Kirchberg

Elternpraktikum in Kirchberg: Schüler machen mit „Baby“ tolle Erfahrungen

Zum ersten Mal hatten Schüler der KGS Kirchberg die Möglichkeit, an einem sogenannten Elternpraktikum teilzunehmen. Zum Abschluss der Veranstaltung reflektieren die Teilnehmer stets ihre Erfahrungen. So resümierte ein Schüler in seiner schriftlichen Reflexion: „Der Film war schwermütig, was aber im Zusammenhang mit FAS meiner Meinung nach wichtig ist.“

Diese und weitere Schüler der KGS Kirchberg konnten dank Babysimulator für drei Tage und zwei Nächte erfahren, was es bedeutet, Elternteil eines Kleinstkindes zu sein. Betreut wurden sie dabei von Hermann Schmitt (JBS Boppard) und Ingrid Gundert (Donum Vitae).  Foto: JBS Boppard
Diese und weitere Schüler der KGS Kirchberg konnten dank Babysimulator für drei Tage und zwei Nächte erfahren, was es bedeutet, Elternteil eines Kleinstkindes zu sein. Betreut wurden sie dabei von Hermann Schmitt (JBS Boppard) und Ingrid Gundert (Donum Vitae).
Foto: JBS Boppard

Diese Aussage verdeutliche einen Schwerpunkt der inhaltlichen Auseinandersetzung, sind die Veranstalter sicher. Denn hinter FAS steht das fetale Alkoholsyndrom, das entstehen kann, wenn während der Schwangerschaft Alkohol konsumiert wird. Aus der Reihe „Menschen hautnah“ sahen die Jugendlichen einen Bericht über Jenny, Mutter von drei Kindern, die selbst unter FAS leidet. Der Film beleuchtet ihren Alltag, ihren Kampf, ihre FAS-Defizite zu kompensieren und ihrem Alltag Struktur zu geben.

Eva Schneider, Lehrerin an der KGS und Vorstandsmitglied bei Donum Vitae, bat das pädagogische Team bestehend aus Ingrid Gundert, Leiterin der Beratungsstelle Donum Vitae, und Hermann Schmitt von der Jugendbegegnungsstätte (JBS) St. Michael in Boppard, ein Elternpraktikum in der Projektwoche anzubieten.

Schüler im Alter zwischen 16 und 18 Jahren meldeten sich, um drei Tage und zwei Nächte einen Babysimulator zu betreuen. Die Jugendlichen mussten vier Pflegemaßnahmen in zufälligem Rhythmus ausführen: Füttern, Windelwechsel, Aufstoßen und Wiegen. Der Simulator machte sich, wie bei echten Babys auch, nur durch Schreien bemerkbar. Hierauf meldeten sich die Jugendlichen mit einem Chip an und konnten dann die Versorgung übernehmen.

Eine wertvolle Erfahrung

Alle fanden die Zeit mit dem Babysimulator gut, es sei eine schöne Erfahrung gewesen, sich in dem Alter um ein Baby zu sorgen. „Es war natürlich auch anstrengend, dennoch hat es Spaß gemacht und war die Erfahrung definitiv wert“, schreibt ein Schüler. Das Geschreie hingegen sei teilweise auch nervig gewesen, ebenso die Einschränkungen in der Freizeit, urteilt ein anderer. Insgesamt aber sei die Zeit schon spannend gewesen. „Ich habe eine sehr coole Erfahrung mit dem Projekt gemacht und kann nun viele Eltern verstehen. Ich weiß, dass ich mir mit Kindern noch Zeit lassen werde“, resümierte jemand.

Neben der Betreuung des Babysimulators erhielten die Schüler auch Informationen zum fetalen Alkoholsyndrom, zu den Folgen, wenn Babys geschüttelt werden und zu Verhütungsmöglichkeiten. Wichtig sei in diesem Zusammenhang auch das Gespräch über die ethischen Implikationen einer Abtreibung. Nach drei Tagen bereiteten die Jugendlichen eine Präsentation für das Schulfest vor. Zudem reflektieren sie das Praktikum schriftlich und notierten ihre wichtigsten Erfahrungen.

So stellten die Teilnehmer etwa fest, dass „man trotz Baby nicht gesellschaftsuntauglich ist und trotz Baby seinen Zielen und Aufgaben nachgehen kann“. Ein anderer Schüler fand es besonders interessant und wichtig zu erfahren, was Alkohol während der Schwangerschaft und das Schütteln des Kindes für schlimme Auswirkungen haben kann. Andere fanden es spannend zu sehen, wie sie selbst die Zeit mit dem Baby und die Aufgabe als Elternteil meistern. Das erfordere viel Verantwortung, zudem bestimme das Kind den Alltag. Auch nachts aufzustehen, um das Baby zu versorgen, war eine ganz neue Erfahrung.

Überwiegend positiv seien die Reaktionen aus der Familie und der Öffentlichkeit gewesen, stellten die Teilnehmer fest. „Die Eltern haben die Puppe sofort akzeptiert und waren auch als Aushilfe gut zu gebrauchen“, berichtet ein Schüler. Sein Vater sei eher genervt gewesen, seine Mutter fand das Praktikum gut, schreibt ein anderer.

Freunde hätten das Projekt witzig gefunden und interessierten sich dafür, viele standen den Schülern zur Seite und unterstützen sie bei ihrer Aufgabe. „Meine Familie hat mich zuerst ausgelacht, doch dann wollten sie sich auch drum kümmern“, sagt ein Schüler. Auch die Freunde hätten sich gut gekümmert. So stand für die Teilnehmer fest, dass sie das Elternpraktikum auch anderen Jugendlichen empfehlen würden – etwa, weil es die Erfahrung definitiv wert und wichtig für das spätere Leben sei. Auch, wenn es teilweise anstrengend gewesen sei. red

Infos zum „Elternpraktikum“ erhalten interessierte Jugendliche und Erwachsene bei Ingrid Gundert per E-Mail an ingrid.gundert@donumvitae-boppard.de oder bei Hermann Schmitt per E-Mail an jbs-boppard@rz-online.de