Archivierter Artikel vom 13.05.2016, 16:36 Uhr
Sosberg

Feuer zerstört Haus in Sosberg: Hilfsbereitschaft hält an

Familie Gerlach steht vor den Trümmern ihres Hauses. Ein Bagger ist mit schwerem Gerät angerückt und gerade dabei, das oberste Stockwerk, in dem Tochter Anja (26) und Enkelin Ella (4) wohnten, abzureißen. Es ist nicht mehr zu retten. Irgendwo unter dem Schutt befindet sich Ellas Lieblingsteddy.

Der Beistand aus dem Ort tut gut: Anja, Ella, Reinhard und Sandra Gerlach (von links) nehmen die Spende aus den Händen von Gerhard Kölzer entgegen, dem Vorsitzenden des Schützenvereins Sosberg.  Fotos: Ulrike Platten-Wirtz
Der Beistand aus dem Ort tut gut: Anja, Ella, Reinhard und Sandra Gerlach (von links) nehmen die Spende aus den Händen von Gerhard Kölzer entgegen, dem Vorsitzenden des Schützenvereins Sosberg. Fotos: Ulrike Platten-Wirtz
Foto: upw

Von unserer Mitarbeiterin Ulrike Platten-Wirtz

„Wir haben so gut wie nichts retten können“, erklärt Sandra Gerlach. Vor rund drei Wochen hat die vierköpfige Familie bei einem Hausbrand ihr Hab und Gut verloren. Doch Gerlachs resignieren nicht. Sie schauen nach vorn. Aber: Was bleibt ihnen auch anderes übrig?

Sandra Gerlach hat den Brand als Erste bemerkt. „Ich habe aus dem Fenster geschaut und Rauch gesehen“, erklärt sie. Erst als sie nach draußen geht, um nachzuschauen, wo der Rauch herkommt, realisiert sie, dass es ihr eigenes Haus ist, das brennt. „Da stand der Dachstuhl schon lichterloh in Flammen.“ Sofort hat Sandra Gerlach ihren Mann sowie Tochter und Enkelin alarmiert.

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„Meine kleine Tochter hat schon geschlafen“, sagt Anja Gerlach. „Ich habe das Kind aus dem Bett geholt, schnell meine Tasche mit den Papieren geschnappt und bin sofort raus aus dem Haus.“ Bei der Nachbarin fanden die 26-Jährige und ihre kleine Tochter Zuflucht. Die Eltern konnten noch die in der Hofeinfahrt geparkten Autos retten. „Das war mein erster Gedanke, sagt Sandra Gerlach. “Denn ohne Auto ist man hier ja aufgeschmissen.„

Bis in die frühen Morgenstunden haben die Gerlachs zusehen müssen, wie ihr Haus Stück für Stück niederbrennt. Zu retten war da erst einmal gar nichts. Weder die nagelneue Waschmaschine, noch die Aquarien mit den Zierfischen. Erst am Tag danach, als der Brand komplett gelöscht war, konnte Reinhard Gerlach noch ein paar Kleinigkeiten aus dem Haus herausholen. Ein bisschen Wäsche und ein paar Bilder. “Wir hatten ja gar nichts mehr. Keine Kleider. Nichts„, sagt er.

Beim Brand eines Dachstuhls im Hunsrückdorf Sosberg ist ein älteres Bauernhaus total beschädigt worden.

Karl Heinz Simon

Beim Brand eines Dachstuhls im Hunsrückdorf Sosberg ist ein älteres Bauernhaus total beschädigt worden.

Karl Heinz Simon, BM VG Zell

Beim Brand eines Dachstuhls im Hunsrückdorf Sosberg ist ein älteres Bauernhaus total beschädigt worden.

Karl Heinz Simon, BM VG Zell

Beim Brand eines Dachstuhls im Hunsrückdorf Sosberg ist ein älteres Bauernhaus total beschädigt worden.

Karl Heinz Simon, BM VG Zell

Beim Brand eines Dachstuhls im Hunsrückdorf Sosberg ist ein älteres Bauernhaus total beschädigt worden.

Karl Heinz Simon, BM VG Zell

Beim Brand eines Dachstuhls im Hunsrückdorf Sosberg ist ein älteres Bauernhaus total beschädigt worden.

Karl Heinz Simon, BM VG Zell

Beim Brand eines Dachstuhls im Hunsrückdorf Sosberg ist ein älteres Bauernhaus total beschädigt worden.

Karl Heinz Simon, BM VG Zell

Beim Brand eines Dachstuhls im Hunsrückdorf Sosberg ist ein älteres Bauernhaus total beschädigt worden.

Karl Heinz Simon, BM VG Zell

Beim Brand eines Dachstuhls im Hunsrückdorf Sosberg ist ein älteres Bauernhaus total beschädigt worden.

Karl Heinz Simon, BM VG Zell

Beim Brand eines Dachstuhls im Hunsrückdorf Sosberg ist ein älteres Bauernhaus total beschädigt worden.

