Archivierter Artikel vom 26.07.2021, 15:33 Uhr
Bad Kreuznach

1055 Einsatzkräfte aus Kreis Kreuznach helfen in den Flutgebieten: Krisenstab zieht nach elf Tagen Zwischenbilanz

Der Katastrophenschutz des Landkreises Bad Kreuznach unterstützt die Rettungs- und Aufräumarbeiten in den Hochwassergebieten in Rheinland-Pfalz. Etwa 2500 Mitglieder der Feuerwehren und 600 Mitglieder der anderen Hilfsorganisationen sind im Landkreis Bad Kreuznach aktiv. Hand in Hand arbeiten der Arbeiter-Samariter-Bund, die DLRG, das Deutsche Rote Kreuz, die Feuerwehren, der Malteser Hilfsdienst und das THW bei größeren Einsatzlagen zusammen.

Kräfte der Schnelleinsatzgruppe treffen sich vor der Abfahrt im Katastrophenschutzzentrum.
Kräfte der Schnelleinsatzgruppe treffen sich vor der Abfahrt im Katastrophenschutzzentrum.
Foto: team medien

In den ersten elf Tagen seit der Hochwasserkatastrophe waren 1055 Kräfte der Kreuznacher Hilfsorganisationen vor Ort, haben Menschen und Tiere gesucht, gerettet, versorgt und geborgen, Keller und Tiefgaragen ausgepumpt und bei den Aufräumarbeiten geholfen.

Die Fußgängerzone in Bad Neuenahr  Fotos: Team Medien
Die Fußgängerzone in Bad Neuenahr Fotos: Team Medien
Foto: sdaf

Dabei wurden mehr als 10.000 Arbeitsstunden geleistet, komplett im Ehrenamt. 400 Stunden entfallen alleine auf die technische Einsatzleitung, die die eingesetzten Kräfte aus dem Landkreis koordiniert, für Nachschub von Material und Personal sowie für die Verpflegung der Helfer sorgt. Auch der Krisenstab vor Ort und die Betreuung der Pressevertreter wird personell unterstützt.

Seuchengefahr steigt

Alle Verbandsgemeinden und Städte im Landkreis haben aus jeder Einheit der Feuerwehren Kräfte gestellt. Die Sanitätsdienste kümmern sich um Evakuierungen und die Betreuung verletzter Personen. Die Rettungshundestaffel sucht nach Verschütteten, die DLRG ist mit Tauchern und Strömungsrettern im Einsatz. Auch Ärzte der Sanitäts- und Rettungsdienste sowie der Feuerwehren sind vor Ort.

Dazu wurden noch große Mengen an Material organisiert, von Schaufel und Besen über Tauchpumpen und Stromgeneratoren bis zu Hochleistungspumpen, die in der Minute bis zu 20.000 Liter Wasser befördern können. In Spitzenzeiten wurde eine Million Liter Wasser in der Stunde gepumpt. Auch für die Wartung und Instandhaltung der eingesetzten Fahrzeuge und Materialien sind Kräfte im Krisengebiet eingesetzt.

Nicht nur Verletzungen von Bewohnern und Helfern müssen behandelt werden, auch die Seuchengefahr steigt. Durch die fehlende Hygiene im Hochwassergebiet kann es zu Krankheiten, wie Typhus, Salmonellen, Hepatitis A, Tetanus oder eine Infektion mit dem Hantavirus kommen. Da es bereits zu Erkrankungen unter Bewohnern und Einsatzkräften gekommen ist, wird dies von der zuständigen Rettungsdienstbehörde mit Sorge beobachtet.

Auch die Gefahr einer Infektion mit dem Coronavirus bleibt bestehen. Im Katastrophenschutzzentrum in Rüdesheim können sich die heimkehrenden Kräfte einem freiwilligen Corona-Schnelltest unterziehen. Dieser wird vom Sanitätspersonal durchgeführt.

Einsatz noch längst nicht beendet

Am Samstagabend sind die eingesetzten Feuerwehreinheiten aus dem Landkreis Bad Kreuznach mit allen Pumpen und Material nach Hause gefahren. „Das bedeutet aber nicht, dass unser Einsatz im Hochwassergebiet damit beendet wäre“, betont Brand- und Katastrophenschutzinspekteur Werner Hofmann. Fahrzeuge, Pumpen und Gerätschaften bedürfen Wartungs- und Reinigungsarbeiten nach dem anspruchsvollen Dauereinsatz. Dies könne in der nötigen Gründlichkeit vor Ort während des laufenden Einsatzes nicht gewährleistet werden. Danach wird der Einsatz der Feuerwehren des Landkreises weitergehen. Eine Abordnung der Rüdesheimer Feuerwehr, die Einsatzgruppe Verpflegung, ein Org-Leiter und Sanitätspersonal aus unserem Landkreis sind nach wie vor im Ahrtal im Einsatz.

Seit gestern ist zusätzlich ein Löschzug mit 15 Feuerwehrkräften rund um die Uhr im Bereich Schuld und Insul im Einsatz, nicht nur, um zu helfen, die Hochwasserschäden zu beseitigen, sondern auch um den Brandschutz zu gewährleisten. Nach einer 24-Stunden-Schicht wird das Personal gewechselt. Auch ein Messfahrzeug aus dem Kreis Kreuznach wird im Bereich Bad Neuenahr-Ahrweiler eingesetzt werden. Die Führungsstaffel aus Rüdesheim führt einen Bereitstellungsraum für ankommende Hilfskräfte in der Verbandsgemeinde Adenau.