Archivierter Artikel vom 08.01.2015, 16:33 Uhr
Idar-Oberstein

Islamische Gemeinde ist entsetzt über den Anschlag

Entsetzen und Ablehnung nach dem Anschlag von Paris herrscht auch in der Islamischen Gemeinde Idar-Oberstein, die in der Hauptstraße eine Moschee betreibt. Dort gibt es für Radikale keinen Platz, lautet die Botschaft von Inayat Qazi, 2. Vorsitzender der Gemeinde.

„Natürlich wird über dieses Verbrechen auch bei uns diskutiert, und wir haben eine klare Meinung dazu: Wir sind alle dagegen“, unterstreicht Inayat Qazi, der 2. Vorsitzende der Gemeinde, im Gespräch mit unserer Zeitung. Der Pakistaner, der in Idar einen Edelsteingeschäft betreibt, lebt seit rund 30 Jahren in der Schmuckstadt. Auch sein Heimatland leidet unter der Gewalt radikaler islamistischer Gruppen. „Erst vor wenigen Wochen haben die Taliban dort eine Schule überfallen und dabei mehr als 100 Kinder ermordet. Den Islamisten sind in Pakistan mehr als 75 000 Zivilisten und 7000 Soldaten zum Opfer gefallen. Das sind mehr als in allen Kriegen gegen Indien“, berichtet er über sein Heimatland, das er noch regelmäßig bereist.

Moslems aus 29 Nationen beten in der Idar-Obersteiner Moschee gemeinsam, ernsthafte Probleme mit Vertretern radikaler Positionen habe es dort bislang nicht gegeben, erläutert Qazi. „Wir achten allerdings auch genau darauf, was bei uns gepredigt wird, und wir haben auch eine gute Übersicht darüber, wer bei uns verkehrt“, erklärt er. Wenn sich irgendwelche Verdachtsmomente ergäben, würde man unverzüglich die Behörden einschalten, unterstreicht er. „Wir leben alle in dieser Gesellschaft, wir sind hier zu Gast und sind aber auch gleichzeitig ein Teil von ihr, die meisten von uns sind Geschäftsleute, unsere Kinder gehen hier zur Schule oder in den Kindergarten“, sagt Inayat Qazi. Für ihn selbst, der als Kind eine christliche Missionsschule besucht hat, sei es schon immer eine Selbstverständlichkeit gewesen, andere Religionen zu respektieren. „Glauben ist eine persönliche Sache, jeder hat das Recht auf seinen eigenen Glauben“, macht er seine Position deutlich.

Solche Taten führen dazu, so die Erfahrung des 2. Vorsitzenden der Idar-Obersteiner Gemeinde, dass alle Moslems in einen Rechtfertigungszwang für etwas geraten, was die ganz überwiegende Mehrheit von ihnen zutiefst ablehnen. „Deshalb leiden auch Muslime viel stärker unter solchen Anschlägen als alle anderen Teile der Bevölkerung. Das hat mit dem Islam nichts zu tun. Was diese Menschen gemacht haben, tun nicht einmal Tiere. Es sind durchgedrehte Bestien“, benutzt er deutliche Worte. „Solche Täter sind eine Gefahr für alle Menschen, es sind tickende Zeitbomben.“ Diese brutale Gewalt sei ein Phänomen, von dem auch Muslime nicht begreifen, woher sie kommt. Qazi: „Niemand hat das Recht, einen anderen umzubringen, und gegen solche Täter können wir nur alle gemeinsam etwas unternehmen, die Welt darf nicht in die Hände von solchen Verrückten fallen.“ Jörg Staiber