Archivierter Artikel vom 29.08.2019, 18:02 Uhr
Raubach

Umfassende Arbeiten: Schließung der Sporthalle in Raubach hat größere Folgen

Die angrenzende Schule und diverse Vereine in der Verbandsgemeinde Puderbach sind vorübergehend eingeschränkt.

Von Lars Tenorth
Die Mehrzweckhalle wird saniert. Sie wird nach den Baumaßnahmen, wie etwa einer besseren Dämmung, klimafreundlicher sein.  Fotos: Lars Tenorth
Die Mehrzweckhalle wird saniert. Sie wird nach den Baumaßnahmen, wie etwa einer besseren Dämmung, klimafreundlicher sein. Fotos: Lars Tenorth
Foto: Lars Tenorth

Ein abgeklebter Boden, graue Betonwände, leere Geräteräume und eine offene Holzdachkonstruktion: Die Mehrzweckhalle, die direkt neben der Förderschule in Raubach liegt, wurde vollständig entkernt. Da die Sporthalle der Gustav-W.-Heinemann-Schule nicht mehr der heutigen Technik und Normen entspricht, wie aus der Beschlussvorlage der Kreisverwaltung hervorgeht, wird diese bautechnisch und energetisch saniert. Voraussichtlich liegen die Kosten insgesamt bei rund 1,8 Millionen Euro, hierbei liegt die Förderung bei fast 1,1 Millionen Euro.

Jutta Flender, Schulleiterin der Förderschule in Raubach, rechnet mindestens mit einer einjährigen Schließung der Halle.
Jutta Flender, Schulleiterin der Förderschule in Raubach, rechnet mindestens mit einer einjährigen Schließung der Halle.
Foto: Lars Tenorth

Die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Koblenz erteilte die Genehmigung für den Förderantrag. Seit den Sommerferien ist die Halle nun geschlossen, und sie wird es auch noch länger bleiben: Unter anderem stehen aufwendige Dach-, Trockenbau-, Fliesen- und Malerarbeiten an. Jutta Flender, Schulleiterin der Förderschule in Raubach, schätzt, dass die Sporthalle ein- bis eineinhalb Jahre geschlossen bleiben muss. Das hat Folgen für Sportvereine, die die Halle mitnutzen, und natürlich auch für die 126 Kinder der Förderschule.

Lehrer verlagern den Sportunterricht

Die Lehrer müssen den Sportunterricht an andere Orte verlagern: auf den Schulhof, in den Mehrweckraum, in den Wald, wo die Kinder Naturerfahrungen sammeln, oder auf den Sportplatz. Dabei muss auch das Wetter mitspielen, im Herbst- und Winter dürften wesentlich mehr Stunden nicht stattfinden. Hier möchte die Schule die Eltern gut instruieren, damit die Mädchen und Jungen auch draußen gegen die Kälte gewappnet sind. Eltern sollen darauf achten, dass ihre Kinder warme Schuhe und Kleidung tragen. Wie viele Stunden ausfallen werden, kann bisher nicht prognostiziert werden, sagt Flender. Betroffen ist aber nicht nur der Schulunterricht am Morgen, sondern auch die Sport-AGs am Nachmittag.

Die Schule möchte die Vorgaben von zwei bis drei Sportstunden pro Woche so gut wie möglich einhalten: „Sport ist für unsere Schüler sehr wichtig“, betont Flender. Dadurch werden die Wahrnehmung, das soziale Lernen, die Orientierung, die kognitiven Fähigkeiten und die Motorik verbessert, erklärt sie. Damit trotz der Einschränkung genügend Abwechslung im Sportunterricht garantiert ist, nutzt die Schule Hilfsmittel. Zu den Utensilien zählen etwa Bälle, Seile und Schwungtücher. Doch nicht nur die Mädchen und Jungen der Förderschule Raubach leiden unter der Schließung der Halle, sondern auch die Sportvereine der Verbandsgemeinde Puderbach. Sie werden die Auswirkungen spätestens ab November deutlich spüren, wenn die Hallensaison, die meistens bis Mitte März geht, für viele Gruppen beginnt.

