Archivierter Artikel vom 13.08.2022, 11:51 Uhr
Soonwald

Neue Strategie: Insektenschutz liegt Förstern im Soonwald am Herzen

Wir wissen, dass die Vielfalt der Arten und auch die genetische Vielfalt innerhalb der Arten ein wertvoller Schatz der Natur ist. Vor allem im Hinblick auf mögliche Anpassungsstrategien an den Klimawandel kommt daher dem Artenschutz eine herausragende Bedeutung zu.

Ein Schmetterling der Art Russischer Bär im Soonwald
Ein Schmetterling der Art Russischer Bär im Soonwald
Foto: Landesforsten Rheinland-Pfalz

Das betrifft sowohl die Pflanzen- also auch die Tierwelt. Landesforsten Rheinland-Pfalz hat vor Kurzem ein neues Konzept zur Förderung der Insekten im Wald herausgegeben. In den Forstrevieren des Forstamts Soonwald wird Insektenschutz dagegen schon seit Langem großgeschrieben. Mit der Krefelder Studie hatte der entomologische Verein Krefeld vor einigen Jahren nicht nur die Fachwelt aufgeschreckt. Danach ist die Biomasse fliegender Insekten in ausgewählten Schutzgebieten innerhalb von 27 Jahren um 76 Prozent zurückgegangen.

Totholz bietet Lebensraum

Auch wenn dieser Rückgang an Individuen grundsätzlich stärker in Offenlandschaften festgestellt wurde, haben auch die Forstleute den Insektenschutz schon lange auf ihrer Agenda. „Ich betreue seit über 30 Jahren das Forstrevier Alteburg im Forstamt Soonwald. Der Insektenschutz lag mir dabei immer sehr am Herzen. Es ist schön zu sehen, wie sich besondere Naturschutzmaßnahmen im Wald auch in der Artenvielfalt von Insekten auszahlen“, erläutert Förster Klaus Kaiser. „Außer vielen anderen, zum Teil seltenen Schmetterlingsarten kommt bei mir auch der Kaisermantel vor, Schmetterling des Jahres 2022“, berichtet er stolz.

Kaiser forciert seit vielen Jahren den Insektenschutz im Wald. In seinem Revier werden beispielsweise die Bankette, das heißt die Randstreifen der Waldwege, nur partiell gemulcht. Dadurch wachsen dort Futterpflanzen, und es entstehen Mikrohabitate für diverse Insektenarten. Auch der stufige Aufbau von Waldrändern mit einem Waldsaum aus krautigen Pflanzen und einem anschließenden Waldmantel mit Sträuchern sowie niedrigeren Baumarten bietet vielen Kleinstlebewesen und Insekten wertvollen Lebensraum.

„Zudem haben wir auf unsere Waldwiesen ein besonderes Augenmerk. Wir mulchen sie, lassen aber auch Streifen stehen. Dadurch kann sich eine vielfältige und artenreiche Pflanzengesellschaft entwickeln, die vielen Insektenarten Lebensraum bietet“, erklärt Kaiser.

Im Revier Alteburg, wie in vielen anderen Forstrevieren von Landesforsten auch, kommt dem Totholz als wichtige Ökonische nicht nur für Insekten eine besondere Bedeutung zu. Bäume dürfen hier alt werden und werden auch nach dem Absterben nicht einfach gefällt. Selbst wenn sie bereits abgestorben sind, haben Bäume noch wichtige Funktionen. Totholz ist ein zentrales Element für Holz zersetzende Insektenarten. In den vergangenen Jahren ist das Bewusstsein für die Bedeutung von Altbäumen und Totholz in Waldökosystemen stark gewachsen.

„Nicht zuletzt als Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald sehen wir im Soonwald immer mehr abgestorbene Buchen. Das macht uns natürlich Sorgen. Wir fällen diese Bäume aber nicht einfach, sondern lassen sie als Mikrohabitate, also Kleinstlebensräume für ganz unterschiedliche Insektenarten, stehen“, erläutert Förster Michael Veeck vom Forstamt Soonwald.

„Wir schauen bei allen betrieblichen Arbeiten im Wald genau darauf, dass unser Handeln keine negativen Auswirkungen nicht nur auf die Insektenwelt hat“, so Veeck weiter. Von Bedeutung für die Artenvielfalt sind auch die Feuchtbiotope im Soonwald. In den vergangenen 30 Jahren wurden unzählige kleinere und auch größere Tümpel angelegt. „An einigen hat sich eine besondere Feuchtfauna angesiedelt, zum Beispiel seltene Libellenarten, die es ohne diese Maßnahmen im Soonwald nicht mehr geben würde“, ist Klaus Kaiser sicher.

Strukturvielfalt im Wald wichtig

Die biologische Vielfalt hat nicht nur einen Eigenwert, sondern stabilisiert die Waldwirkungen über vernetzte Wechselwirkungen gegenüber biotischen und abiotischen Schadfaktoren. Global betrachtet sind Insekten die dominierende Organismengruppe, nicht nur hinsichtlich der absoluten Artenzahl, sondern auch wegen der Vielfalt ihrer ökologischen Wirkungen.

Die Artenvielfalt als Bestandteil der Biodiversität hängt in erster Linie von der Strukturvielfalt des Waldes ab – also von der Frage, wie viele verschiedene ökologische Nischen der Wald hat. In diesem Sinn haben Förster Kaiser und seine Kollegen bei Landesforsten bei der täglichen Arbeit im Wald den Insektenschutz immer im Auge.

Interessierte Bürger können sich bei Exkursionen einen Eindruck von den vielfältigen Insekten fördernden Maßnahmen im Forstamt Soonwald machen. Dabei werden sie vielleicht keinen Kaisermantel sehen. Aber Förster Kaiser werden sie gewiss leibhaftig antreffen. red