Archivierter Artikel vom 17.03.2020, 17:37 Uhr
Kreis Neuwied

Gelebte Solidarität im Kreis Neuwied: Bürger helfen Bürgern

„Soziale Distanz heißt nicht soziale Kälte“, hat Ministerpräsidentin Malu Dreyer an die Bevölkerung appelliert, in Krisenzeiten zusammenzustehen. Im Kreis Neuwied haben Menschen längst darüber nachgedacht, wie sie Hilfe für diejenigen organisieren könne, die wegen des Coronavirus zu Hause in Quarantäne bleiben müssen.

Nicht nur für sich, sondern auch für ältere oder kranke Mitbürger einkaufen: Immer mehr Bürger engagieren sich.  Foto: Heinz-Günter Augst
Nicht nur für sich, sondern auch für ältere oder kranke Mitbürger einkaufen: Immer mehr Bürger engagieren sich.
Foto: Heinz-Günter Augst

In Unkel hat Christiane Laschefski den Bürgern über die Facebook-Seite@Engagement und Vereine rund um Unkel folgendes Angebot gemacht: „Liebe Unkeler, die aktuelle Situation ist für uns alle eine Herausforderung. Es gilt, jetzt ohne Panik und mit Verstand auf die Erfordernisse der Situation zu reagieren. Ich biete mich hier gern als Koordinatorin an. Wer also meint, dass es möglich ist, ein Kind aushilfsweise zu betreuen, kann sich gern bei mir melden, E-Mail an engagement-unkel@online.de Wer Unterstützung bei der Kinderbetreuung benötigt, kann sich ebenso melden. Ich werde bestmöglich versuchen, eine Hilfe zu organisieren und die Vermittlung herzustellen. Das gleiche gilt, wenn für Ältere eingekauft werden muss. Wer bereit ist, hier zu helfen, kann sich melden. Wer von Menschen weiß, die Unterstützung benötigen, kann sich ebenfalls melden. Gemeinsam werden wir die Anforderungen der Zeit meistern können. Nach diesem Aufruf haben sich Unkeler gemeldet und ihre Hilfe für folgende Aufgaben angeboten: Kinderbetreuung, Einkauf, Hundesitten. Sogar eine Krankenschwester hat ihre Unterstützung bei Pflegebedarf – falls der Pflegedienst nicht kommen kann – angeboten, berichtet Laschefski.

Auch der Junggesellenclub ,,Gemütlichkeit“ und die „Brave Mädche“ Waldbreitbach möchte in der Corona-Krise helfen. „Wir alle merken, wie sich unser eigenes Leben durch die Einschränkungen verändert hat. Wir dürfen dabei nicht außer Acht lassen, dass in dieser Zeit vor allem ältere und kranke Menschen stark gefährdet sind, ernsthaft zu erkranken“, heißt es in ihrer Mitteilung: „Wir bieten unsere Mithilfe an! Rufen Sie uns an, wenn Sie zur Risikogruppe gehören und Hilfe bei Einkäufen brauchen.“ Interessierte können sich telefonisch melden bei: Marvin Kreuser 0157/387.894 66, Jan Fischer 0176/214.307 73, Pierre Fischer 0174/956 82 52 und Leon Schmitz 0151/204.614 08.

Eine E-Mail der nebenan.de Stiftung zeigte im Quartier vom Zeppelinhof in Neuwied Wirkung. Mitglieder von Gemeinschaftlich Wohnen Neuwied e. V. und eine weitere Nachbarin griffen die Idee darin auf – und handelten. Nun weisen Infozettel an 89 Wohnungstüren, ergänzt durch Aushänge im Eingang der Häuser im Zeppelinhof, auf die Unterstützungsmöglichkeit für Risikogruppen hin, berichtet Vereinsvorsitzende Hildegard Luttenberger und hofft, dass sich möglichst viele Nachahmer finden. Auch die direkten Nachbarn wurden über die Aktion informiert.

Helfen wollen auch die Fußballer vom SV Leutesdorf. Die Spieler der 1. Mannschaft haben vor allem Leutesdorfer im Blick, die zur Risikogruppe zählen oder bereits in Quarantäne sind. Interessierte finden die jungen Männer etwa auf Facebook unter SV Leutesdorf.

Über die gleiche Plattform sind auch die Maimädchen Oberbieber zu erreichen. Sie reihen sich auch in die Schar der Helfer ein.

Der CDU-Ortsverband Niederbieber-Segendorf mit den Stadtteilen Torney, Rodenbach und Altwied zeigt ebenfalls, wie Gemeinschaft auch in schweren Zeiten sein kann. Wer als Kontaktperson 14 Tage in Quarantäne zu Hause bleiben muss oder aus anderem Grund die Wohnung nicht verlassen kann, dem bieten zwei jüngere Vorstandsmitglieder ihre Hilfe an. Sie stehen für Einkäufe oder Botengänge zur Verfügung: Stefan Busch, Tel. 0157/318.469 39, E-Mail an: stefan-alexander-busch@ gmx.net, und Martin Heinz, Tel. 0176/433.891 24, E-Mail an: maheinz001@gmail.com rgr