Archivierter Artikel vom 26.10.2018, 17:01 Uhr
Hunsrück-Mittelrhein

Ära Bungert neigt sich dem Ende zu

Die Ortsmarke zu Beginn des Artikels lautet so, wie die neue Verbandsgemeinde, die am 1. Januar 2020 an den Start geht. Die VG Hunsrück-Mittelrhein wird dann einen neuen Chef haben und einen neuen Verbandsgemeinderat.

Von Thomas Torkler
Nicht leicht gemacht hat es sich Thomas Bungert nach eigenen Angaben, auf eine Kandidatur für das Amt des Bürgermeisters der neuen VG Hunsrück-Mittelrhein zu verzichten. Der CDU-Politiker war am 25. September 2016 als Bürgermeister der VG St. Goar-Oberwesel bestätigt worden.
Nicht leicht gemacht hat es sich Thomas Bungert nach eigenen Angaben, auf eine Kandidatur für das Amt des Bürgermeisters der neuen VG Hunsrück-Mittelrhein zu verzichten. Der CDU-Politiker war am 25. September 2016 als Bürgermeister der VG St. Goar-Oberwesel bestätigt worden.
Foto: Werner Dupuis

Die Wahlen dafür finden am Sonntag, 26. Mai, 2019 statt. Die beiden fusionierten Verbandsgemeinden St. Goar-Oberwesel und Emmelshausen existieren also noch bis zum Jahresende 2019. Und bis dahin will der Chef in St. Goar-Oberwesel „mit Vollgas meine Amtszeit fertig machen“.

Thomas Bungert beendet seine Amtszeit als Bürgermeister der VG St. Goar-Oberwesel vorzeitig zum 31. Dezember 2019. Ab 1. Januar 2020 geht die neue Verbandsgemeinde Hunsrück-Mittelrhein an den Start.
Thomas Bungert beendet seine Amtszeit als Bürgermeister der VG St. Goar-Oberwesel vorzeitig zum 31. Dezember 2019. Ab 1. Januar 2020 geht die neue Verbandsgemeinde Hunsrück-Mittelrhein an den Start.
Foto: Werner Dupuis

Thomas Bungert hat für sich entschieden, dass dann für ihn Schluss sein soll mit seiner bisherigen Tätigkeit als Verwaltungschef einer Verbandsgemeinde. Er scheidet also vorzeitig aus seiner dritten Amtszeit, denn gewählt wurde Bungert am 25. September 2016. Mit 89,58 Prozent bestätigte er damit fast sein Traumergebnis von 2008, als er mit 90,86 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister der Verbandsgemeinde St. Goar-Oberwesel gewählt wurde. Verbandsgemeinde-Bürgermeister werden für acht Jahre gewählt. Bungerts Amtszeit hätte also bis September 2024 gedauert. Doch der 59-Jährige hat für sich entschieden, aufzuhören und seinen Hut nicht mehr in den Ring zu werfen bei der Urwahl zur neuen VG.

Peter Unkel, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Emmelshausen, gibt seine Entscheidung über eine Kandidatur in der nächsten Sitzung des Verbandsgemeinderats Emmelshausen am 13. Dezember offiziell bekannt.
Peter Unkel, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Emmelshausen, gibt seine Entscheidung über eine Kandidatur in der nächsten Sitzung des Verbandsgemeinderats Emmelshausen am 13. Dezember offiziell bekannt.
Foto: VG Emmelshausen

Nicht als zweiter Mann

Er macht auch nicht von der gesetzlichen Möglichkeit Gebrauch, als hauptamtlicher Beigeordneter weiterzumachen bis zum Ende seiner Amtszeit, für die er 2016 gewählt wurde. Es wäre denkbar gewesen, dass Bungert als hauptamtlicher Beigeordneter unter einem neuen Bürgermeister der VG Hunsrück-Mittelrhein agiert – bei gleichbleibenden Bezügen seiner jetzigen Bürgermeistertätigkeit.

