Archivierter Artikel vom 08.04.2021, 23:59 Uhr
Siegen

Online-Marktplatz aus Siegen: Mit Lozuka lässt sich regional einkaufen

Für das Lieblingsbrot vom Bäcker aus Siegen, die gute Fleischwurst vom Metzger aus Kreuztal oder die frischen Eier vom Hof aus Netphen muss man schon ein paar Kilometer fahren, wenn man nicht direkt nebenan wohnt. Doch es geht auch bequemer: Dank Lozuka – dem Online-Marktplatz aus Siegen.

Landrat Andreas Müller (4. von links) überreicht Patrick Schulte (3. von links), Projektträger „Billiton Internet Services GmbH“, den ersten Regionale-Stern im Verpackungsraum von Lozuka. Links neben Patrick Schulte: Dr. Anke Schüll, Lehrende im Bereich Wirtschaftsinformatik an der Universität Siegen, und Philip Engelbutzeder, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Siegen. Rechts neben Landrat Andreas Müller: Melanie Krämer, Botin von Lozuka, und Mark Büdenbender, Bote von Lozuka.  Foto: Kreisverwaltung
Landrat Andreas Müller (4. von links) überreicht Patrick Schulte (3. von links), Projektträger „Billiton Internet Services GmbH“, den ersten Regionale-Stern im Verpackungsraum von Lozuka. Links neben Patrick Schulte: Dr. Anke Schüll, Lehrende im Bereich Wirtschaftsinformatik an der Universität Siegen, und Philip Engelbutzeder, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Siegen. Rechts neben Landrat Andreas Müller: Melanie Krämer, Botin von Lozuka, und Mark Büdenbender, Bote von Lozuka.
Foto: Kreisverwaltung

Lozuka steht für „Lokal zu Hause kaufen“. Seit vier Jahren kann man auf der Online-Plattform viele regionale Produkte bestellen und nach Hause liefern lassen. „Eine tolle Projektidee“, sagt Landrat Andreas Müller. „Denn regionales Einkaufen muss gefördert werden. Damit schaffen wir einen nachhaltigeren Umgang mit Lebensmitteln. Und genau das versucht Lozuka umzusetzen.“

Lozuka legt den Fokus auf Regionalität der Lebensmittel und Produkte, digitale Vernetzung der Einzelhändler und Reduzierung der Lebensmittelverschwendung. Als Kunden hat die Online-Plattform vor allem Berufstätige im Blick, denen die Zeit zum Einkaufen fehlt, oder ältere Menschen, die besonders jetzt in dieser Pandemie dankbar für solch einen Service sind. Wer von den Lozuka-Boten beliefert werden will, besucht die Website von Lozuka und legt die gewünschten Produkte in den Warenkorb. Dort bieten bereits einige Geschäfte und Direkterzeuger aus der Region ihre Lebensmittel und Produkte an.

In den nächsten drei Jahren soll rund um Lozuka ein nachhaltiger Umgang mit Lebensmitteln erprobt und umgesetzt werden – von der Produktion, über den Verkauf bis zum Verbraucher. Ein fester Bestandteil soll auch das Teilen mit anderen Menschen sein.

„35 Prozent aller Lebensmittel werden weggeschmissen. Dem wollen wir entgegenwirken, indem wir den Menschen hier vor Ort in lokalen Gemeinschaften die Bedeutung und den Wert von vor allem regionalen und saisonalen Lebensmitteln vor Augen führen“, sagt Philip Engelbutzeder, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Siegen und engagiert im Rahmen der Initiativen Foodsharing und „Siegen isst bunt“ sowie dem Verein Lebensmittel-Teilen, die Kooperationspartner von Lozuka sind, wie in einer gemeinsamen Pressemitteilung aller Beteiligten zu erfahren ist.

Geplant sind unter anderem Gemeinschaftsgärten und -küchen und digitale Unterstützung für das Weitergeben überschüssiger oder selbst produzierter Lebensmittel, wie Gartenäpfel oder Marmelade.

Mit seiner Bewerbung als Regionale-Projekt will Betreiber Patrick Schulte die Idee seiner Plattform noch weiter ausbauen und am liebsten in Form einer Genossenschaft betreiben. „Die Vermeidung von Lebensmittelverschwendung stellt eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe dar, die wir nur zusammen lösen können. Deshalb freuen wir uns auch gemeinsam über den ersten Stern”, sagt Schulte.

„Oft werden wir mit Amazon verglichen, dabei versuchen wir uns durch die Vielfalt der teilnehmenden Einzelhändler und dem damit verbundenen emotionalen Wert deutlich von Amazon abzuheben. Was uns jedoch noch fehlt, ist eine größere Reichweite im Kreisgebiet. Zudem zeigen viele Einzelhändler noch Zurückhaltung, was eine Zusammenarbeit angeht, da immer noch eine gewisse Angst vor dem Internet besteht“, erklärt Schulte.

Durch eine Kooperation mit der Volksbank in Südwestfalen sollen die Einstiegsbarrieren nun verringert und die Vertrauensbasis zwischen Volksbank und Einzelhändlern für eine Lozuka-Partnerschaft genutzt werden.

„Die gemeinschaftlich erarbeitete digitale Plattform von Lozuka soll aber nicht nur in Südwestfalen Verwendung finden, sondern auch anderen Regionen zur Verfügung gestellt werden“, sagt Dr. Anke Schüll, Lehrende im Bereich Wirtschaftsinformatik an der Universität Siegen. Sie unterstützt das Projekt mit ihrem Fachwissen zu IT-Controlling und wünscht sich sehr, dass Lozuka mehr Reichweite erhält und noch viele weitere Einzelhändler dazu kommen.

Ziel sei es, den bei Lozuka bereits sehr starken Bezug zu nachhaltigen regionalen Lebensmittelketten noch stärker in Richtung gemeinsamer Vermeidung von Lebensmittelvernichtung auszuweiten. Mit einer Kundengruppe, die Wert auf gesunde Ernährung sowie frische und regionale Lebensmittel legt, sollen gemeinsame Ansätze erforscht und erprobt werden.

Die Fördergelder, welche mit Erreichung des dritten Sterns gezahlt werden, sollen im weiteren Verlauf über mehrere Teilprojekte eingeworben werden, an deren Konkretisierung gerade gearbeitet wird. Im nächsten Schritt wird aber erst einmal die Verleihung eines zweiten Sterns angepeilt, für den ein Konzept erarbeitet werden muss.