Archivierter Artikel vom 12.05.2017, 12:21 Uhr
Erpel

Bürgerversammlung in Erpel: Ausbau der Rieslingstraße erhitzt Gemüter

Der Ausbau der Rieslingstraße wurde in einer Anliegerversammlung im voll besetzten Erpeler Bürgersaal vorgestellt. Da die Rieslingstraße die erste Straße in Erpel ist, die nach dem System des Wiederkehrenden Beitrags (WKB) abgerechnet wird, waren alle Erpeler eingeladen, sich über die Planungen zu informieren, die Planer Dieter Schmidding, vorstellte.

Von Sabine Nitsch
Die Vorstellung der Ausbauplanung der Rieslingstraße stieß auf großesInteresse in Erpel. Foto: Sabine Nitsch
Die Vorstellung der Ausbauplanung der Rieslingstraße stieß auf großesInteresse in Erpel.
Foto: Sabine Nitsch

Auf einer Länge von 400 Metern wird die Straße ausgebaut. „Es wird eine Mischfläche mit planebenen Ausbau“, erläuterte Schmidding. Die Straße soll gepflastert werden. In den Kreuzungsbereichen und im Wendehammer wird eine Schwarzdecke aufgetragen. „Die Kosten für die Herstellung in Asphalt und Pflaster sind identisch“, erläuterte der Planer. Der Vorteil einer Pflasterung liege darin, dass man bei Bedarf problemlos an die Versorgungsleitungen herankäme. Außerdem sollen Bereiche markiert werden, wo geparkt werden darf.

Die Parktaschenidee kam bei den Bürgern nicht gut an. Ausgewiesene Parkflächen würden den ohnehin knappen Parkraum weiter begrenzen, gaben sie zu bedenken. Sorgen bereitet auch die Bauphase. Ob gewährleistet sei, dass Feuerwehr oder Rettungswagen durchkommen, wurde gefragt. Helmut Dommermuth von der Verwaltung konnte diese Sorgen zerstreuen. „Rettungswagen kommen immer durch“, versprach er. Die Bürger gaben auch zu bedenken, dass der Wendehammer für den Müllwagen zu eng dimensioniert sei. Ganz glücklich waren einige Anwohner auch nicht über die Pflasterung. In der Burgunderstraße sorge lockeres Pflaster für Lärmbelästigung. Sie befürchteten Ähnliches auch bei einer gepflasterten Rieslingstraße.

Immer wieder tauchte auch die Frage auf, ob die Straße überhaupt ausgebaut werden müsse. „Die Straße bewegt sich in Richtung Tal“, hieß es dazu. Ein Anwohner, der die Bewegung auf seinem Grundstück beobachtet hat, konnte das bestätigen. Ein anderer Bürger indes bezweifelte die Notwenigkeit des Ausbaus. Er kündigte an, ein Gegengutachten zu beauftragen. Der Rat hingegen soll entscheiden, ob die Gemeinde ein Beweissicherungsverfahren in Auftrag gibt.

Im Zuge dieser Sanierungsmaßnahmen wird auch der Kanal erneuert. Und die Versorger nutzen die Gelegenheit, ihre in die Jahre gekommen Leitungen und Hausanschlüsse zu erneuern. Versorger und Abwasserwerk beteiligen sich an den Kosten für die Wiederherstellung der Straße, was die umlagefähigen Kosten für den WKB senke, betonte Ortsbürgermeisterin Cilly Adenauer. Über die Höhe der Ausbaukosten konnte die Verwaltung noch keine Auskunft geben. Insofern sei auch, wie Dommermuth meinte, eine seriöse Information zur Höhe der Vorausleistungen im Rahmen des WKB nicht möglich.

In der Ratssitzung am Montag sollte der Ausbau der Rieslingstraße eigentlich schon auf der Tagesordnung stehen. Jemand gab jedoch zu bedenken, dass die Zeit, die den Anwohnern zur Verfügung steht, um ihre Anregungen und Bedenken einzureichen, zu knapp bemessen sei. Ein anderer fragte, wo Bürger jetzt überhaupt noch Einflussmöglichkeiten hätten. „Wann werden wir gefragt“, meinte er. Jetzt soll der Ausbau der Rieslingstraße in der Ratssitzung am 9. Juni Thema sein.

Bei der Vorstellung der Ausbaupläne entzündete sich auch Kritik einiger Bürger an der Entscheidung des Rates, den WKB überhaupt einzuführen. „Ich bin Bürger von Erpel. Ich will mitbestimmen und vorher gefragt werden. Wenn ich einfach nur einen Bescheid bekomme, bin ich sauer“, empörte sich jemand. Dommermuth wies daraufhin, dass der Rat nun mal die Entscheidungshoheit habe. „Die Sache ist über unsere Köpfe hinweg beschlossen worden. Ich hätte es korrekt empfunden, wenn Bürger vorher in einer Einwohnerversammlung wie in Vettelschoß oder Leubsdorf informiert worden wären“, schimpfte ein anderer. Erpel hatte sich für persönliche Informationsgespräche entschieden. „Wir haben eine Bürgerinitiative gegründet und wollen ein Bürgerbegehren. Das ist auch schon im Lauf“, kündigte ein Bürger an.

Von unserer Reporterin Sabine Nitsch