Archivierter Artikel vom 04.02.2018, 15:01 Uhr
Kreis Neuwied

Schleichender Tod: Tierschutzverein warnt vor Kaninchenvirus

Der Tod kommt schleichend für erkrankte Fellnasen: Ein Kaninchen, das vom derzeit grassierenden Virus RHD 2 befallen ist, kann morgens noch normal fressen und mittags schon dahingestreckt in seinem Stall liegen. Das berichtet Beate Ditscheid, die im heimischen Buchholz die Kaninchenpflegestelle des Tierschutzvereins Siebengebirge leitet und Nagerfreunde warnen möchte. Denn obwohl auch im Kreis schon viele Tiere an dem Virus gestorben seien, sei die mutierte Form der Chinaseuche noch zu wenig bekannt – und ebenso die Tatsache, dass ein zugelassener Impfstoff existiert, der Schutz bietet.

Sorgen um ihre Lieblinge machen sich derzeit Kaninchenhalter auch im Kreis Neuwied. Ein Impfstoff gegen das Virus RHD 2 ist zwar vorhanden, aber der Schutz ist kostspielig.  Foto: dpa
Sorgen um ihre Lieblinge machen sich derzeit Kaninchenhalter auch im Kreis Neuwied. Ein Impfstoff gegen das Virus RHD 2 ist zwar vorhanden, aber der Schutz ist kostspielig.
Foto: dpa

„Viele, denen ein Tier wegstirbt, gehen der Ursache nicht nach“, vermutet Ditscheid. Wenn das tote Kaninchen dann einfach im Garten begraben und ein neues angeschafft wird, wachse das Problem. Denn dann könne sich die Seuche ungehindert ausbreiten – auch über die Ansteckung durch überlebende Tiere oder den Nahrungskreislauf mit Futter von der Wiese. Die Tierschützerin rät deshalb zu einer Impfung beim Tierarzt mit dem Impfstoff Filavac, der eine Ansteckung verhindert, aber noch recht teuer ist. Bis zu 45 Euro pro Tier könne der Schutz kosten, so Ditscheid. „Einige Tierärzte bieten aber eine günstigere Sammelimpfung an“, weiß sie und bietet ihrerseits Hilfe bei der Organisation an. Bei der Kaninchenpflegestelle habe es Anfang 2016 einen größeren RHD-2-Ausbruch mit vielen toten Tieren gegeben. Aktuell sei wieder eine Welle im Umlauf.

Kein großes Thema ist das Virus unterdessen für das Kreisveterinäramt – eben, weil es mittlerweile einen Impfstoff gibt. Das sei vor knapp zwei Jahren noch anders gewesen, sagt Amtstierärztin Ilonka Degenhardt, die seinerzeit auch von Ausbrüchen erfahren hat. Meldepflichtig ist das Virus allerdings nicht, weshalb das Veterinäramt auch keine Angaben über Fallzahlen machen kann.

„Wir haben eben keine Lobby“, beklagt sich Heinz-Günter Runkel, Kreisvorsitzender des Kaninchenzüchterverbands, darüber. Der Impfstoff werde zudem nur in Frankreich hergestellt und verliere schnell seine Wirksamkeit, was sich auf den Preis auswirke. Die Kosten für das Durchimpfen seien damit für seine vielfach älteren Kollegen nicht leicht zu stemmen, würden aber dennoch aufgebracht. Größere Verluste sind Runkel jedenfalls nicht bekannt. mif

Beratung erhalten Kleintierhalter bei Beate Ditscheid unter Tel. 02683/7444 oder im Internet unter www.kaninchenwiese.de