Kirchen

Not im Ahrtal: Hilfsbereitschaft im AK-Land ist überwältigend

Wolfgang Herrmann hat in seinem Engagement für die gute Sache schon viel erlebt. Doch was sich am Samstag auf dem Gelände seiner Spedition in Kirchen abspielte, das hat der Unternehmer so auch noch nicht erfahren. „Wahnsinn, was hier los ist!“, sagt er und fügt Kopf schüttelnd hinzu: „Damit hatte ich nicht gerechnet.“

Von Claudia Geimer

Foto: Claudia Geimer

Von sieben Uhr morgens an rannten Menschen, die Sachen für die Opfer der Hochwasserkatastrophe spenden wollten, der Spedition buchstäblich die Türe ein. „Die Autoschlange reichte bis zum Lidl“, erzählt Feuerwehrmann Daniel Freese. Die Hilfsbereitschaft sei überwältigend. Die Leute hätten, berichtet der Geschäftsführer des Kreisfeuerwehrverbands, „alles“ vorbei gebracht: Angefangen bei Kleidung für Erwachsene und Kinder über Geschirr und Besteck für den Haushalt, Möbel, Baby- und Tiernahrung bis zu Hygieneartikel und Spielzeug. Freese breitet die Arme aus: „Sie müssen sich vorstellen, das gesamte Gelände hier war voll mit Klamotten.“

Initiiert hat die Spendenaktion der Kreisfeuerwehrverband Altenkirchen, in Zusammenarbeit mit der Spedition Herrmann in Kirchen und der Betzdorfer Caritas. Freiwillige Helfer der Feuerwehr, Mitarbeiter der Spedition und der Caritas opferten ihr freies Wochenende, um auf dem Hof des Unternehmens die angelieferten Hilfsgüter zu sichten, zu sortieren und schließlich zu verpacken. Immer wieder kommen Fahrzeuge aufs Gelände: Bäckereien und Discounter bringen Waren vorbei. „Wir haben allein einen Tieflader nur mit Lebensmittel beladen“, erläutert Volker Hain.

Der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbands war selbst im Katastrophengebiet in Ahrweiler im Einsatz gewesen. „Ich habe viel Leid gesehen“, sagt er. Unter diesen Eindrücken sei auch die Idee entstanden, diese Spendenaktion zu starten. Mit dieser Resonanz hatte aber auch Hain nicht gerechnet: „Wir sind überrascht, das sprengt unseren Rahmen.“ Die Organisatoren hatten damit gerechnet, dass sie einen Tieflader bestücken können – am Ende werden es vier große Sattelzüge, die sich auf die Fahrt ins Katastrophengebiet machen werden.

Foto: mue

Der Lkw mit den gespendeten Lebensmitteln an Bord, so die Hoffnung, soll direkt die kleinen Ortschaften ansteuern können. Ziel der übrigen Tieflader mit Hilfsgütern ist die Firma Adam in Sinzig. Das Hoch- und Tiefbauunternehmen hat, ähnlich wie die Spedition Herrmann in Kirchen, Hallenkapazitäten zur Verfügung gestellt. Aber auch deren Lager seien schon voll, wird gemeldet.

So entschließen sich die Verantwortlichen der zentralen Sammelstelle in Kirchen, bereits gegen 11 Uhr vormittags am Samstag einen Annahmestopp zu verhängen. „Bitte nicht enttäuscht sein“, appelliert Hain an alle Autofahrer, die schon an der Kreuzung umdrehen mussten. Die Hilfsaktion wird nur unterbrochen und irgendwann auch fortgesetzt, versichern Feuerwehr und Caritas. „Wir warten ab, was noch gebraucht wird“, sagt Geschäftsführer Eberhard Köhler.

Ein Dank gilt auch allen Spendern und Helfern in den Sammelstellen der Feuerwehrgerätehäuser in den Kommunen und auch jenen, die Sachen auf die Freusburg gebracht haben, weil dort ebenfalls Evakuierte untergebracht werden sollten, was dann aber nicht passierte.

Foto: Claudia Geimer

Alle gespendeten Hilfsgüter werden von den Feuerwehrhäusern und weiteren Sammelpunkten zur zentralen Annahmestelle nach Kirchen gebracht und von dort in die Krisenregionen transportiert. Auch die Politik zollt Anerkennung. „Diese Spendenaktion finde ich großartig“, schreibt Kirchens Bürgermeister Andreas Hundhausen in einer Mitteilung, „wie viele andere Spendenaktionen auch.

Die Hilfsbereitschaft in der Region ist enorm. Das ist gelebte Solidarität. Die Menschen in Ahrweiler und den anderen betroffenen Regionen haben alles verloren. Wir müssen hier gemeinsam zusammenstehen.“ Und Betzdorfs Stadtbürgermeister Benjamin Geldsetzer schreibt: „Die Hilfsbereitschaft und Unterstützung der Menschen ist überwältigend. Ob an den Beispielen der Spendenaktionen Möbelhaus Pagnia in Betzdorf und Spedition Herrmann oder der Einsätzen der Feuerwehren, des DRK, DLRG, THW – die Solidarität scheint grenzenlos zu sein und spricht für die fantastischen Menschen in unserer Region.“