Archivierter Artikel vom 23.01.2022, 18:27 Uhr
Büchel

In Büchel den UN-Verbotsvertrag gefeiert: Aktivisten fordern Ende des „Nuklearschirms“

Zum ersten Jahrestag des UN-Atomwaffenverbotsvertrages, der am 22. Januar 2021 nach der Ratifizierung durch den 50. Staat völkerrechtlich in Kraft getreten ist, haben Friedensorganisationen bundesweit dies gefeiert, gleichzeitig aber auch die Bundesregierung aufgefordert, nun endlich auch diesen Vertrag zu unterzeichnen. Eine Aktion gab es auch in Büchel am Fliegerhorst.

Von Dieter Junker
In Büchel feiert die Friedensbewegung das einjährige Bestehen des Atomwaffenverbotsvertrages der Vereinten Nationen und fordert die Bundesregierung auf, diesen ebenfalls zu unterzeichnen.
In Büchel feiert die Friedensbewegung das einjährige Bestehen des Atomwaffenverbotsvertrages der Vereinten Nationen und fordert die Bundesregierung auf, diesen ebenfalls zu unterzeichnen.
Foto: Dieter Junker

„Das hier ist heute ein kleines Fest, hat doch vor genau einem Jahr der Atomwaffenverbotsvertrag Gültigkeit erhalten. Aber es ist auch ein Mahnen, weil Deutschland weiterhin außen vor und dem Vertrag nicht beigetreten ist“, meinte Dr. Hildegard Slabik-Münter (Daun) bei der kleinen Kundgebung am Haupttor. Die Ärztin ist eine der Sprecherinnen der bundesweiten Kampagne „atomwaffenfrei.jetzt“.

Es sei ein wichtiges und auch erfreuliches Signal, dass die neue Bundesregierung in ihrer Koalitionsvereinbarung angekündigt habe, dass Deutschland an der Staatenkonferenz zum Atomwaffenverbotsvertrag in Wien mit Beobachterstatus teilnehmen wolle. „Doch gleichzeitig kündigt die Bundesregierung auch an, die Flugzeuge, die die hier in Büchel gelagerten Atomwaffen tragen sollen, zu modernisieren. Wie passt das zusammen?“, fragte sie und forderte die Bundesregierung auf, auf neue Trägerflugzeuge zu verzichten.

59 Staaten haben Verbotsvertrag mittlerweile ratifiziert

Einige von ihnen, wie Österreich, Kasachstan, Kiribati oder Samoa, wurden in Büchel vorgestellt. „Viele Staaten können das, warum nicht auch Deutschland?“, fragte Hildegard Slabik-Münter in Büchel unter dem Beifall der Anwesenden. Eingeladen zu der Aktion hatten die Regionalgruppe Cochem-Zell des Internationalen Versöhnungsbundes, die „Ärzte gegen den Atomkrieg“ (IPPNW) und die Friedensgruppe Daun.

Überall in Deutschland gab es ähnliche Aktionen, unter anderem auch vor dem Kanzleramt und dem Deutschen Bundestag in Berlin. Die Umweltorganisation Greenpeace projizierte dabei die Forderung nach einer atomwaffenfreien Welt auf das Reichstagsgebäude. Der Geschäftsführende Bundesvorstand Horst-Peter Rauguth, über Jahre hinweg auch geistlicher Beirat von pax christi im Bistum Trier, und pax christi-Generalsekretärin Christine Hoffmann beteiligten sich an der Aktion „Don’t Want Your Nuclear Umbrella (Bye-bye nuklearer „Schirm“!)“ in Berlin.

Gefahr eines Atomkriegs so hoch wie nie

„Obwohl die Atomkriegsuhr aktuell auf 100 Sekunden vor 12 steht, und damit Atomwissenschaftler die Gefahr eines Atomkrieges so hoch wie lange nicht einschätzen, wird die Mär vom atomaren Schutzschirm, dank dessen wir bisher sicher gelebt haben, allerorten aufrechterhalten“, so Rauguth. Während des Kalten Krieges hätten Regierungen den Selbstschutz der Bürger beim Atomangriff des Gegners mit absurden und nutzlosen Ratschlägen propagiert: Aktentaschen auf dem Kopf, Möbel vor der Tür.

Und auch der heute immer noch propagierte „Atomschirm“ sei keiner, sondern in Wahrheit ein Damoklesschwert, kommentiert er. Und Christine Hoffmann betont: „Der nukleare Schirm der NATO bietet keinen Schutz. Im Gegenteil, er macht uns zum Ziel und birgt Risiken eines Atomwaffeneinsatzes. Wir fordern den Abzug der Atomwaffen aus Deutschland als ersten Schritt zur Vorbereitung auf einen deutschen Beitritt zum Atomwaffenverbotsvertrag.“