Archivierter Artikel vom 01.07.2022, 14:41 Uhr
Veitsrodt

Kirchenkreis Obere Nahe: Strukturreform sorgt bei Synode in Veitsrodt weiter für Redebedarf

Zur Abschlussandacht im Kreis auf der grünen Wiese waren sich am Ende alle einig: Diese Synode war erfrischend anders und kam zur rechten Zeit. Nach zweieinhalb Jahren Corona war es der Wunsch von Superintendentin Jutta Walber, dass sich die Menschen nicht nur wieder treffen, sondern auch begegnen sollen.

In der Veitsrodter Markthalle ging es für die Synodalteilnehmer um ernste Themen. Flankierend dazu, wurde vom Kirchenkreis Obere Nahe aber auch ein abwechslungsreiches und informatives Rahmenprogramm geboten.  Foto: Rebecca Bleh/Kirchenkreis Obere Nahe
In der Veitsrodter Markthalle ging es für die Synodalteilnehmer um ernste Themen. Flankierend dazu, wurde vom Kirchenkreis Obere Nahe aber auch ein abwechslungsreiches und informatives Rahmenprogramm geboten.
Foto: Rebecca Bleh/Kirchenkreis Obere Nahe

Beraten konnten sich die Synodalen in den vergangenen Sitzungen zwar online mit der Konferenzplattform Zoom, und mithilfe dieses Mediums waren auch weitreichende Entscheidungen wie die Neustrukturierung des Kirchenkreises Obere Nahe in fünf große Kirchengemeinden gefallen, aber für Begegnungen blieb nur wenig Spielraum.

Eben dieses Defizit sollte nun mit dem „Markt der Begegnung“ aufgeholt werden. In ihrer Begrüßungsrede in der Veitsrodter Markthalle betonte die Superintendentin den offenen Charakter der Synodaltagung. Nach richtungsweisenden Beschlüssen sollten sich die Menschen begegnen, miteinander ins Gespräch kommen, „maijen“ über Gott und die Welt, Fragen stellen und Antworten finden. Anstelle des traditionellen Gottesdienstes zum Auftakt gab es eine Andacht auf dem Weg, die den Übergang von der formellen Sitzung zum offenen Teil der Synode markierte. Mit dieser Andacht zwischen Tür und Angel schickte Jutta Walber Synodale die Gäste los, die Schätze von Kirche an der Oberen Nahe zu entdecken.

„Schatzsuchen und Perlenfinden“ – das Motto der Synode spiegelte sich nicht nur ideell wider. Am ersten Pavillon auf dem Marktgelände verteilten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Verwaltungsamts Beutel aus Organza mit einer angehefteten Postkarte. Deren Botschaft betonte auch den offenen Charakter der Veranstaltung: „Sich aufmachen – gemeinsam oder allein. Suchen und Finden – in Einsamkeit oder in Gemeinsamkeit. Überraschendes entdecken – unverhofft – wunderbar – anders als gedacht. Lebendigkeit – Erfüllung – Glück – menschliche Nähe – Verständnis. Unterwegs sein – absichtslos – leicht – unbeschwert und neugierig ...“ An jedem Stand gab es eine oder mehrere Perlen für den Schatzbeutel. Gestaltet wurden die Stände von den Arbeitsbereichen und Einrichtungen des Kirchenkreises.

Notfallseelsorger Oliver Schardt und Klinikseelsorgerin Sabine Heiter-Grates berichteten, wie sie Menschen in den schwierigen Zeiten des Lebens begleiten. Das evangelische Erwachsenenbildungswerk in Simmern stellte sein Fortbildungsprogramm vor. Das Freizeitheim Heiligenbösch präsentierte seine Räumlichkeiten. Am benachbarten Stand des Jugendreferats kamen nicht nur die Kleinen auf ihre Kosten.

Spielmobil war im Einsatz

Wilfried Ulrich, der Leiter des Jugendreferats, hatte das Spielmobil des Kreisjugendrings ausgepackt. Die abenteuerlichen Gefährte, Ballspiele und Stelzenlauf lockten längst nicht nur Kinder. Jugendliche, die er fürs Ehrenamt begeistern konnte, zauberten Crêpes. Vekio, der Trägerverband der evangelischen Kitas in Idar-Oberstein, und die Fachberaterinnen des Kindergartenreferats hatten gemeinsam einem großen Stand aufgebaut. Dort konnten Besucher ihre Wünsche mit Heliumballons aus Naturlatex in den Himmel schicken. Nebenan hieß es bei Björn Lanzerath, der am Piano spielte, „Wünsch dir was!“.

