Archivierter Artikel vom 22.08.2020, 17:00 Uhr
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Betzdorf/Altenkirchen

Angeklagter zugedröhnt im Gericht: Prozess abgebrochen

Eine Tankstelle in der Altenkirchener Philipp-Reis-Straße soll Carlo A. (heute 20, alle Namen von der Redaktion geändert) im November 2018 überfallen haben. Martin O. (heute 21) wird verdächtigt, seinen Kumpel nach dem Überfall schnell vom Tatort weggefahren zu haben. Eigentlich sollten die zwei Angeklagten dafür am Donnerstag in Betzdorf ihr Urteil bekommen – doch die ohnehin schon spektakuläre Verhandlung musste vorzeitig abgebrochen werden: Carlo A. war nicht mehr verhandlungsfähig. Schon der Vertreterin der Staatsanwaltschaft sowie einer Schöffin war aufgefallen, dass dem Angeklagten zwischenzeitlich immer mal wieder die Augen zugefallen waren. Tatsächlich wirkte der junge Mann während der gesamten Verhandlung geistesabwesend, verpeilt – ja, völlig zugedröhnt. Das Gericht konfrontierte ihn schließlich mit diesen Beobachtungen. Carlo A. ließ daraufhin über seinen Verteidiger verkünden, dass er am Vorabend Opiate zu sich genommen, am Morgen gekifft und Benzodiazepine eingeworfen – und während einer Pause im Gericht weitere, in der Drogenszene als „Benzos“ bekannte, Angst lösende Arznei auf der Toilette des Amtsgerichts eingenommen habe. Richterin Tanja Becher resümierte sichtlich genervt: „Wir können heute nicht weitermachen.“ Es müsse ein neuer Termin gefunden werden – und alles bisher Gesagte könne nicht verwertet werden, müsse also noch einmal neu eingeführt werden. Frustrierend – für alle Beteiligten.

Von Johannes Mario Löhr Lesezeit: 3 Minuten