Denkbar ist das aber nicht für ihn persönlich. „Ich glaube nicht, dass ich als zweiter Mann tauge. Entweder ganz oder gar nicht“, sagte Bungert auf Nachfrage unserer Zeitung und erklärt: „Ich werde nicht als Beigeordneter der neuen Verbandsgemeinde zur Verfügung stehen.“

Dabei könnte sich sein Kollege Peter Unkel das sicher gut vorstellen. Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Emmelshausen wollte sich auf Nachfrage unserer Zeitung, ob er denn das Amt des Chefs der neuen VG anstrebe, nicht äußern: „Ich werde meine Entscheidung zunächst dem Verbandsgemeinderat und den anwesenden Ortsbürgermeistern bekannt geben, und zwar in der Verbandsgemeinderatssitzung am 13. Dezember, das gehört sich so“, betonte Unkel gegenüber unserer Zeitung. Dass der parteilose VG-Chef nicht abgeneigt ist, die fusionierte neue VG zu leiten, pfeifen die Spatzen allerdings bereits von den Dächern. Und nach Informationen unserer Zeitung, wird Unkel wohl für das Amt des Bürgermeisters der VG Hunsrück-Mittelrhein kandidieren. Was dafür spricht, ist seine starke Mitwirkung bei der Fusion der beiden VGs, die bislang äußerst harmonisch und völlig geräuschlos über die Bühne ging.

Das wiederum hätte auch Bungert gereizt. „Es läuft super gut mit der Fusion“, sagte Bungert. In seinem Urlaubsdomizil in der Toskana gab Bungert aber auch hoffen gegenüber unserer Zeitung zu, dass die Situation für ihn vor dem Hintergrund der Fusion äußerst komfortabel sei. Er habe die Gelegenheit, kürzer zu treten und gedenke auch, diese zu nutzen. In einem Schreiben teilt Bungert mit: „Durch die vom Land festgelegten Vorgaben hat nunmehr eine Fusion zu erfolgen. Ich bin sehr froh, dass es mir mit Unterstützung des Verbandsgemeinderates und der Verbandsgemeinde Emmelshausen gelungen ist, dies mit großen Mehrheiten freiwillig zu organisieren. Am 1. Januar 2020 wird die neue Verbandsgemeinde Hunsrück-Mittelrhein aus der Taufe gehoben. Sinn dieser Reform ist die Einsparung von Personalkapazitäten – Effizienzsteigerung, sodass meine Entscheidung dieser Zielsetzung entspricht. Nach dann mehr als 19 Jahren im Amt möchte ich auch nicht der Verlockung verfallen, wie so viele in diesem Metier, zu lange an einer Führungsfunktion festzuhalten. Demokratie heißt vom Volk gegebene Entscheidungskompetenz auf Zeit. Ich glaube, dass es jetzt genau der richtige Zeitpunkt ist, mit der Bildung der neuen Verbandsgemeinde eine Zäsur zu setzen. Die Entscheidung war nicht einfach, aber wie ich glaube dessen ungeachtet richtig.“

Im Gespräch mit unserer Zeitung lässt Bungert durchblicken, dass er froh ist, dass nach einem halben Jahr der Abwägung, er nun eine Entscheidung für sich getroffen hat: „Da fällt doch eine Last von einem ab.“ Und die Last des Alltags hat wohl auch den Ausschlag gegeben, zum Jahresende 2019 einen Schlussstrich unter seine kommunalpolitische Arbeit zu ziehen – zumindest seine hauptamtliche. Denn er überlegt noch, ob er im Kreistag noch eine Runde dranhängt und bei der Kommunalwahl für das Kreisparlament kandidiert.

