Archivierter Artikel vom 20.01.2022, 06:11 Uhr
Kreis Altenkirchen

Vor der Wahl des Bundesvorsitzenden der CDU: Rückenwind für Friedrich Merz aus dem AK-Land

1001 Delegierte der CDU Deutschlands treffen sich am Samstag digital, um Friedrich Merz zum neuen Bundesvorsitzenden zu wählen. Die Wahl von Friedrich Merz als Nachfolger von Armin Laschet gilt als sicher, nachdem die Partei zuvor erstmals die Mitglieder an der Entscheidung beteiligt. Doch was verspricht sich die CDU von dem Wechsel an der Spitze? Schafft es Merz, die Partei nach der Schlappe bei der Bundestagswahl wieder stark zu machen? Wir haben uns bei heimischen Christdemokraten umgehört.

Von Markus Kratzer

Am Samstag wird Friedrich Merz wieder zurück sein auf der ganz großen politischen Bühne. Seine Wahl zum CDU-Bundesvorsitzenden gilt nach der Mitgliederbefragung bei den Christdemokraten als Formsache. Auch CDU-Politiker aus dem Kreis Altenkirchen setzen große Erwartungen in den Sauerländer, wie eine Umfrage unserer Zeitung ergab.
Am Samstag wird Friedrich Merz wieder zurück sein auf der ganz großen politischen Bühne. Seine Wahl zum CDU-Bundesvorsitzenden gilt nach der Mitgliederbefragung bei den Christdemokraten als Formsache. Auch CDU-Politiker aus dem Kreis Altenkirchen setzen große Erwartungen in den Sauerländer, wie eine Umfrage unserer Zeitung ergab.
Foto: picture alliance/dpa
CDU-Kreisvorsitzender Michael Wäschenbach

Für den Landtagsabgeordneten und CDU-Kreisvorsitzenden Michael Wäschenbach steht der designierte Parteichef ganz klar für den von vielen Mitgliedern ersehnten Aufschwung. „Friedrich Merz ist ein Politiker mit Ecken und Kanten, aber und vor allem mit einer klaren, erkennbaren Linie. Um einen wirklichen Aufbruch zu schaffen, müssen wir unser Profil schärfen“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung.

Die CDU müsse ihre traditionellen Werte und Stärken wie die Gewährleistung der inneren Sicherheit, eine auf einem christlichen Wertebild errichtete Sozialpolitik und die Schaffung und Sicherung des Wohlstandes aller in Deutschland lebenden Menschen durch eine innovative und umweltverträgliche Wirtschaftspolitik verkörpern, führt Wäschenbach aus.

Der Mainzer Parlamentarier ist auch davon überzeugt, dass die CDU mit ihrem neuen Chef Wähler zurückgewinnen kann. „Merz polarisiert zwar, hat aber auch gezeigt, dass er Leute mobilisieren kann. Und das nicht nur innerparteilich. Es ist gut, dass wir in Zukunft auch mal keine Kompromisse mit anderen Parteien eingehen müssen, wie in den 16 Jahren Regierungszeit“, argumentiert er weiter.

Eher zurückhaltend reagiert Wäschenbach auf die Frage, ob die Konstellation aus Parteichef Merz und CDU-Fraktionsvorsitzendem Ralph Brinkhaus funktionieren wird. „Ich hoffe, dass die beiden einen Weg finden, um vertrauensvoll und gemeinsam an unserem Ziel, auf absehbare Zeit wieder die Geschicke dieser Republik zum Wohle aller zu lenken, zu arbeiten.“ Zwei Wünsche hat der Wallmenrother an den designierten Bundesvorsitzenden: „Dass er unsere Basis neu motiviert und auch die jungen Menschen in unserer Gesellschaft anspricht – und dass er bald in den Kreis Altenkirchen kommt. Eine Einladung hat er schon.“

CDU-Landtagsabgeordnete Matthias Reuber

Auch der Landtagsabgeordnete Matthias Reuber setzt große Hoffnungen in einen neuen Vorsitzenden Merz. „Er steht für den von vielen CDU-Mitgliedern und auch von mir ersehnten Aufbruch“, so der 29-Jährige. Sein sehr gutes Wahlergebnis bei einer hohen Wahlbeteiligung bestätigten dies.

