Archivierter Artikel vom 26.09.2015, 07:30 Uhr
Kreis Birkenfeld

Niedrige Immobilienpreise auf dem Land: Zuwanderer suchen im Hunsrück ihr Glück

Während die Nahe-Hunsrück-Region in den nächsten Jahren und Jahrzehnten vorhersehbar immer weiter auszubluten droht, hat heimlich, still und leise eine noch ganz zarte Gegenbewegung eingesetzt. Gut betuchte Bürger aus anderen Ländern lassen sich wegen der niedrigen Immobilienpreise in zwischen Mosel und Nahe gelegenen Dörfern nieder. Einige dieser neuen Einwanderer hat die Filmemacherin Monika Kirschner aus Weinsheim/Nahe zwei Jahre lang begleitet

Yacoub Bahmann kommt mit Ehefrau Rabab von Kuwait immer wieder nach Schmidthachenbach, wo er zwei Häuser gekauft hat. Die Filmerin Monika Kirschner hat ihn bei den ersten Schritten im fremden Land begleitet.
Yacoub Bahmann kommt mit Ehefrau Rabab von Kuwait immer wieder nach Schmidthachenbach, wo er zwei Häuser gekauft hat. Die Filmerin Monika Kirschner hat ihn bei den ersten Schritten im fremden Land begleitet.

Von Kurt Knaudt

Ihre zweiteilige Dokumention „Neue Heimat Hunsrück“ zeigt das SWR-Fernsehen am Mittwoch, 7. Oktober, von 20.15 bis 21.45 Uhr. Eine Premierenvorstellung gibt's am Sonntag, 4. Oktober, um 11 Uhr im Pro-Winzkino in Simmern. Bei der ARD fand man das Thema so spannend, dass dazu im Rahmen des Formats „Reportage“ am Samstag, 10. Oktober, um 16.30 Uhr ein halbstündiger Zusatzbeitrag gesendet wird.

Sie kommen aus England, Wales, den Niederlanden, Belgien und sogar aus Australien und Kuwait und stehen für einen Trend: Sie gehören zu einer wachsenden Zahl von Menschen, die mithilfe des Internets ihr Leben planen. Bei ihrer Suche nach einem günstigen neuen Lebensmittelpunkt werden sie immer öfter an der Mosel und im Hunsrück fündig – zum Beispiel in Mastershausen, Gehlweiler und Schmidthachenbach. In Zell gibt es bereits ein florierendes Immobilienbüro, das sich auf diese Klientel spezialisiert hat.

Beispiel England, wo das Klischee „My Home is my Castle“ noch immer gilt: Dort sind Landhäuser inzwischen so teuer, dass sich immer mehr Briten im Ausland umsehen. Waren früher die Abruzzen in Italien oder das Loire-Tal in Frankreich bevorzugte Ziele, so haben manche jetzt den Hunsrück für sich entdeckt. Dort gibt es zuhauf in die Jahre gekommene Immobilien und verwaiste Bauernhöfe – und das zu vergleichsweise sehr günstigen Preisen. Die schöne Landschaft, die geringe Kriminalitätsrate, die sozialen Sicherungssysteme, der nahe Flughafen Hahn und nicht zuletzt der gute Wein: Das alles sind weitere Pluspunkte.

Monika Kirschner begleitete die Neubürger bei ihrem Aufbruch in ihr neues Leben. Sie setzt dabei wie schon in ihrem viel beachteten Film „Schmidthachenbach kennt keiner“ auf feinfühlige Langzeitbeobachtung. Der 67-Jährigen gelingt es auch diesmal, dass die Menschen vor der Kamera freimütig und vertrauensvoll von sich, ihren Gefühlen, Träumen und Eindrücken erzählen.

Der Blick von außen macht deutlich, dass das Ansehen von Deutschland in der Welt enorm gestiegen ist: Es gilt als das wirtschaftlich stärkste und sicherste Land in Europa. Zudem schwärmen die Neuankömmlinge von der als sehr angenehm empfundenen Willkommenskultur.

Der Film platzt mitten in die aktuelle Flüchtlingsproblematik – und wird schon allein deswegen vermutlich für Diskussionen sorgen. Denn von den leidgeplagten Menschen, die aus ihrer Heimat vor Krieg und Armut flüchten, unterscheiden sich die von Kirschner porträtierten Immigranten gewaltig. Diese sind in einer komfortablen Situation. Wie vielschichtig das Thema ist, zeigt sich an den Zuwanderern aus dem saudi-arabischen Raum: Sie sehen ihre in Deutschland gekauften Immobilien auch als sicheren Zufluchtsort, falls die Sicherheitslage in ihrem Heimatland irgendwann einmal eskalieren sollte. So auch Yaqoub Bahmann, einer der Protagonisten aus „Schmidthachenbach kennt keiner“. Der Mann, der den Titel eines Generals trägt und einmal Polizeichef von Kuwait war, ist Frühpensionär. Er hat sich in Schmidthachenbach verliebt und mag das kühle Klima. War bisher für ihn und seine vielköpfige Familie London der sommerliche Fluchtpunkt aus der heißen Golfregion, so bevorzugt er jetzt die Nahe-Hunsrück-Region. Er hat schon zwei Häuser in Schmidthachenbach gekauft.

Monika Kirschner macht sich viele Gedanken um die Zukunft des Dorfes, das für sie stellvertretend für viele kleine Gemeinden in Rheinland-Pfalz steht. Was wird aus ihnen, wenn die Bevölkerung abnimmt und zudem noch immer älter wird? Wie viele Deutsche drängen auch die Asylbewerber in die Ballungsgebiete. Die Autorin hat einen anderen Vorschlag: Jedes Dorf sollte ein oder zwei Familien aufnehmen und sich als Gemeinschaft für sie verantwortlich fühlen. Wobei die Flüchtlinge umgekehrt natürlich auch etwas dafür tun müssten, sich zu integrieren.