Archivierter Artikel vom 03.12.2021, 09:00 Uhr
Kreis Altenkirchen

Coworking Spaces: Alternative zum Homeoffice ist bei vielen im Kreis Altenkirchen gefragt

Ob am eigenen Schreibtisch oder doch eher am Küchentisch: Spätestens seit Beginn der Corona-Krise hat ein Großteil der Beschäftigten im Kreis Altenkirchen erste Erfahrungen mit der Arbeit im Homeoffice gemacht – und Experten sind sich einig, dass der Trend die Pandemie überdauern wird. Doch nicht jeder Büroarbeiter ist in den eigenen vier Wänden optimal ausgestattet für die Tätigkeit fernab vom eigenen Arbeitsplatz.

Von Michael Fenstermacher
Die Bedarfsanalyse hat ergeben: Im AK-Land sind viele Arbeitnehmer an der Arbeit in einem Coworking Space interessiert.  Symbolfoto: dpa
Die Bedarfsanalyse hat ergeben: Im AK-Land sind viele Arbeitnehmer an der Arbeit in einem Coworking Space interessiert. Symbol
Foto: dpa

Hier kommt die Idee der Coworking Spaces ins Spiel – offene Büroräume, die tageweise angemietet werden können und in denen Angestellte verschiedener Unternehmen und Freiberufler gemeinsam Infrastruktur wie Netzwerk, Drucker, Scanner oder auch Teeküche nutzen. Eine Bedarfsanalyse im Auftrag der Kreisverwaltung zeigt nun: Auch im AK-Land gibt es eine echte Nachfrage nach solchen Geschäftskonzepten. Eine Erkenntnis, die – so die Hoffnung von Lars Kober, Leiter der Wirtschaftsförderung – Investoren dazu motivieren könnte, ein solches Angebot zu schaffen.

Über die genauen Ergebnisse der Studie informierte nach Begrüßung durch Landrat Peter Enders in einer digitalen Abschlussveranstaltung nun Sebastian Berndt von der Cowork AG, die 273 Umfrageteilnehmer zu dem Thema befragt hat, darunter auch 38 Arbeitgeber. Die wohl wichtigste Erkenntnis: 78 Prozent der Teilnehmer würden einen Coworking Space mindestens mehrmals im Monat nutzen, 59 Prozent sogar mindestens wöchentlich. Und 77 Prozent sind bereit, selbst etwas für die Nutzung eines solchen Angebots zu zahlen. Nimmt man die Gruppe der befragten Arbeitgeber heraus, so zeigt sich auch hier eine hohe Bereitschaft, die Beschäftigten in einem Gemeinschaftsbüro arbeiten zu lassen. 67 Prozent würden dies mindestens mehrmals im Monat gestatten. 82 Prozent wären bereit, zumindest teilweise für die Kosten aufzukommen, und sogar 96 Prozent würden den Arbeitnehmern etwas zu den Kosten beisteuern.

Viele der befragten Arbeitnehmer, so Berndt, hatten in der Befragung Zweifel an der Offenheit ihrer Arbeitgeber bei dem Thema geäußert. Nach den Ergebnissen der Studie sei dies aber unbegründet. „Die Arbeitgeber sind nicht so skeptisch, wie es die Arbeitnehmer vermuten“, stellt er fest und sieht an dieser Stelle Redebedarf. Gezeigt habe sich das auch in zusätzlichen qualitativen Interviews, die Cowork mit 17 Arbeitgebern von Mittelständlern aus dem AK-Land und Nachbarkreisen bis hin zum Bonner Großkonzern Deutsche Post geführt hat. Die befragten Arbeitnehmer äußerten sich teils auch schon konkret zu ihrer Zahlungsbereitschaft. Von den befragten Männern unter ihnen gaben 44 Prozent an, mindestens 50 Euro monatlich zahlen zu wollen, während sich die befragten Frauen in dieser Frage mehrheitlich eher unsicher waren.

Aufbauen können künftige Investoren auch auf den geäußerten Vorstellungen und Wünschen zur Ausstattung eines Coworking Space. Neben der klassischen Büroausstattung – hier solle es für sehr viele übrigens ein höhenverstellbarer Schreibtisch sein – waren den Teilnehmern unter anderem Parkplätze und Verpflegungsmöglichkeiten im nahen Umfeld, das Vorhandensein eines Kühlschranks, die Klimafreundlichkeit des Angebots und ein Zugang möglichst rund um die Uhr wichtig.

Wirtschaftsförderer Kober sieht das größte Potenzial unter den im AK-Land lebenden Arbeitnehmern, die zu ihrem Arbeitsplatz auspendeln. So dauert der einfache Arbeitsweg für fast die Hälfte der Befragten länger als 30 Minuten. Sehr überraschend, auch für Landrat Enders, war ein weiteres Ergebnis: 16 Prozent der Befragten sind Wochenendpendler, die mehr als 500 Kilometer zu ihrem Arbeitsplatz zurücklegen.

Von unserem Redakteur Michael Fenstermacher