Archivierter Artikel vom 27.07.2021, 06:11 Uhr
Weitefeld/Insul

Von schlimmen Bildern, aber auch schönen Momenten der Solidarität: Feuerwehrmann berichtet vom Einsatz an der Ahr

Die Fluten haben sich zurückgezogen, doch erst jetzt wird das unvorstellbare Ausmaß der Zerstörung ersichtlich, die die Hochwasser-Katastrophe in den Städten und Dörfern entlang der Ahr angerichtet hat. Auch die zahlreichen Helfer aus dem AK-Land werden vor Ort mit den entsetzlichen Bildern und Schicksalen konfrontiert. Ein Feuerwehrmann aus Weitefeld, der namentlich nicht genannt werden möchte, schildert eindringlich seine Eindrücke vom Einsatz in der Unglücksregion.

Von Daniel Weber

Nach der Flutkatastrophe an der Ahr waren und sind zahlreiche Helfern aus dem AK-Land vor Ort im Einsatz, darunter auch Feuerwehrleute aus der VG 
Daaden-Herdorf. Im kleinen Örtchen Insul wurden sie Augenzeugen vom immensen Ausmaß der Zerstörungen, die die Fluten angerichtet haben.
Nach der Flutkatastrophe an der Ahr waren und sind zahlreiche Helfern aus dem AK-Land vor Ort im Einsatz, darunter auch Feuerwehrleute aus der VG 
Daaden-Herdorf. Im kleinen Örtchen Insul wurden sie Augenzeugen vom immensen Ausmaß der Zerstörungen, die die Fluten angerichtet haben.
Foto: privat

Mehrere Tage lang waren gemischte Einheiten der VG-Feuerwehr Daaden-Herdorf an der Ahr, darunter „mit Mann und Frau“ auch der Löschzug Weitefeld, um in 12-Stunden-Schichten Keller leer zu pumpen. Ihr Einsatzgebiet: Walportsheim, ein Stadtteil von Bad Neuenahr-Ahrweiler, sowie das kleine Dorf Insul, das, wie der direkte Nachbarort Schuld, durch die Flutmassen schwer beschädigt wurde.

Den Feuerwehrmann aus Weitefeld trifft der Anblick bis ins Mark, denn er kennt den Ort durch private Verbindungen sehr gut, hat dort schon häufiger bei einer Ausfahrt für Oldtimer-Motorräder teilgenommen. „Umso mehr trifft es einen, wenn man sieht, was zerstörerische Naturgewalten mit dieser Gegend gemacht haben. Alle Häuser unter Wasser, viele teilzerstört und unbewohnbar, einige auch ganz weg, total zerstört oder einfach mit Bodenplatte weggeschwommen“, sagt er fassungslos.

Dabei ist er als Feuerwehrmann hochwassererprobt, war schon 2002 im Einsatz, als Teile Ostdeutschlands in den Fluten versanken. „Bitterfeld damals war schon schlimm“, sagt er, „aber so etwas wie jetzt an der Ahr habe ich in 36 Jahren Feuerwehrdienst noch nicht gesehen.“ Die enorme Kraft der Wassermassen habe ganze Kanalisationen aus dem Boden gerissen. „In Insul und Schuld gibt es in weiten Teilen nichts mehr zu reparieren, da wurde das Unterste nach oben gekehrt.“

Aufnahmen, die der Feuerwehrmann vor Ort gemacht hat, zeigen eine von den Wassermassen eingerissene Brücke, einen komplett verwüsteten Dorfplatz. „Sie geben aber nur einen Bruchteil von dem wieder, wie es dort aussieht“, sagt er. Auf einem Foto, das vor zwei Jahren bei einem Motorradtreffen in Insul geschossen wurde, sieht man im Hintergrund ein Haus – auf einem anderen Foto dasselbe Gebäude heute: völlig zerstört und abbruchreif.

Doch ist sind nicht nur solche Bilder, mit denen die Einsatzkräfte konfrontiert werden. So mancher Einwohner schildert ihnen auch konkret seine Erlebnisse aus der Horrornacht, als das Wasser schier unaufhörlich stieg, weiter und immer weiter. „Einem Mann hat das Wasser bis an die Dachrinne seines Einfamilienhaus gestanden. In Todesangst hat er sich auf das Dach gerettet und dort drei Stunden ausgeharrt, bis das Wasser gesunken ist und er wieder ins Haus klettern konnte.

