Archivierter Artikel vom 26.07.2021, 17:18 Uhr
Wissen

Spontanes Benefizkonzert: Stadt- und Feuerwehrkapelle Wissen erspielt für die Flutopfer 13.595 Euro

Als Musiker begeisterten sie vor Corona in regelmäßigen Abständen ihr Publikum, die Männer und Frauen der Stadt- und Feuerwehrkapelle Wissen. Aber spätestens seit Sonntag darf man, was das Planen und Organisieren von kurzfristigen Veranstaltungen angeht, auch in dieser Hinsicht getrost sagen: „Das war Spitze!“ In Folge der Flutkatastrophe an der Ahr hatte der musikalische Leiter Christoph Becker spontan die Idee, ein Benefizkonzert zu veranstalten.

Von Thomas Hoffmann

Mehrere Hundert Besucher erlebten am Sonntagmorgen – trotz kurzfristiger Ankündigung – auf dem Kirchvorplatz ein hochwertiges Konzert der Stadt- und Feuerwehrkapelle Wissen zu Gunsten der Flutopfer in der Ahrgemeinde Insul.
Mehrere Hundert Besucher erlebten am Sonntagmorgen – trotz kurzfristiger Ankündigung – auf dem Kirchvorplatz ein hochwertiges Konzert der Stadt- und Feuerwehrkapelle Wissen zu Gunsten der Flutopfer in der Ahrgemeinde Insul.
Foto: Hoffmann

Gesagt. getan: Alle verfügbaren Instrumentalisten erklärten sich trotz coronabedingt weniger Probenvorbereitung bereit, für die gute Sache zu musizieren. Ein voller Erfolg, wie sich am Sonntagmorgen nach der heiligen Messe auf dem Vorplatz der katholischen Kirche Kreuzerhöhung zeigte.

Mehrere Hundert Menschen, unter ihnen die Beigeordneten der Stadt- und Verbandsgemeinde, Wissens Ehrenbürger Ulrich Brucherseifer, der ehemalige Bundestagsabgeordnete Ulrich Schmalz und der Bundestagsabgeordnete Erwin Rüddel, hatten sich eingefunden, um konzertanter Popmusik und den Marschklängen von „Laridah“, „Graf Waldersee“, „Alte Kameraden“ und dem „Geschwindmarsch“ zu lauschen, andererseits aber auch auf diese Weise ihr Mitgefühl und ihre Solidarität mit den Menschen im Katastrophengebiet deutlich zu machen.

„Wir wissen, dass es, während wir hier in den Genuss des Konzertes kommen, auch in unserem Bundesland Menschen gibt, denen gar nicht nach Feiern zumute ist“, brachte Pfarrer Martin Kürten den tieferen Sinn der Veranstaltung zum Ausdruck.

Die Musiker der Stadt- und Feuerwehrkapelle taten derweil das Ihre. Beachtlich hierbei vor allem die Qualität der Darbietungen, von fehlenden Proben jedenfalls war nichts zu spüren. Auch die Auswahl der Stücke traf ein ums andere Mal den Anlass. Während der ABBA-Song „The Way old Friends do“, der mal mit sanftem Piano, mal mit wuchtigem, von Paukenschlägen begleitetem Forte und Fortissimo davon erzählte, dass sich Freunde beistehen müssen, sang Daniela Burbach auf Schwedisch „Gabrielas Song“, ebenfalls ein melancholisches Stück.

„Meine letzte Gesangslehrerin war Schwedin“, sagte die Wissener Sängerin am Rande. Aber wohl nicht nur aufgrund dieser Tatsache war das Publikum, wie beim gesamten Konzert, begeistert, was sich zum einen im starken Applaus, zum anderen aber auch darin äußerte, dass während einzelner Stücke der Takt mitgeklatscht wurde.

Auch die Jugendkapelle zeigte sich von ihrer besten Seite, um die Benefizaktion zu einem vollen Erfolg werden zu lassen. Bei „Celtic Crest“ beispielsweise wurden alte keltische Stammes- und Gemeinschaftsgefühle gekonnt musikalisch umgesetzt. Und Gemeinschaft war auch das, was Dirigent Christoph Becker immer wieder betonte. Angefangen damit, dass er sich bei „seiner“ Gemeinschaft, den Frauen und Männern der Kapelle, bedankte. Über die Wissener Schützen, die tatkräftig bei den Vorbereitungen mitgeholfen hatten bis hin zur Feuerwehr, die schon im Katastrophengebiet Erhebliches geleistet habe, reichte sein weiterer Dank.

Der Wehrführer der Wissener Feuerwehr, David Mussal, schilderte am Rande der Veranstaltung noch einmal den Eindruck, den er und seine Leute beim Eintreffen in Ahrweiler am Mittwoch der vorvergangenen Woche hatten: „Ein wenig Hochwasser waren wir ja gewohnt“, sagte er. „Aber was wir dort sahen, hat uns alle schockiert.“

„Ihr habt alles getan, was ihr tun konntet, tun wir das, was wir können“, hatte Becker zu Beginn des Konzertes gesagt und die Menschen dazu aufgefordert, zu spenden. Diese Bitte stieß auf offene Ohren: Vor, während und auch nach dem Konzert legten zahlreiche Besucher Geldscheine und Briefumschläge in die bereitgestellte Spendenbox. Einige Wissener Geschäfte und Organisationen hatten bereits im Vorfeld gespendet, beispielsweise die Belegschaft der Metzgerei Wickler, das katholische Männerwerk und die katholische Frauengemeinschaft kfd.

Zum Schluss sang Jockel Schmidt „Du bist Zukunft, du bist Optimist“ als Teil des Refrains der Wissener Hymne – begleitet von der gesamten Kapelle gemeinsam mit seinem Hännes-Bandkollegen Christoph Becker. Beide verbanden damit den Wunsch, „dass die Menschen im Katastrophengebiet ihren Optimismus wiedererlangen“.

Den Bewohnern der Gemeinde Insul, einer mit der Stadt- und Feuerwehrkapelle Wissen befreundeten Nachbargemeinde des aus den Nachrichten bekannten und ebenso stark verwüsteten Dorfes Schuld, ist dies zu wünschen. An sie ist die Spende – am Ende kamen sage und schreibe 13.595 Euro zusammen – adressiert. Das Geld soll über den dortigen Bürgermeister und Pfarrer weitergeleitet werden. Die Frauen und Männer der Stadt- und Feuerwehrkapelle Wissen haben eindrucksvoll gezeigt, was gelebte – und in diesem Fall musikalische – Solidarität bedeutet.