In der Markthalle konnte jeder Klagen, Dank und Bitten auf eine Karte schreiben und diese in einen Briefkasten werfen. Die Botschaften wurden zur Abschlussandacht vorgelesen. Architekt Heiko Selwitschka vom Verwaltungsamt präsentierte den Besuchern Karten des Kirchenkreises. Mit Folienstiften konnten die Teilnehmer selbst den schwierigen Entscheidungsprozess „nachspuren“ und sich die Fragen stellen, die sich auch die Synodalen gestellt hatten: Welche Alltagswege gibt es? Von welcher Region aus gibt es weniger Verbindungen in andere Regionen? In welchen Gebieten leben mehr Menschen als in anderen? Wo kann man Grenzen ziehen?

Ganz frisch im Kreis der Arbeitsbereiche vertreten ist auch die Kirche im Nationalpark. An deren Stand teilte Pastoralreferent Martin Backes Karten der Wanderwege und Sehenswürdigkeiten aus. Obwohl sich der Kirchenkreis bereits seit geraumer Zeit im ökumenischen Kooperationsprojekt Nationalparkkirche engagiert, gehörte er bislang nicht der Trägergemeinschaft an. Zum 1. September tritt der Kirchenkreis auf Beschluss der Kreissynode nun offiziell bei.

Gespannt waren Besucher wie Synodale, wie die 2021 beschlossene Gemeindestrukturreform kurz- und mittelfristig umgesetzt wird. Diesbezüglich gab es im Nachgang der jüngsten Synode in den Presbyterien sowie auf der Ebene zwischen Gemeinden und Kirchenkreisleitung Redebedarf. In erster Linie ging es an konkreten Stellen um Anpassungen der angedachten Grenzen. Etwa in der Großgemeinde 5 (Region Birkenfeld, Niederbrombach, Nohfelden, Bosen, Sötern). So hatten die durch Pfarrerin Christiane Bock verbundenen Gemeinden Leisel und Siesbach Gründe dargelegt, weshalb sie eher Richtung Birkenfeld und Niederbrombach gehören wollen als in Richtung Idar, Göttschied und Veitsrodt-Herborn. In den benachbarten Gemeinden stellte sich die Frage, wie sich 800 Kirchenmitglieder mehr oder weniger auf die pfarramtliche Versorgung sowie die Finanzen der beiden neuen Gemeinden auswirkten.

Debatte über neue Zugehörigkeiten

Das Birkenfelder Presbyterium hatte das Ansinnen von Leisel und Siesbach lange Zeit unterstützt. Dann kamen bei einer Klausurtagung kurz vor der Synode Zweifel auf, und Birkenfeld lehnte das Ansinnen schließlich doch ab. So legte es Christine Großmann, Vorsitzende des Presbyteriums in Birkenfeld, dar. Der finanzielle Verlust für die neue Gemeinde um Idarbachtal, Göttschied und Veitsrodt-Herborn sei dabei nicht umfassend berücksichtigt worden. Als im April Pfarrerin Jennifer Buchner ihre Stelle in Birkenfeld antrat, habe sie noch einen weiteren Aspekt ins Spiel gebracht: Die Leistbarkeit des Pfarrdienstes in einer Gemeinde mit mehr als 9000 Gemeindegliedern.

Pfarrer Günter Wild steht mit seiner Gemeinde Göttschied in der Reihe der Gemeinden, die durch Grenzanpassungen verlieren – an Finanzkraft und Gemeindegliedern: „Ich möchte, dass es in der Abstimmung keinen Verlierer gibt, sondern zwei Gewinner“, sagte er und bat darum, die Entscheidung in diesem Punkt zu vertagen. Alle Beteiligten sollten sich noch einmal an einen Tisch setzen. Pfarrerin Bock erklärte sich zwar gesprächsbereit, hatte aber Bedenken, ob man dann zu neuen Ergebnissen komme: „Grundsätzlich wird es ja keine Änderung der Argumente geben. Dann können wir auch gleich darüber abstimmen“, sagte sie. Auch wenn viele Pfarrkollegen Verständnis für ihre Gründe zeigten, lehnte die Synode ihren Antrag mehrheitlich ab.

Für die Großgemeinde 1 (Oberstein, Herrstein, Niederwörresbach, Fischbach) im Norden des Kirchenkreises hat die Synode zwei Veränderungen der Grenzen beschlossen. So tauschen Schmidthachenbach und Dickesbach die Zugehörigkeiten. Schmidthachenbach gehört zukünftig zur Kirchengemeinde 1 und nicht wie ursprünglich angedacht zur Großgemeinde 3 (Weierbach-Sien, Grumbach, Herren-Sulzbach und Gemeinden am Glan). red