Archivierter Artikel vom 29.08.2019, 15:21 Uhr
VG Birkenfeld

VG stellt Sozialarbeiter ein: Mehr professionelle Hilfe für Migranten in Birkenfeld

Wie beim seit 2017 laufenden Einsatz einer gemeinsamen Streetworkerin als Ansprechpartnerin für Jugendliche will die Verbandsgemeinde Birkenfeld nun auch bei der aufsuchenden Sozialarbeit mit Flüchtlingen und Migranten den Schulterschluss mit den Nachbarn aus Baumholder eingehen: Der Birkenfelder VG-Rat hat die Einrichtung dieser zunächst auf zwei Jahre befristeten Stelle ab dem 1. Januar 2020 am Mittwochabend gebilligt. In Baumholder steht ein entsprechender Beschluss noch aus.

Von Axel Munsteiner
Die Integration von zugewanderten Menschen stellt auch in der Verbandsgemeinde Birkenfeld nach wie vor eine große Herausforderung dar. Aus diesem Grund ist zusammen mit den Nachbarn aus Baumholder die Einstellung eines Sozialarbeiters geplant, der Flüchtlingen und Migranten beratend und helfend zur Seite stehen soll.  Symbolfoto: Axel Munsteiner (Archiv)
Die Integration von zugewanderten Menschen stellt auch in der Verbandsgemeinde Birkenfeld nach wie vor eine große Herausforderung dar. Aus diesem Grund ist zusammen mit den Nachbarn aus Baumholder die Einstellung eines Sozialarbeiters geplant, der Flüchtlingen und Migranten beratend und helfend zur Seite stehen soll. Symbol
Foto: Axel Munsteiner (Archiv)

Anders als bei der Mitte des Monats kontroversen Diskussion um das dauerhafte Engagement eines Klimaschutzmanagers im Rathaus war sich das Birkenfelder Gremium in dieser Personalfrage vollkommen einig. Es sagte geschlossen Ja zur Einstellung eines Sozialarbeiters, der Flüchtlingen und Migranten Hilfestellungen bei ihren Problemen leisten und ihre Integration in die deutsche Gesellschaft leisten soll.

Mehr noch: Im VG-Rat gab es am Mittwochabend überhaupt keine Debatte mehr über den von der Verwaltung vorgelegten Beschlussvorschlag. Die Aussage von Bürgermeister Bernhard Alscher, „dass uns die Einstellung eines solchen Sozialarbeiters einen Mehrwert bringen wird“, teilten offensichtlich die Vertreter aller fünf Ratsfraktionen mit ihrem zustimmenden Votum.

Kreis übernimmt Personalkosten

Ein nicht unmaßgeblicher Grund dafür dürfte die Finanzierungsfrage sein. „Wir bekommen dafür eine 100-prozentige Förderung der Personalkosten“, hatte Alscher zuvor betont. Diese betragen für die Dauer von zwei Jahren circa 100.000 Euro und werden vorerst vom Landkreis übernommen, der dafür aus ihm zustehenden Mitteln der vom Bund zur Verfügung gestellten sogenannten Integrationspauschale zurückgreifen kann. Das erklärte Jan Jakobi von der Koordinierungsstelle Integration bei der Kreisverwaltung im Anschluss an die Sitzung auf NZ-Nachfrage.

Nur die anfallenden Fahrtkosten des Sozialarbeiters und die Anschaffung des für seinen Job notwendigen Equipments, etwa der Kauf eines Computers, werden sich die VGs Birkenfeld und Baumholder teilen, wobei ein ähnlicher Aufteilungsschlüssel dieser Kosten wie bei Streetworkerin Jeanette Geßner vorgesehen ist. Ein Büro für den künftigen Sozialarbeiter steht im Jugendzentrum Baumholder zur Verfügung.

