Archivierter Artikel vom 08.06.2011, 17:21 Uhr
Cochem-Zell

Lange Dürre hat einen hohen Preis

Sonnige Zeiten? Nicht für die Landwirte im Kreis Cochem-Zell. Die Regenfälle der vergangenen Tage haben zwar ein wenig geholfen, dennoch sind die Ernteaussichten, dank des trockensten Jahresbeginns seit 1880, katastrophal. „Je nach Standort haben wir Ausfälle bis zu 50 Prozent“, sagt Hans-Jürgen Sehn, Vorsitzender des Bauern- und Winzerverbands in Cochem-Zell. Lediglich der Mais kann mit der Dürre noch relativ gut umgehen.

Auch Kathrin Thönnes aus Wirfus hat bereits Ernteausfälle zu verkraften.
Auch Kathrin Thönnes aus Wirfus hat bereits Ernteausfälle zu verkraften.
Foto: Kevin Rühle

Cochem-Zell – Sonnige Zeiten? Nicht für die Landwirte im Kreis Cochem-Zell. Die Regenfälle der vergangenen Tage haben zwar ein wenig geholfen, dennoch sind die Ernteaussichten, dank des trockensten Jahresbeginns seit 1880, katastrophal. „Je nach Standort haben wir Ausfälle bis zu 50 Prozent“, sagt Hans-Jürgen Sehn, Vorsitzender des Bauern- und Winzerverbands in Cochem-Zell. Lediglich der Mais kann mit der Dürre noch relativ gut umgehen. Vor allem bei Futtermitteln ist die Lage schwierig. „Die Preise werden stark steigen“, erklärt Sehn.

Das Futter für Vieh und Pferde wird knapp. Bereits der erste Schnitt in die diesem Jahr lieferte nur zwei Drittel der normalen Erntemenge. Noch schlechter sieht es für den zweiten Schnitt aus, der Mitte Juli erfolgt. „Bisher ist noch nichts nachgewachsen“, sagt Kathrin Thönnes, Landwirtin aus Wirfus. Die lange Trockenheit und die Hitze haben die Wiesen verbrannt. Dabei hoffen die Landwirte auf eine mögliche dritte Ernte im August oder September. „Es könnte einen dritten Schnitt geben. Die Betriebe pflanzen nach der Getreideernte Zwischenfrüchte an, um die Futtersituation zu verbessern“, erklärt der Vorsitzende des Bauernverbands. „Eine ähnliche Trockenheit gab es im Jahr 1976, aber da kam die Dürre später im Jahr“, erinnert sich Sehn.

Die Ausfälle führen zu höheren Preisen, die zwar die Verluste der Landwirte schmälern, diese aber nicht auffangen. Vor allem Betriebe mit viel Vieh leiden unter den gestiegenen Kosten. „Einzelne Betriebe müssen bereits Vieh verkaufen“, berichtet Hans-Jürgen Sehn. Ein weiteres Problem sind die laufenden Verträge der Landwirte mit den Genossenschaften – in diesen sind Liefermengen festgeschrieben. Die durch die Trockenheit entstehenden Ausfälle müssten die Landwirte teuer zukaufen. Über dieses Problem verhandelt momentan der Bauernverband mit den Genossenschaften. „Wir hoffen, dass die besondere Situation berücksichtiget wird“, sagt Sehn. Bisher ist es bei diesen Verhandlungen noch zu keinem Ergebnis gekommen.

Nicht nur die Futterproduktion, auch der Anbau von Raps und Sommer- und Wintergetreide leidet unter der ungewöhnlich trockenen ersten Jahreshälfte. Die Ernte der Wintergerste wird wohl um ein Drittel schrumpfen, bei Weizen und Roggen sieht die Lage auf guten Ackerböden etwas besser aus. „Auf schlechten Flächen können wir das Ausmaß noch nicht abschätzen“, sagt Kathrin Thönnes. Teilweise dramatisch sieht es beim Raps aus. Die Schoten sind nicht richtig ausgebildet, der Ölgehalt ist dadurch zu niedrig. Auch hier sind starke Mindereinnahmen zu erwarten.

Der fehlende Regen wirkt sich auch auf die Reiterhöfe im Kreis aus. Der Preis für Heuballen hat sich verdreifacht, die Wiesen sind abgegrast oder verdorrt. Ein Glück für diejenigen, die noch genügend Vorräte aus dem vergangenen Jahr haben. „Wir sind Selbstversorger, für uns ist es noch nicht so dramatisch“, sagt Volker Lordick, Besitzer der Reitanlage Dainzhof in Valwig. „Wir schneiden trotzdem schon Grünfutter an Wegrändern und kleinen Freiflächen. Das ist viel Arbeit, hilft uns aber für einen Monat weiter“, erklärt Lordick. „Allerdings, sollten wir zukaufen müssen, wird es teuer.“