Kirchen

Sie rahmen unter anderem den „Schrei“: Kirchener Firma schützt nun Gemälde im norwegischen Munch-Museum

Vor Kurzem hat Norwegen seinem berühmten Maler Edvard Munch ein architektonisches Denkmal gesetzt – die Firma Halbe-Rahmen aus Kirchen war mit dabei.

"Der Schrei" von Edvard Munch.
„Der Schrei“ von Edvard Munch.
Foto: privat

Das neue Munch-Museum thront majestätisch am Oslofjord und präsentiert auf einer Fläche von 4500 Quadratmetern mehr als 400 Werke des Expressionisten. Der Umzug der 42.000 Objekte umfassenden Sammlung wurde verbunden mit der Neurahmung der wertvollen Kunstwerke. Neben gestalterischen Gesichtspunkten spielten der Schutz und die Sicherheit der Bilder eine entscheidende Rolle.

Zusammen mit dem Münchener Spezialisten für zeitgenössische Rahmen Werner Murrer bekam die Firma Halbe den Zuschlag für die Entwicklung eines nicht sichtbaren Innenrahmens, der höchsten konservatorischen Standards entspricht. Ob für das bekannte Gemälde „Der Schrei“ oder „Pubertät“– jeder Rahmen wurde individuell für die Kunstwerke angefertigt.

Das neue Munch-Museum am Hafen – direkt neben der berühmten Osloer Oper – ist fünfmal so groß wie das alte Museum. Dort werden in elf großen Sälen Gemälde, Zeichnungen und Grafiken des norwegischen Künstlers Edvard Munch (1863 – 1944).

Heinrich und David Halbe sind stolz darauf, den Auftrag für das neuen Munch-Museum erhalten zu haben. Sie setzten sich in einer internationalen Ausschreibung gemeinsam mit einem befreundeten Unternehmer durch.
Heinrich und David Halbe sind stolz darauf, den Auftrag für das neuen Munch-Museum erhalten zu haben. Sie setzten sich in einer internationalen Ausschreibung gemeinsam mit einem befreundeten Unternehmer durch.
Foto: privat

Das Museum bewahrt den gesamten Nachlass, der nicht nur aus 26.700 Werken, sondern auch aus Einrichtungsgegenständen, Zetteln mit Gedichten und Kleidungsstücken Munchs besteht, auf. In seiner Eröffnungsrede betonte König Harald: „In der ganzen Welt haben die Menschen eine Beziehung zu Munchs Kunst. In seinen Bildern erkennen wir uns selbst, unsere eigenen Licht- und Schattenseiten.“

Nirgends sonst auf der Welt gibt es eine solche Fülle an Werken eines Künstlers, die vom allerersten Bild noch als Schüler bis zum letzten seine künstlerische Vita lückenlos abbildet. Edvard Munch hat stets für sich die besten Bilder behalten. Anders als zu der Zeit üblich, bevorzugte Edvard Munch keine opulenten Goldrahmen für seine Werke, sondern verwendete gern schlichte schmale Rundstableisten in weiß oder braun gebeizt. Damit seine Bilder von den Kräften der Natur den letzten Feinschliff erhielten, lagerte er sogar seine Werke und Rahmen draußen unter freiem Himmel.

Mit Beginn des Baus des neuen Museums im Jahr 2015 entschied sich das Munch-Museum die bedeutenden Gemälde neu zu rahmen, um sie sicher und geschützt der Welt zu präsentieren – insbesondere vor dem Hintergrund, dass das Museum schon zweimal bei laufendem Betrieb überfallen und wiedergefundene Werke beschädigt wurden.

Die Innenrahmen müssen besondere Funktionen erfüllen.
Die Innenrahmen müssen besondere Funktionen erfüllen.
Foto: Halbe Rahmen

Durch die intensive Auseinandersetzung mit den originalen Rahmen von Munch, bekamen die befreundeten Unternehmen Werner Murrer und Halbe nach einer internationalen Ausschreibung den Zuschlag für die Entwicklung und Anfertigung der neuen Munch-Rahmen.

Beide Familienunternehmen sind Profis ihres Faches: Die Münchener Rahmenwerkstatt Werner Murrer genießt Weltruhm für zeitgenössische Rahmen. Und der Familienbetrieb Halbe mischt in der Weltspitze für moderne hochwertige Magnetrahmen mit, die eine konservatorische Rahmung der Exponate von der Vorderseite ermöglicht. In enger Zusammenarbeit mit dem Museumsteam wurde eine intelligente Rahmenlösung geschaffen.

Die Kernaufgabe von Halbe bestand darin, einen stabilen Innenrahmen zu konzipieren, der das Bild dauerhaft hält und schützt – vor Berührung, schädlichen UV-Strahlen, Staub und Diebstahl. Zudem muss er höchsten konservatorischen Anforderungen entsprechen und eine einfache Handhabung ermöglichen. Keine einfache Aufgabe für die Profis aus dem AK-Land, aber lösbar.

Neben dem hohen Anforderungsprofil war darauf zu achten, dass die Werke nicht mit dem bruchsicheren Acryglas oder den zeitgenössischen Holz-Außenrahmen in Berührung kommen. Es durfte auch kein Holz oder holzartiges Material im Innenrahmen eingesetzt werden, da über die Jahrzehnte eventuell aus dem Holz Harz oder Gerbstoffe austreten könnten, die den wertvollen Bildern dauerhaft schaden.

Das Munch-Museum.
Das Munch-Museum.
Foto: privat

„Da wir Metall-Experten in Verbindung mit Magnet-Lösungen sind, haben wir von Anfang an eine andere Konstruktion des Innenrahmens verfolgt“, sagt David Halbe, Geschäftsführer der Halbe-Rahmen GmbH. „Eigens für das Munch-Museum wurde ein völlig neuartiger unsichtbarer Innenrahmen entwickelt, dem unser Magnetrahmen „Pate“ stand.“ Alle verwendeten Materialien wurden einem speziellen Langzeittest unterzogen, so dass eine sowohl physisch als auch chemisch sichere Rahmung der kostbaren Munch-Werke gewährleistet wird.

Neben der schnellen und sicheren Rahmung ist es für Restauratoren äußerst praktisch, dass der Rahmen auch rückseitig durch eine herausnehmbare Rückwand zugänglich ist. Diese ist transparent und ermöglicht eine grobe optische Kontrolle des Gemälde-Zustandes.

„Egal, ob ein kleines oder großes Kunstwerk von Edvard Munch für die Ausstellung im neuen Museum gerahmt wurde – jeder Rahmen wurde individuell für jedes Bild angefertigt. Leider waren die Originale dafür nicht in unserem Betrieb. Kein Museum lässt einen Rahmenbauer an seine Heiligtümer. Wir haben nur mit den exakten Maßen des Museumsteams gearbeitet und waren einige Male vor Ort“, betont David Halbe. „In der Entwicklungsphase haben wir uns unglaublich in die Tiefe der Materialeigenschaften eingearbeitet. Diese Erkenntnisse sind teilweise bereits in die Serienproduktion unserer Magnetrahmen eingeflossen oder befinden sich gerade in der Umsetzung.“