Archivierter Artikel vom 18.05.2016, 16:57 Uhr
Moselkern/Cochem

Wehrhaft sind die Befürworter des Wehrs

Welches ist der Königsweg am Haanschen Wehr? Ist es ein moderner Fischdurchlass oder eine herkömmliche Fischtreppe? Ist das Wehr, das aus dem 17. Jahrhundert datiert, aber nicht denkmalgeschützt ist, überhaupt erhaltenswert? Viele Fragen ranken sich um die Zukunft des unteren Elzbaches bei Moselkern. Bislang ist nur eines sicher: Nach dem faktischen Votum des Moselkerner Gemeinderates pro Wehr wird es eine Machbarkeitsstudie geben, wie die vom Rat favorisierte Fischtreppe verwirklicht werden kann. Der Kreis wird die Studie mit Kostenermittlung für die beschlossene Variante in Auftrag geben.

Kevin Rühle

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Von unserem Redaktionsleiter Thomas Brost

Hinter den Kulissen wird jedoch eifrig diskutiert, ob die Fischtreppe die von der EU geforderte Durchlässigkeit des Baches für alle Fische gewährleisten wird. Das Zähneknirschen lässt sich quasi aus den Stellungnahmen von Kreis und der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord heraushören – die beiden Behörden hätten lieber eine breit angelegte, neue Sohlengleite oder Raue Rampe gehabt. „Sie entspricht einer natürlichen Stromschnelle und hat den großen Vorteil, dass sie weitgehend wartungsfrei ist und sich im Hochwasserfall selbst freispült“, erläutert Lothar Jörgensen von der SGD Nord. Für Anja Toenneßen, die zuständige Dezernentin beim Kreis, ist die jetzt avisierte Lösung „die zweitbeste, aber machbar“. Auch sie ist eigentlich für die Alternative, weil sie der Natur am nächsten komme.

Der Meinungsstreit wogt aber auch zwischen Fischfreunden einerseits und der Bürgerinitiative (BI) Wasserfall sowie den Anhängern der Wollfabrik hin und her. Ulrich Kühl, der sich mit Mitstreitern darum kümmert, dass sich das Industriedenkmal Wollfabrik entwickeln wird, hält die Raue Rampe „nicht für das Nonplusultra“. Die jetzt angedachte Fischtreppe sei dagegen aus mehreren Gründen vorzuziehen. Sie erhalte das Stauwehr, das, so Kühl, „mit zur gesamten Anlage der Wollfabrik stimmig hinzugehört“. Ferner sei eine Fischtreppe „besser regelbar“, sie lasse, anders als Kritiker dies behaupten würden, alle Fische nach oben passieren. Lachse würden ohnehin drei Meter hoch springen und die Wehrkrone meistern, ergänzt sein Mitstreiter Harald Hartmann. Die Fischtreppe müsste zur Straße hin mit einer „erhöhten Streichkante“ gebaut werden. Er hält auch eine Selbstreinigung des Gewässers für gegeben, während die Kritiker gerade die Lage am Wehr als sauerstoffarm einstufen. Es verbiete sich im Übrigen, zu sehr auf den Fischertrag zu schauen. Die Fischfanglobby denke aber nur daran, ihm gehe es, so Kühl, um die Artenvielfalt im Allgemeinen.

Ein Rückbau des Haanschen Wehrs wäre aus seiner Sicht „ein schwerer ökologischer Eingriff“. Es würde sich um ein abruptes Ende einer langzeitigen Entwicklung handeln. Man müsse aber eine ganzheitliche Betrachtung anstellen, müsse Wollfabrik und Wehr als etwas verstehen, was „wunderbar verzahnt ist zwischen Natur und Kultur“. Kühl und der Verein Kulturgut planen Veranstaltungen in der Wollfabrik – so findet der „Tatort Architektur“ im Juli zum zweiten Mal dort statt. Außerdem soll mit Wasserturbinen ökologischer Strom produziert werden. Freilich ist dazu noch kein Antrag auf Genehmigung bei der Kreisverwaltung gestellt. „Wir wollen den Strom für die Fabrik nutzen“, betont Kühl. Dies lohne sich, ferner lasse sich Strom ins öffentliche Netz einspeisen. „Schritt für Schritt“ gehe man beim Verein vor, um die Wollfabrik und deren Umfeld nutzbar zu machen.

Dass Kühl und Co. keine Türen zuschlagen möchten, betonen sie immer wieder. Mit den Fischfangprotagonisten will man ins Gespräch kommen. „Darüber wäre ich sehr froh“, sagt Kühl. Ein Gedankenaustausch wäre möglich. Nur wer macht den ersten Schritt auf den anderen zu?

Infos zur Wollfabrik: www.wollfabrik-moselkern.de