Archivierter Artikel vom 11.04.2022, 11:54 Uhr
Weyerbusch/Kircheib

„Was weg ist, ist weg“: Bürgerinitiative sieht bei möglicher B-8-Umgehung kostbare Landschaft in Gefahr

Eine Verwirklichung der Pläne für Ortsumgehungen der B 8 zwischen Altenkirchen und der NRW-Landesgrenze würde aus Sicht der Naturschutzinitiative (NI) „nicht ausgleichbare Biotope und damit Lebensräume schutzbedürftiger Arten zerstören“. Das teilt die Bürgerinitiative (BI) gegen Ortsumgehungen B 8 mit.

Laut des Experten bestehen entlang der B 8 vielseitige und intakte Kulturlandschaften wie hier in Kircheib.
Laut des Experten bestehen entlang der B 8 vielseitige und intakte Kulturlandschaften wie hier in Kircheib.
Foto: Immo Vollmer

Diese Sichtweise hat der Naturschutzreferent des unabhängigen Verbandes Mitgliedern der BI in einer Informationsveranstaltung im Gasthof zur Post in Weyerbusch erläutert.

Am Beispiel des Landschaftsraumes um Kircheib erläuterte er Aspekte und Strategien zu Beobachtung und Schutz von Flora und Fauna, um exemplarisch genauer zu verstehen, was entlang der B 8 auf dem Spiel steht, wenn die im Bundesverkehrswegeplan ausgewiesenen Projekte umgesetzt würden.

Marein Osten-Sacken begrüßte die Anwesenden für die BI und stellte die Arbeitsgruppe (AG) Ökologie vor, die sich neben den AGs Agrar, Mobilität, Politik und Wirtschaft innerhalb der Initiative gegründet haben. Ein Baustein ihrer Arbeit ist die wache und kritische Begleitung der laufenden Flora-Fauna-Untersuchungen des LBM entlang der B 8.

Experte warnt vor Ortsumgehung

Alle von Umgehungsplänen betroffenen Orte – Kircheib, Hasselbach, Werkhausen, Weyerbusch, Marenbach, Birnbach und Helmenzen – waren vertreten, das Interesse an den naturschutzfachlichen Themen erwies sich als groß. „Natur ist scheinbar einfach Umgebung oder Bestandteil des Alltagslebens, bleibt aber dennoch ein unbekanntes, geheimnisvolles und in vieler Hinsicht nur Fachleuten zugängliches Wesen“, so Marein Osten-Sacken, die damit auf die Schwierigkeit der Bewertung von Eingriffen seitens der Bürger abhebt. Bedrückend deutlich zeige sich am Beispiel von Kircheib, dass der Schutz eines in vieler Hinsicht einmaligen, kostbaren und schützenswerten Landschaftsraumes zur Disposition steht.

Immo Vollmer, ein seit Jahrzehnten engagierter und ortskundiger Spezialist für Natur- und Artenschutz, bezeichnete die Ortsumgehungen in jeder Variante als „fragwürdige und abzuweisende Projekte, da in den beplanten Räumen noch intakte Natur in einer vielseitigen Kulturlandschaft existiert“. Die bestehenden engen ökologischen Vernetzungen in meist nur kleinräumigen Landschaften ließen an keiner der vorgesehenen Stellen verträglichen Straßenbau zu. Im Raum um Kircheib zeige sich in besonderer Weise, dass beide möglichen Varianten einer Umgehung europäischen Anforderungen des Biotopschutzes zuwiderlaufen würden. „Die Planung um Kircheib wird schon allein am gesetzlich verankerten europäischen Gebietsschutz scheitern“, ist Biologe Vollmer überzeugt.

Marein Osten-Sacken und Immo Vollmer kritisierten auch die Beliebigkeit, mit der nach wie vor Flächen in Anspruch genommen werden, welche für die Leistungsfähigkeit der Natur entscheidend sind. „Nur ausreichend große und intakte Habitate sichern das Überleben der Arten. Maßnahmen zum Umwelt- und Klimaschutz helfen nicht, wenn hinsichtlich Fläche und Qualität keine ausreichenden Lebensräume mehr bestehen. Was weg ist, ist weg“, so Immo Vollmer.

Und: „Eine ausgestorbene Art kommt nicht wieder.“ Der geplante Straßenneubau angesichts nicht weiter staugefährdeter Streckenabschnitte gehört nach den Worten von Immo Vollmer zu den derzeit unsinnigsten Bauvorhaben, da bei keinem der drei Umgehungsvorhaben eine auch nur annähernd vernünftige Relation zwischen Eingriff und Nutzen besteht.

Biologe kritisiert Behörden und Verantwortliche des Projekts

Die Ergebnisse der bereits vom Landesbetrieb Mobilität (LBM) erstellten „Faunistischen Planungsraumanalysen“ wurden von Vollmer als ungenügend verworfen. Er nannte Beispiele von zahlreichen Arten und Artengruppen, die laut den Analysen nicht vorkommen dürften, sich aber sehr wohl vor Ort finden. Dabei kritisiert der Biologe auch eine oberflächliche Grundlagenrecherche: „Die wichtigsten Dokumente, die zudem leicht im Internet oder bei Nachfragen bei den lokalen Behörden und Verbänden verfügbar gewesen wären, wurden nicht ausgewertet.“

Vollmer informierte die Anwesenden über mannigfaltige faunistisch relevante Details, sodass die BI künftig selbst Daten und Fakten sammeln kann. Da konkrete faunistische wie auch weitere naturschutzfachliche Untersuchungen des LBM derzeit laufen, ist es von großem Interesse, deren Ergebnisse mit eigenen Beobachtungen und Feststellungen abzugleichen und gegebenenfalls zu ergänzen.

Darüber hinaus sind alle Interessierten eingeladen, beim Spazierengehen, Wandern oder Joggen Tiere und Pflanzen besonders in den betroffenen Bereichen zu beobachten und interessante Meldungen an die BI oder die NI per E-Mail an info@nob8ou.de oder info@naturschutz-initiative.de weiterzugeben.