Archivierter Artikel vom 06.06.2019, 07:00 Uhr
Kreis Altenkirchen

Der neue Chef des Kreisbauernverbandes: Josef Schwan ist Landwirt aus Leidenschaft

Als die RZ an diesem Morgen auf dem Hof der Familie Schwan in Niederhombach (Wissen) eintrifft, dreht Josef Schwan gerade seine Kontrollrunde. Der frischgebackene Chef des Kreisbauernverbandes schaut bei den Kälbchen vorbei, wirft einen Blick auf die zufrieden kauenden Kühe im Boxenlaufstall und tätschelt nebenbei schnell den Border Collie „Paul“. Schwan wird gebraucht – trotzdem nimmt er sich gerne Zeit für ein Gespräch.

Ein Chef, der voll in der Praxis steht: Josef Schwan, der neue Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, weiß, worauf es in der modernen Landwirtschaft ankommt. Foto: Julia Hilgeroth-Buchner
Ein Chef, der voll in der Praxis steht: Josef Schwan, der neue Vorsitzende des Kreisbauernverbandes, weiß, worauf es in der modernen Landwirtschaft ankommt.
Foto: Julia Hilgeroth-Buchner

Herr Schwan, Sie stehen voll in der Praxis. Wie sieht Ihr Alltag aus?

Ich gehe um sechs Uhr in den Stall, um nach den Kühen zu sehen. Wir haben 60 vierbeinige „Mitarbeiterinnen“ der Rassen Rotbunt und Fleckvieh. Das Melken erfolgt durch unseren Melkroboter automatisch. Gegen acht Uhr gibt es Frühstück, dann wird gefüttert. Je nach Wetter schauen wir, was draußen anliegt. Dann stehen Reparieren und Sanieren auf dem Programm. Wir sind bis auf einen Maishäcksler voll mechanisiert. Gegen 15 Uhr schaue ich auf der Liste im Roboter nach, ob alle Kühe „durch“ sind. Gegen 18 Uhr fällt bei uns der Schlüssel. Man braucht auch etwas Lebensqualität.

Sie sind schon lange Profi. Wie war Ihr beruflicher Werdegang?

Ich habe den Hauptschulabschluss gemacht und dann eine Lehre als Landwirt. Danach wurde ich staatlich geprüfter Wirtschafter und Landwirtschaftsmeister. 20 Jahre lang war ich öffentlich bestellter landwirtschaftlicher Gutachter, das war eine interessante Sache. Ich konnte meinen Horizont erweitern und beim Lösen von Problemen helfen. Ich bin Jäger und als Grundeigentümer auch in den Vorständen verschiedener Jagdgenossenschaften. 25 Jahre lang habe ich mich in der Kommunalpolitik engagiert. Über ein Jahrzehnt war ich Fraktionsvorsitzender der SPD im Verbandsgemeinderat Wissen. Ich bin dafür, dass Landwirte in verschiedenen Parteien tätig sind, das ergibt ein ganz anderes Bild. Aber nach einer bestimmten Zeit sollte man Platz machen.

Die Landwirtschaft steht in der Gesellschaft auf dem Prüfstand. Massentierhaltung und die Ausbeutung der Böden sind große Themen. Wie positionieren Sie sich persönlich?

Wir sind ein Familienbetrieb. Das, was man erbt, soll man weiterentwickeln. Man darf nicht auf dem alten Stand stehen bleiben. Zu meiner Schulzeit war die Konzentration auf Ertragssteigerungen noch an der Tagesordnung, heute setzt man wieder auf Fruchtfolgen und Zwischenfrüchte, um Bodenerosion zu vermeiden. Was unsere Vorväter machten, war also gar nicht so falsch. Wir müssen aber versuchen, den Verbrauchern zu vermitteln, wie schwer es uns gemacht wird.

Die Politik spielt in Ihrer Branche eine wichtige Rolle. Wo liegt die Ursache der Probleme?

Wer gerade in der Regierung sitzt, gibt die Richtung an. Die konkrete Umsetzung erfolgt dann in den Ministerien. Die Verwaltungsmitarbeiter dort müssten selbst einmal in die Betriebe gehen und nur einen Tag in der Landwirtschaft aushalten. Sie bekommen das tägliche Leben nicht mit, treffen aber die Entscheidungen. Es ist manchmal ein Kampf gegen Windmühlen. Das macht mürbe.

Der Ruf nach Bio-Produkten wird lauter. Wie stehen Sie zu diesem Trend?

Ich glaube, dass Bio ausgeschöpft und kaum noch steigerbar ist. Für den Verbraucher zählt in der Mehrheit das Billigste. Wir bewirtschaften unser Grünland bereits extensiv. Eine komplette Umstellung auf Bio hätte uns aber Klimmzüge gekostet – allein das Biokraftfutter ist fast doppelt so teuer. Man muss sich seine unternehmerische Freiheit erhalten. Ich kann meinem Sohn, der den Hof mit mir in einer GbR führt, nicht die Bürde aufladen, so groß zu investieren.

Sie treten bei der Kreisbauernschaft nun das Erbe Ihres Vorgängers Georg Groß an. Welche Ziele haben Sie für den Verband?

Mein Hauptziel ist, in den Dialog mit den Umweltverbänden zu treten und gemeinsam Lösungen zu finden. Wenn man sich persönlich kennt, kann man auch Verständnis füreinander aufbringen.

Bauer sein – ist das noch ein Job mit Zukunft?

Es ist alles ungewiss, es gibt keine Planungssicherheit, und die Hürden in Bürokratie und Politik sind hoch. Ich würde aber trotzdem jeden ermutigen: Landwirt ist man aus Leidenschaft!

Lesen Sie mehr zum Thema Landwirtschaft im nächsten Teil unserer Serie auf Seite 13.

Von unserer Mitarbeiterin Julia Hilgeroth-Buchner