Archivierter Artikel vom 25.07.2012, 14:56 Uhr
Bad Kreuznach

Prozess gegen Pulver-Kurt vertagt

Der Prozess gegen den als Pulver-Kurt bekannt gewordenen Waffennarr aus Becherbach hat heute vor dem Landgericht in Bad Kreuznach begonnen und ist auch schon vertagt worden.

Der Prozess gegen den als Pulver-Kurt bundesweit bekannt gewordenen Militariasammler Kurt N. aus Hundsbach hat am 25.07.2012 vor dem Landgericht Bad Kreuznach begonnen.

Benjamin Stoess

... und endete gleich mit einer Überraschung: Ein psychologisches Gutachten soll in den nächsten Wochen klären, ob der 64-jährige Angeklagte an Objektophilie leidet, einer wahnhaften Sucht, bestimmte Gegenstände besitzen zu wollen.

Benjamin Stoess

Damit folgte das Landgericht einem Antrag von Verteidiger Dr. Ulrich Stange.

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Kurt N. hat zu Hause in Hundsbach und in einer Becherbacher Scheune ein großes Waffenarsenal angehäuft, das im Januar 2011 von der Polizei ausgehoben wurde. Damals musste Becherbach evakuiert werden.

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Staatsanwältin Annette Boeckl wirft Kurt N. in der Anklage vor, ohne die erforderlichen Berechtigungen nach dem Kriegswaffenkontroll-, Waffen- und Sprengstoffgesetz viele Maschinengewehre, Maschinenpistolen, Gewehre, Pistolen und Revolver, Waffenteile, Handgranaten, zahlreiche teilweise mit TNT und anderen Substanzen selbst gefertigte Sprengkörper, eine Antipersonenmine, eine große Menge panzerbrechende Munition und weit über 100 Kilo verschiedene Sprengstoffe sowie Pyrotechnik unterschiedlichster Art und Herkunft besessen und gelagert zu haben.

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Rentner Pulver-Kurt macht vor dem Landgericht einen angegriffenen Eindruck. Nur selten huscht ein leichtes Lächeln über sein Gesicht. Anwalt Stange nimmt seinen Mandanten in Schutz: „Er hat noch nie so im Interesse gestanden. Das ist nicht ganz einfach.“ Der frühere Werkzeugmachermeister habe gesundheitliche Schwierigkeiten.

Benjamin Stoess

Ulrich Stange beschreibt Kurt N. als „angesehenen Bürger“. „Er lebt in geordneten Verhältnissen.“ Seine Arbeit bei der Firma Hay in Bad Sobernheim musste er aufgeben, „weil mir die Lehrlinge so zugesetzt haben“. Pulver-Kurt legt nämlich großen Wert auf Verlässlichkeit,

Benjamin Stoess

Mit Waffen kam er frühzeitig in Berührung: „Bei uns im Ort hat überall das Zeug rumgelegen. In jedem Haus stand der Karabiner. Das ist mir in Fleisch und Blut übergegangen.“ Der Vorsitzende Richter, Dr. Bruno Kremer, fragt: „Warum haben Sie so viele Waffen?“

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Pulver-Kurt berichtet: „Viele Leute hatten Waffen, die sie loswerden wollten. 1969/70 ging's los, und so ging es immer weiter.“ Und noch eins will Pulver-Kurt klarstellen: Er möchte nicht in die „rechte Ecke“ gerückt werden. Dass in seinem Wohnhaus eine Hakenkreuzfahne sichergestellt wurde – damit habe er nichts zu tun.

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Wieso er große Mengen Waffen und Sprengstoffe in der Scheune in Becherbach lagerte, will Dr. Kremer wissen. Kurt N. antwortet kurz und knapp: „Ich wollte das Zeug nicht bei mir zu Hause haben.“ Über die Gefährlichkeit gaben Experten der Polizei Auskunft: „Es hätte in einer Katastrophe enden können.“

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Überraschende Wende am Nachmittag: Der Verteidiger beantragt einen Beweisantrag. Es soll ein psychologisches Gutachten über die geistige Verfassung von Pulver-Kurt angefertigt werden. Das Gericht gab dem statt. Der nächste Verhandlungstermin ist am Mittwoch, 15. August.

Zuvor hatte Pulver-Kurt einen Teil der Anklagepunkte bestritten. Er betonte: “Mit Rechtsradikalen habe ich nichts zu tun." Er wolle nicht in diese Ecke gerückt werden. Zudem habe er nie illegale Waffen verkauft. Er gab hingegen zu, illegale Waffen getauscht zu haben. Er gab auch an, dass er die Lagerung der von ihm gesammelten Waffen und Sprengstoffe in der Scheune  bei Becherbach für sicher hielt. Es habe ja niemand von der Existenz des Lagers gewusst.