Archivierter Artikel vom 18.07.2021, 16:31 Uhr
Kreis Neuwied

Aufatmen am Rhein zwischen Neuwied und Unkel: Hochwasser geht zurück

Nachdem die Scheitelwelle des Sommerhochwassers den Kreis Neuwied passiert hat, beginnen erste Aufräumarbeiten. Ärgerlich: Immer wieder missachteten Autofahrer die Sperrungen.

Von Rainer Claaßen

Die Hochwasserlage im Kreis Neuwied am Wochenende

Rainer Claaßen

Die Hochwasserlage im Kreis Neuwied am Wochenende

Rainer Claaßen

Die Hochwasserlage im Kreis Neuwied am Wochenende

Rainer Claaßen

Die Hochwasserlage im Kreis Neuwied am Wochenende

Rainer Claaßen

Die Hochwasserlage im Kreis Neuwied am Wochenende

Rainer Claaßen

Die Hochwasserlage im Kreis Neuwied am Wochenende

Rainer Claaßen

Die Hochwasserlage am Sonntagmorgen in Neuwied

Jörg Niebergall

Die Hochwasserlage am Sonntagmorgen in Neuwied

Jörg Niebergall

Die Hochwasserlage am Sonntagmorgen in Neuwied

Jörg Niebergall

Die Hochwasserlage am Sonntagmorgen in Neuwied

Jörg Niebergall

Die Hochwasserlage am Sonntagmorgen in Irlich

Jörg Niebergall

Die Hochwasserlage am Sonntagmorgen in Irlich

Jörg Niebergall

Die Hochwasserlage am Sonntagmorgen in Irlich

Jörg Niebergall

Die Hochwasserlage am Sonntagmorgen in Irlich

Jörg Niebergall

Nach den dramatischen Ereignissen an der Ahr und in Nordrhein-Westfalen war auch am Mittelrhein die Nervosität etwas größer als bei früheren Hochwassersituationen – bei anhaltendem Starkregen könnten ja auch hier die Rekordpegelstände übertroffen werden. Am Samstagvormittag zeigte sich allerdings schon, dass zumindest vorläufig nicht mit einer größeren Dramatik gerechnet werden muss: Das Maximum des Pegels Andernach war am Freitag mit 7,43 Metern erreicht worden – danach sank das Wasser wieder. Auch in Neuwied war der Höchststand am Freitagabend zwischen 18 und 22 Uhr gemessen worden. Hier lag er bei 7,21 Metern.

Folgenlos blieb aber auch dieses Hochwasser nicht. So konnte zwar der Flohmarkt in Bad Hönningen am Samstagmorgen nahezu ohne Einschränkungen stattfinden. Bei der Anreise kam es allerdings zu einem nicht unerheblichen Rückstau. Der Parkplatz bei den Rheinanlagen stand nämlich weiterhin komplett unter Wasser – und auch die benachbarte Therme konnte keine Stellplätze zur Verfügung stellen, da hier der reguläre Publikumsbetrieb weiterging.

Anders sah es auf dem Campingplatz aus. „Der Platz wurde zwar nicht komplett überflutet. Aber schon allein als Vorsichtsmaßnahme haben wir ihn schon vor dem Wochenende komplett geschlossen“, berichtet Platzwart Udo Bündgen und fügt an: „Bis wir ihn wieder für Gäste freigeben können, werden wohl auch noch ein paar Tage vergehen – vorausgesetzt, der Pegelstand sinkt weiter.“ Danach sieht es aus: Laut Prognose des Hochwassermeldedienstes vom Sonntag wird für Montag und Dienstag ein leicht sinkender Wasserstand erwartet – die Entwicklung dürfte in Richtung von 6 Metern am Pegel Andernach am Dienstag gehen, so die Experten.

Relativ stark betroffen war die Gegend um Linz. Das war unter anderem daran zu erkennen, dass auch am Samstagmorgen kurz hinter Bad Hönningen die B 42 noch offiziell gesperrt war. Zumindest ortskundige Autofahrer ließen sich davon aber kaum beeinflussen: Viele umfuhren die Schilder einfach – und störten so die Reinigungsarbeiten am Rheinufer. Hier war die Straßenmeisterei Linz damit beschäftigt, die Spuren des sinkenden Wassers zu beseitigen. Dabei kam eine Kehrmaschine und ein spezieller Räumbagger zum Einsatz. Die Mitarbeiter waren aber zuversichtlich, auch die Sperrung der Unterführung, die von der B 42 in Richtung Wiedbachtal führt, gegen Mittag wieder aufheben zu können. Am Morgen arbeiteten die Pumpen hier noch auf Hochtouren, und das Wasser stand noch gut 20 Zentimeter hoch.

Während die Fähre in Linz den Betrieb zwischenzeitlich einstellen musste – die gesamten Anleger waren überflutet worden – war die Fähre Bad Hönnigen–Bad Breisigdurchgängig in Betrieb. Laut Fährmeister Marc Temsky könnte die sogar noch bei einem um einen Meter höheren Pegelstand weiterfahren. Auch ihn besorgte das Hochwasser an der Ahr deutlich mehr: „Ich komme selbst aus der betroffenen Gegend – diese Schicksale gehen mir wirklich nahe“, sagt er.

Auch die Radwege entlang des Rheins waren zum Teil nicht befahrbar. Eine Gruppe von vier Radwanderern, die in Richtung Köln und Duisburg unterwegs war, fühlte sich dadurch aber kaum beeinträchtigt. „Vorher waren wir an der Mosel unterwegs. Da ging an manchen Stellen gar nichts mehr, und wir mussten auf den Zug umsteigen. Verglichen damit war die Tour von Koblenz bis nach Linz unproblematisch. Hier gab es immer Ausweichmöglichkeiten“, erzählt einer der Radler. Sie waren über die Neuwieder Rheinbrücke gefahren und waren froh, dass sie auf dem Leutesdorfer Campingplatz, der über dem Hochwasserlevel liegt, übernachten konnten.

Auf dem Weg nach Erpel gab es für das Quartett dann aber doch noch mal nasse Füße und Reifen – dort stand das Wasser besonders hoch, und die Straße war längere Zeit gar nicht passierbar. Eine Polizeistreife kontrollierte dann auch noch am Samstagmorgen und stellte Bußbescheide für Autofahrer aus, die trotz gesperrter Fahrbahn von Erpel nach Linz fuhren. Nicht wenige Fahrer ließen sich allerdings von der Streife nicht aufhalten – und fuhren einfach an der herausgehaltenen Kelle vorbei.

Die Sperrung hatte am Freitag bereits für massive Engpässe gesorgt. Naomi Smeets aus Erpel berichtet: „Die Umleitung führt über die Landstraße in Richtung Vettelschoss. Auf der engen Straße war gestern Abend während des Berufsverkehrs in beide Richtungen praktisch kein Durchkommen.“ Am Samstagnachmittag wurden dann aber alle Sperrungen wieder aufgehoben. Und auch die Linzer Rheinfähre nahm ihren Betrieb wieder auf. Und da die Wetteraussichten aktuell gut sind, dürfte es in den kommenden Tagen hoffentlich nicht zu erneutem Hochwasser kommen.

Von unserem Mitarbeiter Rainer Claaßen