Nach der Flutkatastrophe an der Ahr waren und sind zahlreiche Helfern aus dem AK-Land vor Ort im Einsatz, darunter auch Feuerwehrleute aus der VG 
Daaden-Herdorf. Im kleinen Örtchen Insul wurden sie Augenzeugen vom immensen Ausmaß der Zerstörungen, die die Fluten angerichtet haben.

privat

Nach der Flutkatastrophe an der Ahr waren und sind zahlreiche Helfern aus dem AK-Land vor Ort im Einsatz, darunter auch Feuerwehrleute aus der VG 
Daaden-Herdorf. Im kleinen Örtchen Insul wurden sie Augenzeugen vom immensen Ausmaß der Zerstörungen, die die Fluten angerichtet haben.

privat

Nach der Flutkatastrophe an der Ahr waren und sind zahlreiche Helfern aus dem AK-Land vor Ort im Einsatz, darunter auch Feuerwehrleute aus der VG 
Daaden-Herdorf. Im kleinen Örtchen Insul wurden sie Augenzeugen vom immensen Ausmaß der Zerstörungen, die die Fluten angerichtet haben.

privat

Nach der Flutkatastrophe an der Ahr waren und sind zahlreiche Helfern aus dem AK-Land vor Ort im Einsatz, darunter auch Feuerwehrleute aus der VG 
Daaden-Herdorf. Im kleinen Örtchen Insul wurden sie Augenzeugen vom immensen Ausmaß der Zerstörungen, die die Fluten angerichtet haben.

privat

Während des bangen Wartens haben immer wieder Bäume und anderes Treibgut dumpf gegen das Haus geschlagen. Er musste immer Angst haben, dass sein Haus dadurch unter ihm zusammenbricht“, erzählt der Feuerwehrmann. Was ihn besonders bewegt hat, war die Dankbarkeit der Betroffenen gegenüber den Helfern: „Die Menschen waren froh über unsere Hilfe, sei es beim Auspumpen der Keller oder einfach nur, ihnen im Gespräch zuzuhören. Am Ortsrand von Insul haben Kinder uns mit Salaten und Süßigkeiten begrüßt, die sie vor den Fluten retten konnten. Ein Hotelbesitzer stellte sich in seinem zerstörten Haus an den Gaskocher, um den Helfern eine Suppe zu kochen. Diese Gesten zeugen von der großen Dankbarkeit der Opfer.“

Auf der anderen Seite steht die ebenso riesigen Hilfsbereitschaft aus der Bevölkerung, die weit über die immense Zahl an Kleiderspenden hinausgeht. „Ein Hausbesitzer berichtete, dass jeden Tag mindestens 20 wildfremde Personen ihm geholfen haben, sein Haus zu entkernen. Eine Frau ist sogar aus Rostock sei mit ihrer kleinen Tauchpumpe gekommen.“

Dass derart hochemotionale Gespräche nicht spurlos an den Helfern vorübergehen, versteht sich von selbst. Selbst erfahrene Feuerwehrleute, vor allem aber jüngere Rettungskräfte hätten in diesen Tagen so manches erlebt, das in nächster Zeit erst einmal verarbeitet werden muss. „Das war für uns alle schon eine gewaltige Nummer.“

Das Wichtigste: Gemeinsam habe man es geschafft, bei allen Häusern die Keller leer zu pumpen, sagt der Weitefelder Feuerwehrmann. „Ein Geschädigter war erstaunt, welches Equipment wir dabei hatten. Die Kameraden aus Niederdreisbach hatten ihren Spezialnasssauger dabei, die Friedewälder einen speziellen Schwimmkorb zum Absaugen mit der Tragkraftspitze. „Das massive Aufrüsten der vergangenen Jahre in Fahrzeuge und Gerätschaften hat sich an der Ahr bestens bewährt. Hier gilt ein Dank der VG Daaden-Herdorf, die uns bestens ausgerüstet hat, auch wenn nach oben Luft immer Luft ist.“

Die Gemeinde Insul hat, ebenso wie die Oldtimerfreunde des ansässigen Motoclubs, Spendenkonten eingerichtet. Einen Überblick über Hilfsangebote finden Sie unter www.ku-rz.de/spenden

Weitefelder Hilfe 2002 in Sachsen ist unvergessen

Feuerwehrleute des Löschzugs Weitefeld waren bereits 2002 beim sogenannten „Jahrhunderthochwasser“ in Ostdeutschland als Helfer mit dabei.

Dort hat man die Unterstützung aus dem Westerwald bis heute nicht vergessen. Via Facebook wünschte dieser Tage die Feuerwehr aus dem sächsischen Friedersdorf bei Bitterfeld den Kameraden aus Weitefeld viel Glück: „2002 waren sie bei uns im Einsatz, und nun helfen sie wieder bei einer Hochwasser-Katastrophe. Kommt gesund wieder aus dem Einsatz, Mädels und Jungs der Feuerwehr Weitefeld. daw

Auskunft und Unterstützung für Betroffene der Hochwasserkatastrophe
Infonummer für Angehörige von Vermissten, Hinweise und Fragen: 0800 65 65 65 1
Kostenlose Hotline zur psychosozialen Unterstützung (9 - 17 Uhr): 0800 001 0218
Hinweisportal der Polizei Rheinland-Pfalz: rlp.hinweisportal.de
Die Polizei bittet, den Notruf 112 beziehungsweise 110 nur in dringenden Fällen anrufen.
Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz
Kreis Altenkirchen
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