Archivierter Artikel vom 28.01.2022, 16:53 Uhr
Auderath

Vom Rasenmäher zum Leasing-Rind: In Auderath können Zebus geleast werden

Sie haben einen markanten Kopf, eine ausgeprägte Halsfalte, sichelförmige Hörner und – das vermutlich größte Erkennungsmerkmal – einen Buckel. Die Rede ist von Zebus, eine aus Asien stammende Rinderrasse. Familie Benz betreibt seit 2019 eine Zebuzucht am Stall Waldfrieden in Auderath. Seit diesem Januar bieten sie aber etwas ganz Besonderes an: Zebuleasing.

Von Annika Wilhelm
Aufs Zebu gekommen: Florian Benz kümmert sich hauptsächlich um die 20 Rinder, die friedlich im Offenstall in einer Herde zusammenleben. Das besondere an den Tieren ist der Buckel, der von ihrem Widerrist emporragt. Seit Januar bietet der Landwirt ein Zebuleasing an. Foto: Annika Wilhelm
Aufs Zebu gekommen: Florian Benz kümmert sich hauptsächlich um die 20 Rinder, die friedlich im Offenstall in einer Herde zusammenleben. Das besondere an den Tieren ist der Buckel, der von ihrem Widerrist emporragt. Seit Januar bietet der Landwirt ein Zebuleasing an.
Foto: Annika Wilhelm

Eigentlich wollten Ramona und Florian Benz nur eine Tierart, die die Aufgabe eines Weidepflegers übernimmt. Ramona Benz erzählt: „Wir wollten weniger Maschinen und mehr Nutztiere.“ Infrage kam dabei nur eine Tierart, die unkompliziert mit den Pferden, die am Stall Waldfrieden bereits seit 2016 beheimatet sind, Seite an Seite funktioniert, damit die Tiere sich nicht gegenseitig stören. Nachdem sich die Landwirte im Internet belesen hatten, kamen sie schnell zu dem Entschluss: Zebus sind eine gute Lösung. Ramona Benz erzählt: „Die Pferde hinterlassen die Weiden oft in einem unebenen Zustand. Wenn die Zebus danach draufkommen, trampeln die alles wieder flach und fressen eben das, was die Pferde übrig lassen.“

Zebufleisch gilt als Delikatesse

Zusätzlich zu ihrer „Rasenmäherfunktion“ war aber ein weiterer Punkt ganz entscheidend, weshalb die Wahl schließlich auf die kleine Rinderrasse fiel: Zebufleisch ist eine Delikatesse. Vor vier Jahren ist Familie Benz auf den Geschmack gekommen. Florian Benz sagt: „Das Fleisch schmeckt ein bisschen wie Wild, mit einer nussigen Note.“ Außerdem ist es magerer und cholesterinärmer als normales Rindfleisch. Besonders spannend ist dabei der Buckel der Tiere: Der besteht nämlich nicht, wie man annehmen könnte, aus Fett, sondern aus reinem Muskelfleisch.

Es entstand die Idee, das Fleisch als eine Delikatesse auch anderen Menschen schmackhaft zu machen. Statt dieses Fleisch an sich zu verkaufen, entschieden sich Ramona und Florian Benz jedoch für eine besondere Vermarktung: Mit einem Zebuleasing soll jeder, der ein eigenes Rind halten will, zu Hause aber einfach keinen Platz dafür hat, die Chance bekommen.

Was mit dem Tier passiert, können die neuen Besitzer selbst entscheiden. So kann das Zebu geschlachtet werden, wenn es ein Alter von etwa drei Jahren erreicht hat, oder man schenkt dem Tier ein langes Leben auf der Weide. Wichtig ist den beiden Züchtern vor allem die Nachhaltigkeit. Die Tiere werden darum bei einer Schlachtung komplett verwertet, Lebensmittel und auch Felle sollen nicht weggeschmissen werden.

Tiere können jederzeit besucht werden

In den monatlichen Kosten sind Fütterung, Stallmiete, Tierarztkosten, Pflege und Betreuung enthalten, der Kunde muss sich also quasi um nichts kümmern. Ramona Benz sagt: „Die Leute können jederzeit vorbeikommen und die Tiere besuchen.“ Und das wird auch gut angenommen: Die ersten Leasingkunden stehen bereits an der Weide, um ihr neues Zebu zu besuchen. Zu viert teilen sie sich den 18 Monate alten, braun-weiß gefleckten Zebubullen Tommy. Noch weitere 18 Monate darf er mit seiner Herde leben, danach soll er geschlachtet werden. Sebastian Mertes kennt das Fleisch aus Südafrika, von dem Zebuleasing ist er begeistert. Er sagt: „Die Haltung ist supertransparent, man weiß einfach wo das Fleisch herkommt und wie gut die Tiere gehalten werden.“

Genau das ist auch der Punkt, der Ramona und Florian Benz so wichtig ist. Sie wissen genau, dass ihre Tiere ohne Medikamenteneinsatz, Genmanipulation oder Schnellmast gehalten werden und können so mit gutem Gewissen ein Zebuleasing anbieten. „Tierwohl steht bei uns an erster Stelle“, betont Ramona Benz. Darum werden die Tiere auch ganzjährig im Offenstall gehalten. Und das funktioniert gut, denn Zebus sind sehr wetterresistent: Sie halten Wetterextreme im Sommer, aber auch raue Winter aus. Die 20 Zebus in Auderath scheinen jedenfalls glücklich: Kälbchen Josephine springt voller Elan über die Weide, während die Bullen gemeinsam die Gegend erkunden.

Mehr Infos zum Zebuleasing: www.waldfrieden-zebu.de

Von unserer Reporterin Annika Wilhelm