Archivierter Artikel vom 07.03.2021, 06:54 Uhr
Baumholder

VfR sieht Sanierung der Westrichhalle kritisch: Gebäude könnte während der Arbeiten für lange Zeit nicht genutzt werden

Mit Innenminister Roger Lewentz hatten sich kürzlich einige SPD-Politiker sowie Stadtbürgermeister Günther Jung in der Westrichhalle umgesehen. Der Grund: Für die Sanierung des Gebäudes oder einen Neubau bewilligt das Land eine 90-prozentige Förderung. Im Rahmen des Vororttermins war bekannt geworden, dass wohl eher mit einer Sanierung zu rechnen sei (die NZ berichtete). Dazu äußert sich nun der VfR Baumholder, der Hauptnutzer der maroden Halle ist.

Die stark marode Westrichhalle soll – so sieht sie derzeit aus – umfassend saniert werden. Der VfR Baumholder sieht eine derartige Maßnahme kritisch, weil die Halle dann lange nicht nutzbar wäre.
Die stark marode Westrichhalle soll – so sieht sie derzeit aus – umfassend saniert werden. Der VfR Baumholder sieht eine derartige Maßnahme kritisch, weil die Halle dann lange nicht nutzbar wäre.
Foto: Reiner Drumm (Archiv)

„Erstaunt nehmen wir, der Vorstand des VfR Baumholder, zur Kenntnis, dass sich der Innenminister des Landes mit einigen SPD-Kommunalpolitikern und Stadtbürgermeister Jung in der Westrichhalle getroffen haben“, heißt es in der Stellungnahme. „Warum wurde nicht wenigstens ein Vorstandsmitglied des VfR Baumholder dazu eingeladen?“ Dann hätte man Betroffene zu Beteiligten gemacht, und der VfR hätte die Gelegenheit erneut gern wahrgenommen, den Anwesenden noch einmal die eindrucksvollen Leistungen des Sportvereines für die einheimische Bevölkerung darzustellen“, betont der Klub.

Er ergänzt: „Rund 450 Sportler trainieren jede Woche in der Halle. Sie sind aufgeteilt in insgesamt 28 Trainingsgruppen, die von Montag bis Sonntag die Westrichhalle nutzen (Stand März 2020 vor Corona). Davon sind rund 100 Personen aus Gemeinden außerhalb von Baumholder. Sicher ist auch unser Dank für die Bereitstellung der Mittel im Haushalt des Landes und für die Unterstützung durch den Innenminister angebracht, besonders in Zeiten leerer Kassen, wie es unser Stadtbürgermeister aussprach. Aber von einem Sechser im Lotto, wie es nun wiederholt zu lesen war, können wir als VfR Baumholder nicht sprechen, wenn es zur Entscheidung einer Sanierung kommt.“

Denn eine Sanierung, so der Vorstand, bringe entscheidende Nachteile mit sich. Erstens: Die Trainingsmöglichkeiten für 450 Sportler würden für die Bauzeit komplett ausfallen. Zweitens: Der sich bereits abzeichnende Mitgliederschwund (2020: minus 54) durch die aktuelle Corona-Schließung würde sich fortsetzen. Drittens: Sofern es kostenbedingt nicht zu der gewünschten Hallengröße von 20 Metern Breite mal 40 Metern Länge komme, würden überregionale Veranstaltungen weiterhin nicht möglich sein. Gleiches gelte für eine gleichzeitige Nutzung der Halle durch mehrere Sportgruppen. Viertens: Das Raumangebot reiche – insbesondere in den Wintermonaten – bereits heute nicht aus, um alle Wünsche nach Hallentrainingszeiten der acht Sparten des VfR Baumholder zu berücksichtigen. Viele Gruppen und der Rehasport müssten in andere Räume ausweichen, was organisatorisch immer wieder Probleme mit sich bringe. Zudem könne der VfR vorhandene Ideen zur Erweiterung im Sportangebot nicht umsetzen.

„Wir zweifeln deutlich an, dass eine Sanierung geringere Kosten verursacht als ein Neubau. Insbesondere dann, wenn dem Wunsch entsprochen werden sollte, auf eine Hallengröße, die Wettkampfsportanforderungen entspricht, zu kommen“, betont der VfR. Schließlich fehlten in der Länge des Spielfeldes sechs Meter und in der Breite vier Meter um dieses Ziel zu erreichen. „Aus unserer Sicht fehlt für diese Spielfeldgröße an dem bestehenden Gebäude einfach der Platz. Es ist offenbar auch ein großes Geheimnis, was die bis Ende Oktober 2020 erstellte Wirtschaftlichkeitsberechnung Neubau versus Sanierung konkret ergeben hat. Diese Zahlen sind unseres Wissens nie öffentlich kommuniziert worden“, moniert der Klub.

Für den Verein sei auch nicht nachvollziehbar, dass sich eine Kommune wie die Stadt Baumholder ein Kulturzentrum, das mehr als 4 Millionen Euro gekostet habe und auch in Zeiten leerer Kassen errichtet worden sei, leisten könne. „Im Vergleich zur Sporthalle wird der Goldene Engel fast überhaupt nicht genutzt. Jetzt an der falschen Stelle zu sparen, ist in den Augen des VfR-Vorstands ein großer Fehler und berücksichtigt weder die Bedürfnisse der Sport treibenden Bevölkerung noch die herausragende und überwiegend ehrenamtliche Leistung der vielen Trainer und Übungsleiter des Vereines.“ Der Vorstand werde sich, wenn es tatsächlich auf eine Sanierung des Gebäudes hinauslaufe, damit auseinandersetzen müssen, welche Zukunftsperspektive der VfR als Mehrspartenverein habe, „wenn das Indoorsportangebot dermaßen massiv beeinträchtigt wird und man auf Dauer mit einem erheblichen Mitgliederschwund rechnen muss“.