Archivierter Artikel vom 07.02.2022, 15:05 Uhr
Baumholder

Geriatrische Reha: Suche nach Alternativen

Im November war eine Ankündigung in der Westrichstadt eingeschlagen wie eine Bombe. Mittlerweile ist sie Realität geworden. Seit Jahresbeginn ist das Gebäude auf dem Berg am Ende des Krankenhauswegs, das noch bis vor Kurzem eine Fachklinik für Altersmedizin war, ziemlich verwaist. Die akutgeriatrische Abteilung wurde wie geplant ans Klinikum Idar-Oberstein verlegt, die Reha ist geschlossen.

Von Peter Bleyer
Die ehemalige Fachklinik für Altersmedizin in Baumholder ist seit Jahresbeginn ziemlich leer. Ob die Reha 2023 wiedereröffnet werden kann, ist fraglich. Deshalb denkt man schon jetzt über Alternativen nach.
Die ehemalige Fachklinik für Altersmedizin in Baumholder ist seit Jahresbeginn ziemlich leer. Ob die Reha 2023 wiedereröffnet werden kann, ist fraglich. Deshalb denkt man schon jetzt über Alternativen nach.
Foto: Reiner Drumm

Wenigstens die Küche ist weiterhin in Betrieb, von dort aus werden das benachbarte AWO-Seniorenzentrum, einige Kitas und die Grundschule Westrich mit Essen versorgt. Derweil machen sich viele Menschen Gedanken, was aus dem Haus werden soll – auch für den Fall, dass die Reha nicht, wie geplant, 2023 wieder öffnen kann.

Andreas Pees, Mitglied der SPD-Fraktion im Baumholderer Stadt- und VG-Rat sowie im Kreistag, ist einer dieser Menschen, die nach Optionen suchen. Kürzlich führte ihn deshalb sein Weg ins Gesundheitsministerium nach Mainz, wo er sich mit Staatssekretär Denis Alt und dem Birkenfelder Landrat Matthias Schneider traf, um über die Zukunft des Krankenhauses in Baumholder zu sprechen. Davon berichtete er jüngst im Kreisausschuss und auf Facebook.

Andere Träger als Option

„Da die stationäre Rehabilitation nicht Gegenstand des staatlichen Krankenhausplanes ist, hat das Ministerium hier keine Weisungsmöglichkeiten gegenüber dem Krankenhausträger. Der Krankenhausträger, die Klinikum Idar-Oberstein GmbH, hat zugesagt, bis Ende des Halbjahres einen Plan vorzulegen, wie es mit der Nutzung des Krankenhauses in Baumholder ab 2023 weitergehen soll“, schreibt er auf seiner Seite.

„Wir haben uns aber auch bereits Gedanken über mögliche Alternativen gemacht und werden diese nun auf verschiedenen Ebenen prüfen und vorantreiben. Ob es uns gelingen wird, eine adäquate Nutzung unseres Krankenhauses auf Dauer zu sichern, insbesondere in Form einer stationären Rehabilitation, wird sich natürlich noch zeigen müssen. Jedenfalls stimmt es mich für heute schon einmal zufrieden, dass der Staatssekretär für das Ministerium und auch der Landrat zugesagt haben, uns bei den Bemühungen aktiv zu helfen.“

Auf NZ-Anfrage berichtet Pees, dass es einige Ideen gebe, wie man das Gebäude wieder mit Leben füllen könne – allerdings könne man natürlich nichts über den Kopf der Eigentümerin, der Klinikum Idar-Oberstein GmbH, hinweg entscheiden. Er lässt Stichworte wie Medizinisches Versorgungszentrum und Kurzzeitpflege fallen. „Es stellt sich auch die Frage, ob möglicherweise ein anderer Träger für den Betrieb einer stationären Reha zu gewinnen ist“, sagt er.

Pees selbst hegt keine allzu großen Hoffnungen, dass die Reha unter dem bisherigen Träger im Januar 2023 wieder öffnen werde. „Wo soll denn das Personal herkommen?“, fragt er. Klar sei, dass am Idar-Obersteiner Klinikum Personalmangel herrsche und man mit den Mitarbeitern aus Baumholder einen Teil des Loches stopfe. „Ich glaube nicht, dass sich die Situation bis Mitte des Jahres so stark verbessert.“ Deshalb sei es umso wichtiger, nach Alternativen Ausschau zu halten. „Das Gebäude ist ja in gutem Zustand. Es wäre wirklich eine Schande, wenn es leer stehen würde.“

Ärztehaus denkbar

Hendrik Weinz, Verwaltungsdirektor des Klinikums Idar-Oberstein, versichert im Gespräch mit der NZ, dass man weiterhin bestrebt sei, die Schließung der Reha nach Ablauf eines Jahres rückgängig zu machen. „Wir arbeiten auf die Wiedereröffnung hin“, sagt er. „Allerdings müssen wir schauen, wie sich die Rahmenbedingungen entwickeln, auch im Hinblick auf den Verlauf der Pandemie und die Impfpflicht im medizinischen Bereich, die bald in Kraft tritt. Das kann man nicht gut kalkulieren.“ Sicher sagen, dass die Reha am 1. Januar 2023 wieder in Betrieb sein werde, könne man nicht. „Bis Mitte des Jahres wissen wir mehr.“

Was Vorschläge für eine alternative Nutzung des Gebäudes angehe, so sei man grundsätzlich aufgeschlossen, sagt Weinz. „Die SHG macht sich auch Gedanken“, erklärt er. „Beispielsweise hat das SAPV-Team schon signalisiert, dass es gern mehr Räume hätte. Ebenso wäre ein Ärztehaus denkbar.“ Der Verwaltungsdirektor weist darauf hin, dass man mit dem Gebäude in Baumholder derzeit keine Einnahmen generiere, im Gegensatz aber Ausgaben habe, was zu einem Defizit führe. „Da wir eine gewisse Verpflichtung haben, sind wir bereit, diesen Zustand für eine gewisse Zeit aufrechtzuerhalten, bis wir eine für alle praktikable Lösung gefunden haben.“

Die Verlegung der Akutgeriatrie nach Idar-Oberstein habe derweil gut funktioniert, berichtet Weinz. „Es gab wegen der Umstrukturierung natürlich kleinere Anlaufschwierigkeiten, aber die Stimmung ist gut, auch zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat.“ Positive Resonanz gebe es von den Mitarbeitern, die von Baumholder nach Idar-Obersteiner wechseln mussten – sie erhielten viel Unterstützung von den Angestellten, die schon länger in Idar-Oberstein tätig sind. „Es herrscht eine hohe Kollegialität.“

Aktuell stünden auf der vorgesehenen Station 20 akutgeriatrische Betten bereit, die belegt seien. Insgesamt habe man mehr Anfragen und nutze deshalb auch Kapazitäten anderer Stationen. „Die Versorgung der Patienten ist in Idar-Oberstein deutlich besser, weil alle notwendigen Untersuchungen vor Ort gemacht werden können.“ Früher habe man die Menschen zwischen Baumholder und Idar-Obersteiner hin- und herfahren müssen. Im Hinblick auf Mitarbeiterkündigungen hätten sich die Befürchtungen nicht bestätigt.