Archivierter Artikel vom 24.04.2021, 07:07 Uhr
Rennerod/Daaden

Geflüchteten ein wenig Hoffnung geben: Hilfe für Lesbos kommt vom Hohen Westerwald

Während das Elend der Geflüchteten auf Lesbos hierzulande aus dem Fokus geraten ist, besteht es auf der griechischen Insel doch unvermindert weiter. Ein Zustand, den die Evangelischen Kirchengemeinden Liebenscheid, Stein-Neukirch und Rabenscheid im Hohen Westerwald nicht hinnehmen wollen.

Ein Zeichen der Menschlichkeit: Ilona Brücher-Sztrana gehen die Bilder von den Lagern auf Lesbos nicht aus dem Kopf. Sie hilft und nimmt Hygienepakete für die Geflüchteten gerne entgegen.
Ein Zeichen der Menschlichkeit: Ilona Brücher-Sztrana gehen die Bilder von den Lagern auf Lesbos nicht aus dem Kopf. Sie hilft und nimmt Hygienepakete für die Geflüchteten gerne entgegen.
Foto: privat

Unterstützt von Pfarrer Eckhard Schmitt und dem Kirchenvorstand sammelt Ilona Brücher-Sztrana seit rund vier Monaten Hygienepakete mit Seife, Zahnbürsten, Kämmen und Windeln für die Hilfsorganisation Global Aid Network (Gain) und fährt sie selbst zu Sammelstationen oder zum Standort der Organisation in Gießen, berichtet das Evangelische Dekanat Westerwald.

Gain leistet seit mehreren Jahren humanitäre Hilfe auf Lesbos. Seit November 2018 ist dort in diesem Rahmen auch die aus Daaden stammende Andrea Wegener tätig (die RZ berichtete mehrfach). Knapp 7000 Geflüchtete leben derzeit im temporären Flüchtlingslager auf der griechischen Insel, darunter mehr als 2000 Kinder.

Die Unterstützung im oberen Westerwald ist groß, sagt Ilona Brücher-Sztrana. So hat unter anderem die Frauenstunde der Kirchengemeinden Rabenscheid und Liebenscheid einen Betrag von 500 Euro gesammelt und zur Hilfe für Lesbos zur Verfügung gestellt. Brücher-Sztrana liegt die Hilfe für Lesbos aus persönlichen Gründen ganz besonders am Herzen.

Prekäre hygienische Bedingungen machen Flüchtlingen wie Helfern im Ersatzlager auf Lesbos das Leben zusätzlich schwer.
Prekäre hygienische Bedingungen machen Flüchtlingen wie Helfern im Ersatzlager auf Lesbos das Leben zusätzlich schwer.
Foto: privat

Ihre Tochter Verena Sztrana war Anfang 2019 als freiwillige Helferin im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos. Deren Schilderungen lassen die evangelische Christin seither nicht los: „Auch wenn wir keinen direkten Einfluss darauf haben, dass solche Flüchtlingslager überflüssig werden, möchten wir doch wenigstens mit unseren bescheidenen Mitteln das Leben der Menschen dort verbessern und ihnen Hilfe schicken. Die Geld- und Sachspenden sollen den Geflüchteten zeigen, dass sie nicht vergessen sind.“

Das ursprüngliche Camp Moria auf Lesbos war im September des vergangenen Jahres abgebrannt, die rund 13.000 Bewohner lebten ohne Obdach neben dem Camp oder auf der Straße. Nun gibt es seit einigen Monaten ein neues Lager auf Lesbos, das von den Bewohnern „Mavrovouni“ oder „Kara Tepe“ genannt wird.

Das Lager befindet sich auf einem ehemaligen Militärgelände. Es besteht aus Zelten, die das UNO-Flüchtlingshilfswerk beschafft hat. Im Winter regnete es auf Lesbos regelmäßig, das Lager versank deshalb immer wieder im Schlamm. Durch die Lage des neuen Lagers am Strand bläst der Wind vom Meer her heftig durch die Zelte, und die Menschen frieren. Viele Hilfsorganisationen vor Ort nennen das Camp „Moria 2.0“.

Es gibt zu wenige Duschen, zu wenige Toiletten, der Strom fällt oft aus, das Essen ist schlecht. Die Hilfsorganisationen berichten von traumatisierten Mädchen und Jungen, die sich aus Verzweiflung die Haare ausreißen und auf andere Weise selbst verletzen.

Von der Evangelischen Kirche Hessen und Nassau (EKHN) gibt es ein Spendenkonto für die Initiative Lesvos Solidarity, Iban DE27.5206  0410.0004.1000 00, Evangelische Bank, Betreff: Spende Lesbos. Hygienepakete nimmt die Evangelische Kirchengemeinde Rabenscheid entgegen. Kontakt über Ilona Brücher-Sztrana, E-Mail an ilona-sztrana@ web.de, Telefon 02777/472.