Archivierter Artikel vom 26.11.2017, 17:33 Uhr
Kirn

Reich beschert mit Wein, Brot und guter Laune

Die zwölfte biblisch-musikalische Weinprobe ließ keine Wünsche offen – Für Lana gespendet

Eine reiche vorweihnachtliche Bescherung für alle Sinne genoss eine große „Familie“ bei der 12. biblisch-musikalischen Weinprobe des Fördervereins Lützelsoon und der Soonwaldstiftung am Samstag im evangelischen Gemeindehaus in Kirn. Brot- und Stollenspezialitäten, elf erlesene Weine, kluge und oft nachdenkliche Moderation und Inspiration von Julia Klöckner, musikalische Unterhaltung von Schlager bis Advent, spontane Spendenaktion und das alles in Wohnzimmeratmosphäre. Herz, was willst du mehr?

Wer schon dabei war, der weiß, warum die dreieinhalbstündige Veranstaltung stets Wochen zuvor ausverkauft ist. Mit einem Sack voller Eindrücke geht man zufrieden nach Hause, vielleicht noch mit Brot, Wein und Stollen im Gepäck. Jedenfalls mit vielen Anregungen, was man tun könnte, um trotz der globalisierten Welt, für die sich Julia Klöckner ausdrücklich bekennt, regionale Schwerpunkte zu setzen. Zum Beispiel dort kaufen, wo die Produkte herkommen, und nicht beim Discounter wie Bäckerobermeister und Kreisinnungsmeister Alfred Wenz nachdrücklich warb.

Auch Initiator und Fördervereins-Chef Herbert Wirzius macht sich ganz stark für regionale Produkte mit regionalen Zutaten. Und das kann er als Weinfachmann nach dem verabreichten Gaumengenuss auch gerne tun. Bis auf den „Ausreißer“ für 13 Euro, einen aufwendigen Burgunder aus dem Barriquefass aus Obermoschel (Weingut Schmidt, Wolf und Guth) lagen die kredenzten Weiß- und Rotweine unter 10 Euro. Sie wurden von den Winzerinnen Laura Weber (Monzingen, Jungwinzerin des Jahres), Biowinzerin Margit Forster (Rümmelsheim, Naheweinkönigin 1988), Elke Barth (Kirschroth) sowie Andreas Schmidt und Senior Helmut Hexamer im Zusammenspiel mit der früheren deutschen Weinkönigin Julia Klöckner kenntnisreich und nachvollziehbar besprochen. Das allein hätte schon das Abendprogramm leicht füllen können. Denn die ausgewiesenen Experten hatten viel zu sagen über Rebsorten (zum Beispiel Cabernet Dorsa aus Kirschroth) oder über Boden und Klimabesonderheiten. Sie könnten Bonmots liefern ohne Ende. „Ein Riesling ohne Säure ist wie eine Katze ohne Schwanz,“ merkte Helmut Hexamer süffisant an. Ja, vor 40 Jahren hatte der Meddersheimer für seine Qualitätsprodukte schon Staatsehrenpreise erhalten. Damals noch trotz eher kurzer Ausbildung an der Weinbauschule. Sohn Harald studierte, baut konsequent weiter auf Top-Qualität. So geht's auch in Obermoschel: Andreas Schmidt hat aufgebaut, Nachbarweingüter aufgekauft, die Söhne setzen schon eigene Akzente mit Topweinen. Und bereichern die Schatzkammer. „Ihr seid zu günstig“, merkte Julia Klöckner dazu an. Für den Einheitspreis von acht Euro pro Flasche konnten Besucher nach dem Test einkaufen.

Musikalisch überzeugten einmal mehr die Wonderfrolleins mit Andrea Paredes Montes (Leadgesang, Gitarre), Lexi Rumpel (Bass, Gesang) und Isabelle Bodenseh (Querflöte, Percussion, Gesang) mit Liedern zum Mitsingen wie den „Caprifischern“ oder „Heißer Sand“ aus der Wirtschaftswunderzeit. Isabelle Bodenseh ist Elternbeauftragte im Förderverein. Sie schlug den Bogen zum Benefizgedanken, berichtete von ihrer schwerstbehinderten Tochter, die nicht sprechen und keinen Löffel halten kann. Die aber auch dank der Unterstützung des Fördervereins ihren Realschulabschluss anstrebt. Da fiel es nicht leicht, unbeschwert Schlagermusik zu konsumieren, wie sie die Geschwister Julia und Franziska David zelebrierten. Aber das ist ja das Geheimnis der Veranstaltung: Das mit vielen Zutaten gewürzte Menü stimmt.

So wie das Angebot von „Duetto and Friends“: Stefan Marx und Ramona Wöllstein am Flügel, begleitet von „Friends“ Oli Wöllstein und Sascha Marfilius, brachten bei ihren drei Auftritten von Udo Jürgens bis zu mundartlichen Adventsweisen (herrlich: „Der erste Schnee“) ein Riesenspektrum auf die Bühne. Dazu überzeugte Herbert Wirzius als Gedichtemacher. Noch wichtiger: Wie er es mit seinem Team stets schafft, alle und alles unter einen Hut zu bekommen. So entlockte er Julia Klöckner ein schlichtes „Ja!“ auf die Frage, ob sie bei der 13. Auflage am 24. November 2018 wieder dabei sein werde, in welcher politischen Funktion auch immer. Dabei wird schon klar sein: Sie will an diesem Abend unpolitisch bleiben. Das gelang ihr auch in diesen unruhigen Zeiten. Sie setzte diesmal mehr auf Brot denn auf Wein, zitierte und interpretierte die Bibel. Sie war wieder bestens vorbereitet, bestätigte die Wirzius-Einschätzung, dass sie als Moderatorin diese Veranstaltung prägt. Ja, man muss kein eifriger Kirchgänger sein, um Klöckner mit Brot und Wein durch die Bibel folgen zu können. Fazit: Wenn wir von dem, was wir übrig haben und nicht brauchen, etwas geben, dann bekommen wir viel dafür zurück, und es bleibt noch übrig. Das tägliche Brot, das man mit Freunden teilt, ist mehr als nur eine Ernährungsgrundlage. Damit so ein thematisch fast übervoller Abend harmonisch und professionell abläuft, braucht's eine große Helferschar. Das Team um Isabell Lauf, Thomas Jung, Daniel Wermke, Eheleute Ensminger und TuS-Handballmädchen sorgte in Küche und beim Ausschank für reibungslosen Ablauf. Auch Ingrid Wirzius war wieder gefordert: Sie hatte traditionell eine große Wanne voll Spundekäs angerichtet.

Teilen und Helfen, das ist das Motto von Förderverein und Stiftung. Die Sammlung für die dreijährige leukämiekranke Lana aus Oberhausen und ihre Familie brachte stolze 2500 Euro ein. So gab's am Ende viele zufriedene Gesichter: Winzer, die kostenlos mitmachten, aber von der nachhaltigen Weinwerbung profitieren, Hausherr und Pfarrer Michael Zeh über die Unterstützung beim Verbreiten der Christenbotschaft, Vermarktungsstratege Alfred Wenz, der seit 1999 auf Gutes aus der Region setzt, und natürlich Herbert Wirzus, der nach 20 Großveranstaltungen 2017 schon für 2018 und darüber hinaus Pläne schmiedet. Armin Seibert