Handballer und Fußballer sind stärker betroffen

Betroffen sind vor allem Handballer und Fußballer. Für die Handballer ist es „im Winter eine Katastrophe“, sagt Martin Blum, Handballabteilungsleiter der Sporfreunde Puderbach. In dieser Jahreszeit drängen auch die Fußballer in die Halle, die Handballer wichen dann gern nach Raubach aus, was zunächst nicht mehr möglich ist. Aktuell teilen sich häufig schon zwei Mannschaften die Hallenzeit in Puderbach, denn die Handballabteilung ist in den vergangenen Jahren weiter gewachsen: „Wir haben allein elf Jugendmannschaften, da sind die Minis nicht einberechnet“, erklärt Blum. Deshalb erkundigten sich die Sportfreunde bereits nach Alternativen, etwa in Straßenhaus, doch auch hier ist die Halle komplett belegt, seufzt Blum.

Auch die Fußballer der Jugendspielgemeinschaft Puderbach (JSG) und die Spielvereinigung Lautzert-Oberdreis, deren Juniorenklassen regelmäßig in der Sporthalle in Raubach trainierten, müssen sich arrangieren. Marco Simon, Jugendleiter der JSG Puderbach, schätzt, dass allein 40 bis 60 Kinder und Jugendliche der JSG mit den Konsequenzen umgehen müssen. Dabei sind die Seniorenmannschaften nicht eingeschlossen. Auszuweichen wird in der VG Puderbach schwierig werden: „Die Hallen in Puderbach und Urbach sind knüppelvoll.“ Selbst betreut er die Bambini, hier rechnet er fest mit dem Ausfall einiger Einheiten, da das Wetter nicht beständig sein wird.

Einschränkungen bei den Trainingseinheiten

Ebenfalls bestätigt Andreas Weyer, Jugendleiter der Spielvereinigung Lautzert-Oberdreis: „Die Folgen sind relativ weitreichend.“ Freitags und samstags waren unter anderem die E- und F-Jugend in der Raubacher Halle aktiv. Er sagt, dass mit der JSG weit mehr als 100 Sportler direkt betroffen sind. Aufgrund der straffen Belegungen ist es schwierig, er hofft auf ein Zusammenrücken der Vereine in der VG und auf mehr Zeiten in der Puderbacher Halle. Einige Teams müssen sich auf weniger Trainingseinheiten einstellen: „Bei manchen Mannschaften können wir nur noch einen Termin pro Woche anbieten.“ Oder es müssen zwei Mannschaften zusammengeführt werden.

Doch sei keine richtige Lösung in Sicht. Er wünscht sich bei der möglichen Umverteilung und Änderungen der Belegungszeiten Unterstützung durch die Verbandgemeinde Puderbach. Volker Mendel, Bürgermeister der VG Puderbach, sieht die VG, die den Engpass erkennt, hierbei nicht in der direkten Verantwortung: „Ich appelliere an die Vereine, sich untereinander zu einigen.“ Weniger problematisch sieht es die Schützengilde Raubach, die auch Zeiten in der Raubacher Halle belegte: „Es war früh genug angekündigt worden. Wir sind optimistisch, Ausweichmöglichkeiten zu finden“, sagt Sascha Vohl, Erster Vorsitzender der Schützengilde. Derweil geht Blum davon aus, dass die Hallenbelegung in der VG im Oktober näher besprochen wird.

>>INFO: CO2-Einsparung durch neuen Heizkessel

Bisher wurde die Gustav-W.-Heinemann-Schule in Raubach durch einen Gaskessel beheizt. Doch bei dem 23 Jahre alten Kessel waren 2018 so starke Schäden festgestellt worden, dass eine Reparatur technisch, wirtschaftlich und unter Klimagesichtspunkten nicht mehr vertretbar war, wie der Landkreis Neuwied mitteilt. Deshalb hatte der Kreisauschuss 2018 dem Neubau der Heizungsanlage zugestimmt. Nun wird ein Holzpellet-Heizkessel mit Brennwerttechnik eingesetzt. „Der Einsatz der neuen Heiztechnik, verbunden mit der zurzeit laufenden energetischen Sanierung der Mehrzweckhalle, die von der Anlage mitversorgt wird, reduziert den CO2-Ausstoß für die Sporthalle von bisher circa 240 Tonnen pro Jahr auf 35,4 Tonnen“, sagt der Erste Kreisbeigeordnete Michael Mahlert.

Von unserem Redakteur Lars Tenorth