Seine Partei, die CDU, dürfte da kaum etwas dagegen haben. Es waren auch unter anderem seine Parteifreunde, die ihn gedrängt haben, für das Amt des Bürgermeisters der neuen VG Hunsrück-Mittelrhein zu kandidieren. Probleme hätte er keine gehabt, gegen einen möglichen Kandidaten Unkel in den Ring zu steigen, und gute Chancen, die Urwahl zu gewinnen, hätte sich Bungert auch ausgerechnet.

Der Fluch der guten Tat

Doch nach 19 Jahren Amtszeit und diversen ehrenamtlichen Tätigkeiten, die das Amt eines VG-Bürgermeisters ganz automatisch mit sich bringen, sind in der Vergangenheit schon eine Menge Abendtermine angefallen. „Fluch der guten Tat“, nennt Bungert das. Diese vielen Termine nicht mehr am Bein zu haben, war offenbar verlockend. Er habe vor der Entscheidung gestanden, weiter „110 Prozent Einsatz im Hamsterrad“ zu zeigen, oder es mit fortschreitendem Alter ruhiger angehen zu lassen. Vielleicht widmet sich der Jurist noch einmal seiner ursprünglichen Profession, „so zwei, drei Tage die Woche in der Kanzlei“, oder er macht etwas ganz anderes. Darüber sei noch keine Entscheidung gefallen, sagt Bungert. Konkreter ist allerdings, dass er nach Ende seiner Amtszeit am 31. Dezember 2019 erstmal ein halbes Jahr Auszeit nehmen will. „Vielleicht geh' ich mal nach Santiago“ (... de Compostela auf dem Jakobsweg, die Red.), könnte sich Bungert als begeisterter Wanderer vorstellen.

Wer nun im kommenden Jahr am 26. Mai für das höchste Amt in der VG Hunsrück-Mittelrhein antritt, ist also noch offen. Festgelegt hat sich der Linke Roger Mallmenn (wir berichteten). Ob SPD oder CDU ihrerseits noch Bewerber nominieren, ist noch nicht bekannt. Bungert geht davon, „dass die CDU einen Kandidaten nominiert“.

Von unserem Redaktionsleiter Thomas Torkler

Thomas Torkler zum Amtsverzicht von Thomas Bungert

Die Couch ruft mitunter auch bei Bürgermeistern

Heide Simonis hat einmal vor Journalisten unumwunden zugegeben, wie schwer ihr der Machtverlust falle, nachdem ihre Karriere als Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein 2005 jäh endete. Von Amt und Würden loszulassen, ist nicht einfach. Thomas Bungert macht's einfach. Aber einfach hat er es sich nicht gemacht, wie er betont. Aber Bungert ist klug genug, um Macht und Annehmlichkeiten als Bürgermeister einer Verbandsgemeinde sorgfältig gegen den Berufsalltag abzuwägen. Er spricht von 300 Abendterminen im Jahr. Auch wenn es nur 200 wären, ist das noch immer viel. Und nicht immer sind die Pflichten eines Bürgermeisters vergnügungssteuerpflichtig, denn nicht alle Termine sind so angenehm wie beispielsweise der dienstlich angeordnete Weingenuss am Weinmarkt-Montag in Oberwesel. Wobei man auch den diesem Ereignis vorausgehenden qualvollen Abendtermin der Vorverkostung nicht außer Acht lassen darf. Ein Bürgermeister erscheint bei Feuerwehrfesten, Vereinsjubiläen, Kirchenfeierlichkeiten, er nimmt Ehrungen vor, gratuliert Jubilaren und vieles mehr – neben dem „Regieren“. Viele „Nebenher-Termine“ macht er gern. Aber jeder, der in eine solche Situation käme, müsste ehrlich zugeben, dass es auch Anwesenheitspflichten gibt, auf die man gern verzichten würde. Auch bei Bürgermeistern ruft mitunter die Couch. Wer demnächst seinen Allerwertesten von dort in den Wahlkampfring bewegt und neben Roger Mallmenn kandidieren wird, bleibt spannend.

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