Archivierter Artikel vom 07.04.2021, 09:40 Uhr
Neuwied

Bedroht und exotisch: Zoo Neuwied hegt besondere Hühner

Was wäre Ostern ohne Eier? Auch wenn im Zoo Neuwied viele Eier legende Tiere leben – neben Vögeln viele Reptilien und Amphibien – sind die fleißigsten Eierleger im Tierpark die Hühner. „Dass Artenschutz eine der zentralen Aufgaben moderner Zoos ist, ist sicher den meisten bekannt. Dass dieser sich aber nicht nur auf Wildtiere beschränkt, sondern es auch bedrohte Haustierassen gibt, ist neu für viele Zoobesucher“, erläutert Kurator Max Birkendorf.

Das Sundheimer Huhn ist zutraulich, kräht vergleichsweise leise und ist mit seinen befiederten Füßen auch noch ein echter Hingucker.  Foto: Zoo Neuwied
Das Sundheimer Huhn ist zutraulich, kräht vergleichsweise leise und ist mit seinen befiederten Füßen auch noch ein echter Hingucker.
Foto: Zoo Neuwied

Nutztierzucht gibt es seit Hunderten von Jahren. Durch die auf „Hochleistungsrassen“ fokussierte Zucht der vergangenen Jahrzehnte drohen viele alte Rassen, die sich durch besondere erhaltenswerte Merkmale auszeichnen, aber nicht so produktiv sind, zu verschwinden. Weil so auch ein wichtiger Teil des Genpools der jeweiligen Tierart verloren ginge, bemühen sich auch die Zoos, diese bedrohten Haustierrassen zu erhalten. Das Sundheimer Huhn, ein großes Huhn mit stark befiederten Füßen, gehört zu den am stärksten bedrohten Hühnerrassen.
Da es ursprünglich als „Zwiehuhn“ gezüchtet wurde, also sowohl zur Eierproduktion als auch als Schlachthuhn, wird es heute in der Industrie, die nur auf jeweils ein Produkt spezialisiert ist, den Ansprüchen nicht mehr gerecht. „Dabei sind Sundheimer ideal für Zoos oder Privathalter, da sie zutraulich und robust sind und durch sehr verhaltenes Krähen auch nicht die Nachbarn stören“, meint Max Birkendorf. „Da sie auch ein schlechtes Flugvermögen haben, sind sie leicht zu halten und neigen nicht zum Ausbüxen – ganz im Gegenteil zu den Bergischen Schlotterkämmen, die zur Überraschung der Besucher regelmäßig im Eingangsbereich des Zoos spazieren gehen“, lacht er. „Die Bergischen Schlotterkämme sind unkomplizierte Hühner, die gut fliegen und sich auch bei der Futtersuche selbst versorgen können – eine im 19. Jahrhundert sicher gefragte Eigenschaft“, mutmaßt die stellvertretende Zoodirektorin Jasmin Kuckenberg. „Da sie zwar fleißig Eier legen, diese aber kaum selbst bebrüten, sind sie von anderen Rassen abgelöst worden und gelten heute als eine besonders stark gefährdete Nutztierrasse.“

Nicht gefährdet, dafür aber zoologisch hochinteressant sind die Cemani-Hühner, die sich ihr Gehege mit den Störchen teilen. Diese indonesische Hühnerrasse weist durch eine seltene, natürliche Genvariante eine Hyperpigmentierung auf, die dafür sorgt, dass die Hühner komplett schwarz sind. Nicht nur Gefieder, Schnabel und Kamm, sondern sogar das Fleisch, die Knochen und das Blut sind dunkel gefärbt. „Die Eier sehen jedoch ganz normal aus – die muss der Osterhase also trotzdem noch bunt färben“, schmunzelt Kuckenberg.