Archivierter Artikel vom 25.02.2020, 19:14 Uhr

Nach Ausschreitungen: Zukunft des Buhlenberger Umzugs entscheidet sich am Donnerstag

Der Vorstand der Karnevalsgesellschaft Narrhalla Buhlenberg (KGNB) hat am Dienstagabend eine offizielle Stellungnahme zu den Geschehnissen beim diesjährigen Fastnachtsumzug abgegeben. Die Traditionsveranstaltung steht nach massiven Krawallen und einem großen Polizeieinsatz vor dem Aus. In einem Krisengespräch will die Vereinsspitze am Donnerstagabend die Entscheidung treffen, ob der Straßenkarneval im Nationalparkort noch eine Zukunft hat.

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Foto: Reiner Drumm

Die zentrale Aussage des „Narrhalla Buhlenberg trotzt dem Wetter und kämpft gegen Hooligans“ überschriebenen Statements von Präsident Günter Heß und dem Vereinsvorsitzenden Michel Grandmaire lautet: „Das Erlebte darf es so in Buhlenberg nicht mehr geben.“

Es folgt die Stellungnahme der KGNB in vollem Wortlaut: „Als am Vormittag des 23.02. der Krisenstab des Organisationsteams um den Fastnachtssonntagszug die Entscheidung traf, den Zug trotz der Wetterkapriolen stattfinden zu lassen, war den Verantwortlichen bereits bewusst, dass wetterbedingt sowohl von der Teilnehmer- als auch von der Besucherzahl nur mit einem Bruchteil des Möglichen zu rechnen ist. Wir haben uns aber für die Durchführung des Zuges entschieden, um für die Menschen, die sich vom Wetter nicht abhalten ließen, gemeinsam mit der KGNB den Brauch des Straßenkarnevals leben zu lassen. Zahlreiche ehrenamtliche Helfer vor und hinter den Kulissen bereiteten sich schon seit Monaten auf diesen Höhepunkt der Buhlenberger Fastnacht vor.

Da es in den vergangenen Jahren bereits um den Veranstaltungsort herum Probleme durch Schlägereien und betrunkene Jugendliche gab, wurden die Kontrollen durch das eigene, aufgestockte Sicherheitspersonal und die Polizeieinsatzkräfte verschärft. Durch den Einsatz der Streetworkerin und des Jugendamtes sollten weitere deeskalierende Kräfte wirken.

Bereits vor und während des Umzugs braute sich draußen etwas zusammen, was für uns als Organisatoren so nicht zu erwarten war. Der Vorsitzende selbst erlebte als „Chauffeur“ des Präsidenten einen verbalen und bedrohenden Angriff eines betrunkenen Jugendlichen.

Die Landjugend berichtet von einem Angriff auf einen Teilnehmer bereits am Freitagabend beim Birkenfelder Nachtumzug. Weitere verbale und tätliche Angriffe mit Körperverletzung nach dem Buhlenberger Umzug auf die Landjugend durch die gleiche Personengruppe zogen eine Verhaftung nach sich.

Es gab rund um das Buhlenberger Gemeinschaftshaus laut Polizeibericht insgesamt 12 aktenkundige Straftaten, davon 11 Körperverletzungen. Die Polizei äußerte sich uns gegenüber, dass sie der Lage nicht mehr Herr wird und musste eine weitere Staffel aus Idar-Oberstein anfordern.

Auch beim eingesetzten Sicherheitsdienst lagen die Nerven blank. Die unübersichtliche Lage machte eine strenge Gangart nötig. Wie uns mitgeteilt wurde, sind vereinzelt Vorfälle aufgetreten, in denen die Security-Mitarbeiter ungerechtfertigte Entscheidungen getroffen haben. Das bedauern wir sehr. Wir dürfen dabei dennoch nicht vergessen, was beziehungsweie welche Personengruppen die Situation verursacht haben.

Im Innenbereich des Buhlenberger Gemeinschaftshauses lief derweil eine friedliche und ausgelassene Fastnachtsparty. Viele der Gäste im Gemeinschaftshaus bekamen von der Situation draußen nichts mit, weil der Sicherheitsdienst den Auftrag hatte, keine potenziellen Störer ins Haus vordringen zu lassen. Es wurde konsequent, vermutlich nicht immer gerechtfertigt vorgegangen, was uns aber die Sicherheit der im Haus feiernden Menschen wert war. Vereinzelt gab es Unverständnis für das frühzeitige Beenden der Veranstaltung gegen 20 Uhr, aber zumindest die Innenveranstaltung konnte in traditioneller Form friedlich abgeschlossen werden.

Für uns hat das Ganze die Konsequenz, dass für die Zukunft noch höhere Auflagen an den Verein gestellt werden, die wir voraussichtlich nicht mehr leisten können. Wenn der Fastnachtssonntagszug (FaSoZ) weiter bestehen oder irgendwann wieder stattfinden soll, müssen wir uns etwas einfallen lassen, was diese gewaltbereiten Jugendlichen von vorneherein von unserer Veranstaltung fernhält.

Eines steht fest: Das Erlebte darf es so in Buhlenberg nicht mehr geben. Wir werden in der jetzigen Besetzung des Vorstands den FaSoZ nur dann weiterleben lassen, wenn wir sicher gehen können, dass er wieder das sein kann, was er mal war. Eine familienfreundliche, Brauchtums-Veranstaltung für die gesamte Bevölkerung, ohne übermäßige Polizei- und Rettungsdienste-Präsenz. Wenn uns das nicht gelingt, verzichten wir als Verein lieber auf den Straßenkarneval in unserem Dorf.

Der Polizei, den Feuerwehren, dem DRK, unseren Helferinnen und Helfern und auch dem Sicherheitsdienst gilt unser Dank und unsere Anerkennung für die geleistete Arbeit am vergangenen Sonntag.

Den Personen, die unsere Veranstaltung mit Aggressionen oder anderem nicht angemessenem Verhalten zu einem Desaster werden ließen, sagen wir deutlich, dass wir sie in unserer Mitte nicht mehr sehen wollen. Wir hoffen sehr, dass die Bevölkerung unserer umliegenden Gemeinden und sämtliche Vereine in diesem Punkt zusammenhalten und die Auswüchse im Keim erstickt werden können. Die Aussage, dass es ein gesellschaftliches Problem ist, befriedigt uns nicht. Wir rufen zur Bekämpfung dieses Phänomens auf – nicht mit Verboten, sondern mit vereinter Kraft.

Am Donnerstag, 27.02., trifft sich der Vorstand zu einer Krisensitzung, um über die Zukunft des Buhlenberger Straßenkarnevals zu beraten.“