Archivierter Artikel vom 18.01.2022, 17:38 Uhr
Kelberg

Kelberger Rentner hat geschickte Hände: Eifler erschafft bunte Kunstwerke aus Glas

Hans Kaiser ist ein passionierter Glaskünstler. Sein Haus in Kelberg, Auf dem Hermes 9, ist voll bunter, zerbrechlicher Kunstwerke, die er in Kleinarbeit geschaffen hat. Sein seltenes Hobby ist schon als Kunst zu bezeichnen, denn allen Gegenständen sieht man ihre besondere Machart an – und dass geschickte Hände sie schufen.

Von Bernd Schlimpen
In Hans Kaisers Atelier reiht sich Kunstwerk an Kunstwerk.  Foto: Bernd Schlimpen
In Hans Kaisers Atelier reiht sich Kunstwerk an Kunstwerk.
Foto: Bernd Schlimpen

Vor 40 Jahren begann Kaiser mit der Glasarbeit aus einem besonderen Anlass. Er hatte sich ein Bein gebrochen und konnte sich kaum bewegen, suchte aber dringend Beschäftigung. „Da hat mir ein Kumpel einen Karton mit kunterbunten Glasscherben gebracht, und es ist mir tatsächlich gelungen, aus den verschiedensten Glasstücken eine ansehnliche Lampe herzustellen“, erinnert sich der Kelberger.

Vom Fliesenleger zum Glas- und Porzellanmaler

Anfangs hat er auch noch viele Tiffanywerke wie Decken-, Steh- oder Nachttischlampen gezaubert. Aber Tiffany ist nicht mehr in. Chinesische Importware überschwemmt den Markt, und auch das Interesse allgemein ist gesunken. Bunte Reste stehen noch immer auf einem Sortimentstisch. Zuletzt war Hans Kaiser – über andere Berufen wie Fliesenleger hinaus – als Hausmeister tätig und hat mittlerweile an der Glasfachschule Rheinbach Glas- und Porzellanmaler gelernt, mit Abschluss 1996. Diese Arbeit ist nun auch zu seiner Lieblingsbeschäftigung geworden, bei der er sich gern über die Schulter gucken lässt in seiner geräumigen Werkstatt, die er allerdings nur betritt, wenn die Lust und Liebe zu seinem Tun ihn dorthin treibt. „Im Winter werde ich hier öfter auftauchen, wenn es früher dunkel wird“, erklärt er in seinem wohlig-warmen Arbeitsraum.

Wieso hat er sich in der Freizeit der Glasmalerei verschrieben? Als Grund überreicht Kaiser einen DIN-A4-Druck mit aussagekräftigem Inhalt: „Glas ist Zauber, es hat die Kraft, die Welt zu färben. Glas ist der schönste Stein. Es ist Luft, Wasser und Feuer zugleich und der Regenbogen.“ In seinem Atelier hat sich an den Fenstern, die zu bunten Flächen geworden sind, einiges angesammelt, etwa sakrale Glasabbildungen, Feuerwehrdarstellungen oder die Kelberger Gemeinde- und Verbandsgemeindewappen als Glasmalerei, die zu Jubiläen überreicht werden. Da ist zum Beispiel außerdem eine runde Restaurationsarbeit für die Kelberger Kapelle Schwarzenberg zu erblicken, und auch für Kapellen in Luxemburg hat der Rentner schon Aufträge entgegengenommen, farbige Kreuzesdarstellungen.

Anstelle der Tiffanyarbeiten sind heute vor allem Schalen oder Glasformen aus Echtantikglas, Artistaglas oder Bullsayglas gefragt. Bei diesen Fusingarbeiten werden Einzelstücke bei verschiedenen Hitzegraden, je nach Glasdicke, geschmolzen und fantasievoll zusammengesetzt. „Ich arbeite nach besonderen Kundenwünschen, nach deren Zeichnungen oder Abbildungen oder nach anderen Vorlagen und eigenen Ideen, denen auch ein kunstvolles Feuerwehrfenster entstammt“, sagt der 70-Jährige. „Wenn etwas im Brennofen ist, wird es spannend. Gelingt das Werk oder entstehen nur Stücke? Hier muss man besonders darauf achten, dass die Glassorten kompatibel sind. Also ist auch Materialkenntnis ein wichtiger Punkt.“

In der Werkstatt fallen besondere Materialien und Werkzeuge auf: Glas in verschiedenen Stärken mit Glasschneider, Kröselsauger, Malspachtel, ein großes Pinselsortiment, Lötzinn und Lötkolben, Bleiruten in unterschiedlichen Breiten und natürlich spezielle Glasmalfarben in allen möglichen Variationen. Ob Hans Kaiser in Zukunft noch etwas Besonderes vorhat? „Vielleicht mache ich in den nächsten Jahren nochmals eine Ausstellung“, erwägt der Kelberger, zu dessen Tätigkeiten auch die Scherbenmalerei zählt. Dabei malt er Figuren und Porträts auf Glasreste, jedoch nur uni, in dunklen Farben. Und er hat noch ein zweites Hobby. „Ich bin begeisterter Läufer und nutze jede Gelegenheit solo oder bei einer Veranstaltung, um mich zu bewegen“, erklärt er.

Von unserem Mitarbeiter Bernd Schlimpen