtgemacht wurde. Das ist der Teil, den ich einfach nicht verzeihen kann“, sagt sie.

Für die Gemeinde hat mit dem Tag, an dem die Kirche geschlossen wurde, ein schmerzhafter Prozess begonnen. Jahrelang haben die Gläubigen für den Erhalt ihres Gotteshauses gekämpft. Gemeindemitglieder, darunter auch Kinder, schrieben Briefe an den Trierer Bischof Stephan Ackermann, die persönlich übergeben wurden und in denen sie schilderten, was ihnen ihre Kirche bedeutet. Als Antwort folgte eine kurze, schriftliche Mitteilung, dass die Briefe angekommen seien.

„Durch den Wegfall der Kirche ist vieles geschrumpft, was früher einmal da war und funktioniert hat“, sagt auch Ortsvorsteher Wilhelm Zimmermann. Es gab Zeiten, in denen zehn bis zwölf Messdiener die Gottesdienste mitgestalteten. Heute sind es noch zwei. Ob dies eine Folge des seit Jahren geschlossenen Gotteshauses oder eines allgemein schwindenden Zuspruchs der katholischen Kirche im Land ist, bleibt unklar. Ein wesentlicher Grund für Kirchenschließungen im Allgemeinen ist aber die schwindende Zahl der Mitglieder und Kirchgänger. Allein im Trierer Bistum sind 2017 mehr als 8000 Menschen aus der katholischen Kirche ausgetreten. Für die verbliebenen Gläubigen ist der Verlust ihrer Kirche allerdings ein äußerst schmerzhafter Prozess. Vor allem, wenn es einen Ort mit einer funktionierenden Gemeindestruktur trifft.

„Die Gottesdienste in der Rheinhöhenhalle sind immer sehr gut besucht“, berichtet Pastor Manfred Weber. Viele Katholiken würden auch auf die umliegenden Kirchen in Perscheid oder Oberwesel ausweichen. „Ich habe den Menschen immer Hoffnung gemacht. Man muss die Situation so nehmen, wie sie ist und daraus das Beste machen“, sagt Weber. „Ein Modell liegt vor, und ich bin eigentlich ganz zuversichtlich, dass es eine Lösung geben wird. Ich weiß, dass es manchen zu langsam geht, und das kann ich auch verstehen.“

Von unserer Redakteurin
Denise Bergfeld

Man kann davon ausgehen, dass das gesamte Verfahren noch einige Monate andauern wird.

Bistumssprecherin Inge Hülpes über die anstehende Entweihung und den Abriss.

Das Traurige ist, dass wir eine funktionierende Kirchengemeinde hatten und das systematisch kaputtgemacht wurde.

Maria Zimmermann ist enttäuscht über den Umgang des Bistums mit der Gemeinde.

Ein Modell liegt vor, und ich bin eigentlich ganz zuversichtlich, dass es eine Lösung geben wird.

Pastor Manfred Weber zu den Plänen, eine Stätte der Begegnung zu errichten.