Karl Heinz Simon, BM VG Zell

Beim Brand eines Dachstuhls im Hunsrückdorf Sosberg ist ein älteres Bauernhaus total beschädigt worden.

Karl Heinz Simon, BM VG Zell

Von der Hilfsbereitschaft der Sosberger sind die Gerlachs überwältigt. Für Ortsbürgermeister Willi Lehnert war es selbstverständlich, sofort einen Spendenaufruf zu starten. “Die Leute haben hier wirklich toll mitgeholfen„, sagt Lehnert. Der Ortschef sprach auch bei der Firma Globus in Zell vor, die mit einer großzügigen Sachspende half. Kleidung und Spielsachen kamen aus der Bevölkerung. “Für Ella ist seit drei Wochen Weihnachten„, sagt Anja Gerlach. Ihre Tochter hat von dem eigentlichen Brand zum Glück nicht all zu viel mitbekommen. “Die Kleine lag mit Fieber im Bett und hat das gar nicht so realisiert.„

Alles in Schutt und Asche: Bis auf die Mauern im Erdgeschoss musste das Haus der Familie Gerlach komplett abgerissen werden.
Alles in Schutt und Asche: Bis auf die Mauern im Erdgeschoss musste das Haus der Familie Gerlach komplett abgerissen werden.
Foto: upw

Zurzeit wohnen die Gerlachs in der Ferienwohnung von Simona Göbenich. Noch in der Brandnacht hat die Sosbergerin der Familie die leer stehende Wohnung angeboten und sie ihr zum Sonderpreis überlassen. Die Miete zahlt die Versicherung. Wie es allerdings weitergeht, wissen die Gerlachs noch nicht. Die Sachverständigen ermitteln noch. Die Brandursache ist noch nicht geklärt. “Solange wir nicht wissen, wie viel Geld wir von der Versicherung bekommen, können wir nichts planen„, sagt der Familienvater. Am schlimmsten findet Anja Gerlach, dass die Brandursache noch nicht geklärt ist. “Ich will unbedingt wissen, wieso es bei uns gebrannt hat„, erklärt sie. Die junge Frau bewirbt sich gerade um einen neuen Job in der Gastronomie. Am kommenden Dienstag soll das Vorstellungsgespräch sein. “Meine Unterlagen sind alle verbrannt. Ich hoffe, das klappt jetzt auch so„, sagt sie.

Für die Gerlachs heißt es also erst einmal abwarten. Wie es weitergeht, hängt davon ab, was die Experten sagen. Klar ist aber, dass die Familie weiterhin zusammen wohnen will. Mehrgenerationenwohnen war schon immer vor allem Anjas Traum. Außerdem wünscht die Familie sich wieder einen Nutzgarten. Vor 16 Jahren sind die Gerlachs aus dem Hessischen in den Hunsrück gezogen. Hauptsächlich der Natur wegen. “Unser Traum war es, uns selbst zu versorgen„, sagt Reinhard Gerlach. Mit einem Nutzgarten, zahlreichen Obstbäumen und einer kleinen Nutztierhaltung war der Anfang bereits gemacht. “Jetzt müssen wir ganz neu anfangen.„

Nach und nach holt der Alltag die Familie wieder ein. Dankbar sind Gerlachs über die vielen Spenden. “Wir wissen gar nicht, wie wir den Leuten danken sollen. Das können wir niemals wiedergutmachen", klingt es unisono. Die Arbeitskollegen des Familienvaters haben gesammelt und beim Schützenfest wurde eine Spendendose aufgestellt. Gerhard Kölzer, Vorsitzender des Sosberger Schützenvereins, überreicht der Familie eine Geldspende von 350 Euro.

Am Brandort hat der Abrissbagger inzwischen ganze Arbeit geleistet. Bis auf die Grundmauern des Erdgeschosses ist das Haus komplett abgerissen. Im Schutt will Anja Gerlach aber später noch einmal nach Ellas Kuscheltieren suchen. Vielleicht hat der Lieblingsteddy die Tragödie ja doch überlebt, und Ella kann das Spielzeug nach einem intensiven Waschgang wieder in die Arme schließen. Sie wäre glücklich.

Brandursache: Kripo geht von technischem Defekt aus

Was die Ursache des Brandes angeht, der am 23. April im Haus der Sosberger Familie Gerlach ausbrach, geht die Kriminalpolizei (Kripo) Wittlich von einem technischen Defekt aus. Das teilte sie auf RZ-Nachfrage mit. Ein erster Verdacht, wonach eine Zuleitung zu einem Kamin das Feuer ausgelöst haben könnte, habe sich allerdings nicht bestätigt. In dem Raum, wo der Brandherd lag, hätten sich aber noch mehrere elektronische Geräte befunden. Nun versuchen Gutachter herauszubekommen, ob das Feuer möglicherweise auf eine Fehlfunktion eines dieser Geräte zurückzuführen ist. dad