Um Wähler zurückzugewinnen, ist es für Reuber unerlässlich, dass die CDU in einem starken Team auftritt, das die gesamte Breite der Volkspartei und der Gesellschaft abbilde. „Wenn ich mir die bisherigen Kandidaturen für den Bundesvorstand anschaue, bin ich sehr optimistisch, dass dies gelingen wird“, so Reuber. Der CDU-Politiker aus Birken-Honigsessen, der im vergangenem Jahr erstmals in den Landtag eingezogen ist, würde es favorisieren, wenn Friedrich Merz nicht nur den Partei-, sondern auch den Fraktionsvorsitz übernimmt.

„Ich wünsche mir, dass Friedrich Merz gemeinsam mit seinem Team dafür sorgt, dass die CDU in politischen Debatten wieder ein klares Profil entwickelt. Dazu gehört es auch, dass Unterschiede zur Ampel deutlich gemacht werden und eigene inhaltliche Schwerpunkte und Ideen zur Gestaltung der Zukunft unseres Landes in den Fokus gestellt werden“, formuliert Reuber seine Erwartungshaltung an den Sauerländer.

Justus Brühl, Vorsitzender der Jungen Union im AK-Land

„Er ist ein Mann klarer Worte. Und das ist gerade wichtig, damit die Menschen wieder wissen, wofür die CDU überhaupt steht.“ So charakterisiert Justus Brühl, Vorsitzender der Jungen Union im AK-Land, den neuen Parteichef. „Merz wird meines Erachtens von beiden Seiten verkannt. Er ist weder der rückwärtsgewandte Knochen, wie es seine Gegner oft meinen, noch der Heilsbringer, der endlich mit der Merkel-CDU aufräumt, wie sich viele konservative Unterstützer erhoffen“, fährt er fort.

Merz sei viel pragmatischer und moderater, als man oft denke. Er zeige gerade auch, dass er auf Leute aus allen Parteiflügeln setze. „Es muss nicht alles neu sein. Einigkeit und Klarheit sind der Schlüssel zum Aufbruch“, so Brühl.

Der Scheuerfelder ist davon überzeugt, dass die CDU mit Friedrich Merz wieder eine echte Alternative zur „schläfrigen Scholz-Ampel“ werden kann, wenn man sachlich, ehrlich und klar den Finger in die Wunde lege und eigene Lösungen präsentiere. Zumal sich für ihn in der Berliner Ampel bei den Themen Impfpflicht, Umgang mit russischen Provokationen und Klimapolitik erste Risse zeigen.

Wie Reuber plädiert auch Brühl dafür, Fraktion und Partei in eine Hand zu legen, auch wenn die CDU auch personell ein breites Profil zeigen müsse. „Ich hoffe aber, dass man aus dem vergangenen Jahr gelernt hat und sich zusammenrauft, egal wer Fraktionsvorsitzender wird“, führt er aus. Sein Wunsch an Merz? „Dass er sachlich, aber hart bleibt. Dass er weiterhin dafür steht, dass jeder Euro, den der Staat ausgibt, erst mal von fleißigen Menschen erwirtschaftet werden muss und unser Wohlstand im globalen Wettbewerb mit China & Co. schon lange keine Selbstverständlichkeit mehr ist.“

Drei Delegierte aus dem Kreis sind digital dabei

Zu den 1001 Delegierten, die am Samstag digital einen neuen CDU-Bundesvorsitzenden sowie einen neuen Bundesvorstand wählen, gehören auch drei Vertreter aus dem Kreis Altenkirchen: Der Landtagsabgeordnete und CDU-Kreischef Michael Wäschenbach ist ebenso stimmberechtigt wie Josef Rosenbauer, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Kreistag, sowie die Vorsitzende der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) Rheinland-Pfalz, Jessica Weller. kra