Archivierter Artikel vom 06.12.2021, 17:11 Uhr
Neuwied

Einkaufen in Neuwied: Alles muss besser werden

Wie schneidet Neuwied als Einkaufsstadt aus Sicht der Kunden ab? Antworten auf diese Frage liefert die Auswertung einer Online-Umfrage, die das Dortmunder Planungsbüro „Junker + Kruse“ im Auftrag der Stadtverwaltung durchgeführt hat. „Die Beteiligung war rege, vielleicht auch, weil man Verbesserungswünsche äußern konnte“, sagt Claudia Auer von der Planungsabteilung des Stadtbauamts laut Pressemitteilung der Verwaltung. Unsere Zeitung fasst die Ergebnisse zusammen.

Wie gern gehen Kunden in Neuwied einkaufen? Eine Umfrage liefert neue Erkenntnisse.
Wie gern gehen Kunden in Neuwied einkaufen? Eine Umfrage liefert neue Erkenntnisse.

1 Wie steht Neuwied im Vergleich zu den Mitbewerbern da? Die Deichstadt hat Nachholbedarf. Die Kaufkraftkennziffer liegt leicht unter dem Durchschnitt der benachbarten Kommunen. Die Situation ist geprägt durch den Wettbewerb vor allem mit Mülheim-Kärlich und dem Onlinehandel. Zwar hat die Neuwieder Innenstadt noch einen gewissen Stellenwert als Einzelhandelsstandort, wobei sie insbesondere mit Multifunktionalität punkten kann. Ihre Bedeutung ist jedoch rückläufig.

2 Warum kommen Kunden in die City? Einkaufen ist für knapp die Hälfte der Umfrageteilnehmer der hauptsächliche Besuchsgrund der Innenstadt, gefolgt von Arztbesuchen. Rund 60 Prozent kombinieren den Besuch der City mit weiteren Aktivitäten. Damit zeigen sich Synergie- und Kopplungseffekte zwischen den verschiedenen Innenstadtnutzungen, was die Multifunktionalität der Innenstadt unterstreicht. Bei der Frage, was für einen Einkauf in der Innenstadt spricht, nennen mehr als 80 Prozent die Nähe zum Wohnort. Gute Parkmöglichkeiten und das gastronomische sowie kulturelle Angebot werden von jeweils rund 70 Prozent ebenfalls als Aspekte für einen Einkauf in der Innenstadt Neuwied genannt.

3 Was wird in Neuwied eingekauft? Waren wie Lebensmittel und Hygieneartikel, die der kurzfristigen Bedarfsdeckung dienen, werden zu mehr als 80 Prozent in Neuwied eingekauft. Dabei erreicht vor allem das Gewerbegebiet Distelfeld mit seinem umfangreichen nahversorgungsrelevanten Angebot die höchsten Anteile.

Die Neuwieder Innenstadt erzielt zwar in innenstadtprägenden Bereichen wie Unterhaltungselektronik, Elektrohaushaltsgeräte, Bekleidung, Schuhe, Bücher und Schmuck die höchsten Anteile mit 33 bis 44 Prozent. Jedoch werden diese Sortimente überwiegend außerhalb Neuwieds gekauft – in Koblenz, im Gewerbegebiet Mülheim-Kärlich oder online. Der Onlinehandel erreicht in diesen Sortimenten mittlerweile Anteile von bis zu 37 Prozent und ist somit für den Einzelhandel in Neuwied deutlich spürbar.

4 Wie und wie oft kommen Kunden in die City? Rund 40 Prozent der Umfrageteilnehmer sind mindestens einmal wöchentlich in der Innenstadt. Ein Viertel der Teilnehmer besucht sie seltener als einmal im Monat. Nur 6 Prozent haben angegeben, die Innenstadt eigentlich nie zu besuchen. Mehr als zwei Drittel der Teilnehmer an der Umfrage gaben an, mit dem Auto oder dem Motorrad in die Innenstadt zu kommen. Nur ein geringer Anteil nutzt den Bus.

5 Was muss besser werden? Die Umfrageteilnehmer haben sich laut Planungsbüro insgesamt sehr kritisch mit der Neuwieder Innenstadt auseinandergesetzt. Aus ihrer Sicht besteht grundsätzlich in allen Aspekten Verbesserungsbedarf. Kritisiert werden sowohl Angebotsdefizite und -qualitäten als auch städtebauliche Aspekte wie Fassadengestaltung, Verweilmöglichkeiten und die Sauberkeit.

Knapp 90 Prozent der Umfrageteilnehmer vermissen bestimmte Angebote. Dabei gehört das Sortiment Bekleidung zu den häufigsten Nennungen, es folgen Sportgeschäft, Spielwaren, Drogerien und Fachgeschäfte. Viele vermissen zudem einheitliche Öffnungszeiten. Verbessert werden müssen aus Sicht der Kunden auch Qualität, Vielfalt und Originalität des Einzelhandels- und Dienstleistungsangebots. Kritisiert wird in diesem Zusammenhang besonders der hohe Anteil von Billigläden, Handy-Shops, Shisha-Bars und Friseuren.

6 Wie hat sich Corona ausgewirkt? Die Corona-Pandemie hat das Einkaufsverhalten verändert. Knapp zwei Drittel der Umfrageteilnehmer kaufen nun öfter in Läden am Ort ein, um den lokalen Einzelhandel zu unterstützen. Im Onlinehandel haben rund drei Viertel der Teilnehmer auch vor Corona bereits regelmäßig eingekauft, wobei mehr als 60 Prozent nun häufiger Online-Angebote nutzen. Vor allem die Sektoren Bekleidung, Schuhe, Bücher sowie Freizeit- und Sportartikel profitieren davon.

Die Umfrage ist Teil des im Entwurf vorliegenden Einzelhandelskonzepts, das Entwicklungsmöglichkeiten für den Neuwieder Einzelhandel aufzeigen soll. Den Entwurf gibt es auf der Internetseite der Stadt Neuwied. Bis zum 23. Dezember können dazu Stellungnahmen an die Stadtverwaltung gerichtet werden.

Befragung im Sommer: Kundenspiegel sieht Neuwied auf gutem Weg

Mit der Frage, wie die Kunden die Einkaufsstadt Neuwied bewerten, hatte sich im Sommer auch der Kundenspiegel des Markt­forschungsinstituts MF Consulting befasst. Dabei stellten die Teilnehmer an der repräsentativen Umfrage der Deichstadt noch ein besseres Zeugnis aus, als es jetzt die Teilnehmer an der Online-Umfrage des Planungsbüros „Junker + Kruse“ getan haben.

Zwar stellt auch der Kundenspiegel fest, dass es noch Raum für Verbesserungen gibt. So kommt die Stadt im deutschlandweiten Vergleich nur auf Platz 88 von 133. Doch die Entwicklung seit der ersten Untersuchung im Jahr 2009 sei durchaus positiv.

Die Autoren des Kundenspiegels machen das an den Bewertungskriterien Beratungsqualität, Preis-Leistungs-Verhältnis und Freundlichkeit fest. In allen drei Kategorien hat sich Neuwied gegenüber früheren Erhebungen verbessert. „Deutlicher lässt sich ein Aufwärtstrend nicht dokumentieren“, hieß es seinerzeit in einer Pressemitteilung. hrö

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