Archivierter Artikel vom 10.11.2020, 19:00 Uhr
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Betzdorf

Betzdorf: In einer kleinen Zeremonie der jüdischen Opfer gedacht

Das Gedenken an die Opfer der Pogromnacht am 9. November 1938 wurde gestern in Betzdorf wegen der Pandemie in einem sehr kleinen Rahmen gestaltet. „Wir haben uns überlegt, wie es dennoch würdig vonstatten gehen kann“, sagt Stadtbürgermeister Benjamin Geldsetzer. Er legte für die Stadt Betzdorf und in Vertretung der Räte an der Rosette am Übergang zwischen Bahnhofstraße und Viktoriastraße einen Kranz nieder, diesem Beispiel folgte Horst Vetter mit einem Kranz von Bündnis 90/Die Grünen sowie der Jungsozialisten im Kreis, vertreten durch den Geschäftsführer Jan Hellinghausen. Geschäftsführer Gerd Bäumer vertrat den Betzdorfer Geschichtsverein. Er zitierte in seinem Grußwort den ehemaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt: „Wir heutigen Deutschen sind als Personen nicht schuldig, aber wir haben die politische Erbschaft der Schuldigen zu tragen, hierin liegt unsere Verantwortung.“ Stadtbürgermeister Benjamin Geldsetzer bezieht in seinem Gedenken neben Betzdorf auch Siegen mit ein, deren Synagoge einen Tag später, am 10. November 1938, zerstört worden war – „weil der Gauleiter zunächst nicht wusste, dass es in Siegen eine Synagoge gab“. Das Gedenken an die Pogromnacht und den 23 jüdischen Mitbürgern aus Betzdorf, die dem Rassenwahn der Nazidiktatur zum Opfer gefallen sind, ist für Horst Vetter, Fraktionssprecher der Grünen im Stadtrat, aktueller denn je. „Wir müssen heute rechtzeitig aufstehen und widersprechen, wenn wieder in unserer Nachbarschaft, im Bekanntenkreis und wo auch immer rassistisch über Juden, Türken oder Geflüchtete geredet wird“, forderte Vetter. Die Menschheit müsse sich als globale Schicksalsgemeinschaft begreifen, nur so könne die Zukunft für Kinder und Enkel gesichert werden. Er zitierte Bischof Georg Bätzing, ehemaliger Schüler des Betzdorfer Gymnasiums, der sich für einen interreligiösen Feiertag ausgesprochen habe. „Ein großartiger Gedanke, um das Verbindende von Christentum, Judentum und Islam zu betonen“, findet Vetter.

Von Claudia Geimer Lesezeit: 2 Minuten