Archivierter Artikel vom 05.04.2022, 10:26 Uhr
Wissen

Wissener Bürgermeister Neuhoff: Land lässt uns bei Kindern aus der Ukraine im Stich

Mit Blick auf die Unterbringung von Flüchtlingskindern in heimischen Kindertagesstätten hat Bürgermeister Berno Neuhoff das Land scharf kritisiert. „Bisher konnte kein einziges Kind im Wisserland in einer Kita aufgenommen werden, weil einfach kein Platz ist und Personal fehlt", so der CDU-Politiker nach vorab verbreiteter Pressemitteilung in der Sitzung des Verbandsgemeinderates am Montagabend in Wissen.

Von Thomas Hoffmann
Berno Neuhoff  Archivfoto: RZ
Berno Neuhoff Archiv
Foto: RZ

Jede Woche würden Erzieherinnen kündigen und es würden neue eingestellt. "Es herrscht Not und Fachkräftemangel.“ Dabei erwarteten die Menschen Hilfe und eine Lösung.

Neuhoff berichtete, dass er am 23. März dazu das Landesamt für Jugend und Soziales angeschrieben, bislang aber noch keine Antwort erhalten habe. „Für mich ist das nicht nachvollziehbar und zeigt, wie wir uns in diesem Land in Sachen Kitas nur noch verwalten mit einer völlig überbordenden Bürokratie“, so der Rathauschef weiter. Schlagworte, die er hier anführte, waren Personalschlüssel, Warteliste und Betriebserlaubnis.

In der VG erfülle keine Einrichtung die Voraussetzungen des Landes. „Diese bürokratischen Regelungen in Rheinland-Pfalz müssen in der größten Krise Europas außer Kraft gesetzt werden oder andere pragmatische Lösungen geschaffen werden“, fordert Neuhoff.

Stattdessen werde man mit dem lapidaren Hinweis abgespeist, Tagesgruppen einzurichten oder langwierige Betriebserlaubnisse zu beantragen. „Ist das die Lösung oder eine Willkommenskultur, die auch Integration ermöglicht?“, fragt der Bürgermeister skeptisch.

Neuhoff kündigte dem Rat an, pragmatische Lösungen finden zu wollen, um ukrainische Flüchtlingskinder zu unterstützen. Drei Möglichkeiten führte er hierbei ins Feld: leer stehende Ladenlokale in der Stadt Wissen anzumieten, Container aufzustellen oder Räumlichkeiten im ehemaligen Christlichen Jugenddorfwerk (CJD) anzumieten. Auch plant der Bürgermeister. Hilfspersonal einstellen – eine Mutter aus der Ukraine und Personal, das sich mit Kindern auskennt.

Das Gremium folgte einstimmig Neuhoffs Bitte, ihm die Ermächtigung zu geben, temporäre Lösungen Jahr zu schaffen, um diesen Notstand zu beseitigen. „Außerdem erwarte ich, dass hierfür von den 20 Millionen Euro des Landes Mittel nach Wissen fließen“, so der Bürgermeister. „Man soll uns bitte machen lassen und nicht weiter bei unserer Arbeit behindern“, so sein eindringlicher Appell in Richtung Mainz.