Archivierter Artikel vom 25.09.2020, 18:50 Uhr
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Bad Kreuznach

100 Jahre Stenger: Von der Anstaltskleidung bis zur Kittelschürze

Wer kennt es nicht: Der Kleiderschrank quillt über, doch was man anziehen soll, weiß man dennoch nicht. Ein Luxusproblem, über das unsere Zeitgenossen vor 100 Jahren sicherlich nur bestürzt den Kopf geschüttelt hätten. „Damals gab es für den Alltag Kittelschürzen, zwei drei Hemden für die Männer und für den Sonntag einen Anzug oder ein Kleid. Der Bedarf war nicht so wie heute, der Schrank des Durchschnittsbürgers war vielleicht maximal einen Meter breit“, erzählt Tim Stenger, in vierter Generation Chef des Modehauses Stenger in der Hochstraße in Bad Kreuznach. Vor 100 Jahren, im September 1920, gründete sein Uropa Ignaz Stenger zusammen mit seiner Frau Pauline in der Hofgartenstraße eine Textilgroßhandlung für Kurz-, Weiß- und Wollwaren, ein Jahr später zog das Geschäft in die Poststraße um. Wie eine moderne Boutique kann man sich das Ganze aber nicht vorstellen: Stenger belieferte die Gemischtwarenhändler auf den Dörfern mit Stoffen, Strumpfhosen oder Reißverschlüssen. „Damals haben die Leute noch viel selbst gemacht und ihre Kleidung repariert, wenn sie kaputt war“, erzählt Tim Stenger. Denn so kurz nach dem Ersten Weltkrieg war das Geld auch bei den Kreuznachern knapp. Das Aussehen der Kleider war Nebensache, „es ging mehr um Bedarf als um modische Gesichtspunkte“, sagt Stenger. Auch die Industrie lag in den Nachkriegsjahren teilweise brach: „Die Leute waren froh, wenn sie Stoff hatten.“

Von Silke Bauer Lesezeit: 3 Minuten