Allerdings wird die neu eingestellte Person in erster Linie unterwegs sein, um die Flüchtlinge und Migranten in deren Zuhause aufzusuchen. Damit wird ein für den ganzes Kreis neues Angebot geschaffen, sagt Jakobi unserer Zeitung. Denn bis dato ist es so, dass die aus anderen Ländern eingewanderten Menschen, wenn sie Beratungsbedarf haben, zu den Stellen kommen, die dafür eigene Sprechstunden abhalten. Ein Beispiel dafür ist das Diakonische Werk Obere Nahe, das im Rahmen seiner Flüchtlingssozialarbeit in der Birkenfelder Alten Schule parallel zu den Öffnungszeiten des Café International dienstagnachmittags die Türen für Fragen und Hilfe geöffnet hat. Der künftige Sozialarbeiter soll dazu natürlich keine Konkurrenz sein, sondern als ergänzende Unterstützung Hilfe suchende Flüchtlinge und Migranten in ihren Wohnungen besuchen. Der Bedarf dafür ist in beiden Verbandsgemeinden gegeben.

Aktuell 2125 Ausländer in der VG

In der VG Birkenfeld leben laut Statistischem Landesamt 2125 Ausländer, wovon mehr als 200 anerkannte Flüchtlinge sind. In der VG Baumholder sind es 1098 Ausländer, wovon mehr als 100 Flüchtlinge und Asylbewerber sind. Nicht mitgezählt sind dabei die Angehörigen der in Baumholder stationierten US-Streitkräfte. Ausdrücklich betont Jakobi im NZ-Gespräch, dass die Hilfestellungen des Sozialarbeiters nicht nur für Menschen gedacht sind, die Asyl in Deutschland gesucht haben. Sie ist auch für EU-Ausländer gedacht, die beispielsweise aus osteuropäischen Staaten der Arbeit wegen in den Nationalparkkreis gekommen sind und dort nun auch ihren Lebensschwerpunkt haben.

Dass bei der Integration von Flüchtlingen und Migranten in verstärktem Maße professionelle Unterstützung notwendig ist, hängt laut Jan Jakobi vor allem mit zwei Tatsachen zusammen. Erstens: Es gibt zwar nach wie vor einheimische Menschen, die sich ehrenamtlich bei der Hilfe für Flüchtlinge engagieren, aber es sind im Vergleich zu den Spitzenjahren der Zuwanderung 2015/2016 weniger geworden.

Zweitens: Es sind mehr Migranten als gedacht in der Region geblieben. Ursprünglich war man davon ausgegangen, dass mehr anerkannte Flüchtlinge nach Abschluss ihres Asylverfahrens in Ballungsgebiete ziehen würden. Diese Annahme hat sich aber wegen der bundesweit sehr angespannten Lage auf dem Wohnungsmarkt in Großstädten nicht bestätigt.

Das Aufgabenfeld des künftigen Sozialarbeiters wird umfangreich sein. „Es gibt bei den betroffenen Menschen vielfältige Problemlagen“, betont Jakobi. Zunehmende Verschuldung, Konflikte mit Vermietern oder Nachbarn, Alkohol- und Drogensucht sind Beispiele, bei denen die Beratung durch einen geschulten Sozialarbeiter sinnvoll und hilfreich sein kann. Gleiches gilt für die Suche nach Kinderbetreuungsmöglichkeiten oder das Ausfüllen von Formularen, die zum Beispiel bei Behördengängen notwendig sind. Ein weiterer Schwerpunkt soll laut Jakobi sein, dass der Sozialarbeiter Migranten die Kontaktaufnahme zur „Integration in die hiesige Vereinslandschaft“ erleichtert.

Noch kein Beschluss in Baumholder

Vor Ablauf des auf zwei Jahre befristeten Engagements werde man evaluieren, ob die Einstellung des Sozialarbeiters die erwartete Wirkung gezeigt hat. Erst dann werde der VG-Rat über eine mögliche Fortsetzung der Tätigkeit entscheiden, hatte Alscher in der aktuellen Sitzung betont.

Der VG-Rat Baumholder wird nach Auskunft des dortigen Beigeordneten Rouven Hebel voraussichtlich in einer seiner nächsten Treffen über die Einstellung des Sozialarbeiters entscheiden.

Von unserem Redakteur
Axel Munsteiner