Kreis Ahrweiler

Zentrales Internetportal hilft: Wie Flutgeschädigte an Handwerker kommen

Es soll das größte Wiederaufbauprojekt sein, das es je in Deutschland gegeben hat: Auf der Internetseite www.handwerk-baut-auf.de werden Handwerker und von der Flut betroffene Menschen, die ebenjenes Know-how so dringend benötigen, zusammengebracht. Und das Konzept geht auf, obwohl es zwischendurch für kurze Zeit interne Unstimmigkeiten gegeben hat, die jetzt aber geklärt sind, sodass einer geplanten Weiterentwicklung der Plattform nun nichts mehr im Weg steht.

Von Silke Müller
Mehr als 100 Dachdecker waren jüngst im Ahrtal los, um zu helfen. Es gibt aber noch sehr viel zu tun. Um Betroffene und Handwerker zusammenzubringen, wurde das Portal www.handwerk-baut-auf.de geschaffen.
Mehr als 100 Dachdecker waren jüngst im Ahrtal los, um zu helfen. Es gibt aber noch sehr viel zu tun. Um Betroffene und Handwerker zusammenzubringen, wurde das Portal www.handwerk-baut-auf.de geschaffen.
Foto: picture alliance/dpa

Das berichtet Susanne Terhorst, Leiterin der Rechtsabteilung der Handwerkskammer Koblenz, die in Kooperation mit den Kreishandwerkerschaften und deren Innungen, dem Unternehmer Marc Ulrich von der Agentur Marketingflotte und der Wirtschaftsförderung der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler die Seite betreibt. „Ab kommender Woche wird mit der Weiterentwicklung begonnen, um neue Funktionen zu integrieren“, erläutert Terhorst. Das Portal www.handwerk-baut-auf.de ersetzt nach internen IT-bedingten Differenzen das bisherige Portal www.baut-mit-auf.de. Das Konzept bleibt gleich. Knapp 1000 Handwerker aus allen Branchen haben sich bisher bereits auf der Plattform registriert und können von Nutzern direkt „gebucht“ werden. Nach dem Helfershuttle, das täglich unzählige Freiwillige zu Aufräumarbeiten ins Krisengebiet bringt, hat Ulrich erneut maßgeblich daran mitgewirkt, ein neues Angebot zu schaffen, um den Aufbau des Ahrtals nach der Flutwelle voranzutreiben.

Bereits in der ersten Woche nach der Katastrophe hatte Ulrich selbst hautnah die große Dynamik unter den Handwerkern aus ganz Deutschland mitbekommen, die sich im Ahrtal engagieren wollten. „Bei den heimischen Obermeistern standen die Telefone nicht mehr still. Sie erhielten Hunderte Anrufe von Handwerksbetrieben, die ihre Hilfe anboten“, berichtet Ulrich. Allerdings war zu dieser Zeit nichts kanalisiert, viele heimische Betriebe hatten selbst mit den Folgen der Flut zu kämpfen. Hinzu kamen die vielen verschiedenen Hilfsplattformen. Es fehlte an Koordination. In Gesprächen mit der Kreishandwerkerschaft, den Innungen und der Handwerkskammer Koblenz, bei denen Ulrich dabei war, reifte die Idee, alle Angebote der verschiedenen Handwerksbetriebe in einem Portal zu vereinen, um sie darüber direkt mit den Betroffenen zusammenzuführen. Besonders aktiv dabei war Ulrich zufolge die Elektroinnung. Kein Wunder: Schließlich waren deren Mitglieder von der ersten Stunde an nach der Krise gefragt. Auch Alexandra Willems, die nebenberuflich in den sozialen Netzwerken für das Handwerk schreibt und in den ersten Wochen die Elektroinnung Ahrweiler unterstützt hat, engagierte sich für das Projekt. „Die gemeinsame Plattform haben wir dann entwickelt und gebaut“, sagt Marc Ulrich.

Auf www.handwerk-baut-auf.de sind die registrierten Betriebe in der Form eines Marktplatzes angeordnet. „Das Portal bietet sofort Handwerksbetriebe, die anpacken wollen“, erläutert Ulrich das Prinzip. Und das ist effektiv – vor allem, wenn der heimische Hausundhofhandwerker, der sonst immer bestellt worden ist, selbst von der Katastrophe betroffen ist oder schon genug Aufträge hat, und daher jemand anderes gesucht werden muss. „Wer einen Handwerker braucht, findet ihn auch“, so Ulrich über die Plattform, auf der sich auch weitere Betriebe noch registrieren können, denn schließlich werde sich die Wiederaufbauphase noch über Jahre hinziehen, so der Unternehmer aus der Kreisstadt.

Nach den ersten Wochen des neuen Angebots zieht Ulrich eine durchweg positive Bilanz. Viele Nutzer seien froh gewesen, einen Betrieb gefunden zu haben beziehungsweise mit einem im Kontakt zu stehen, berichtet er über das Feedback in den sozialen Netzwerken. Auf der Plattform berücksichtigt werden auch die heimischen Handwerker, die signalisieren können, ob sie verfügbar oder ausgelastet sind. „Das spart den Suchenden Zeit“, meint Ulrich.

Bei der Registrierung der Betriebe, die zu ihren üblichen Tarifen bestellt werden können, wird gleichzeitig abgefragt, ob sie sich auch an ehrenamtlichen Projekten beteiligen wollen. „Wir wollen Patenprojekte für Menschen kreieren, die es besonders hart getroffen hat und die vor dem Nichts stehen“, erläutert Ulrich. Dafür würden ehrenamtliche Leistungen der Handwerksbetriebe benötigt. Der Start dieses neuen Angebots soll schon bald sein.

Weitere Betriebe, die sich auf der Plattform registrieren wollen, sind willkommen. Alle Infos unter www.handwerk-baut-auf.de

Von unserer Redakteurin Silke Müller

Lkw, Bagger und Co.: Auch Maschinenführer organisieren sich

In der öffentlichen Facebook-Gruppe „Ahrweiler Fluthilfe – Börse für Maschinenführer und Gerät“ informieren und organisieren sich Bagger- und Lkw-Fahrer mit und ohne Gerät. Anforderungen, Einsätze und Unterstützungsleistungen werden abgesprochen. Die Gruppe hat um die 750 Mitglieder.

In der „Info“ wird erklärt: „Baggerfahrer,Radlader,Schlepperfahrer gebraucht? Gerät vorhanden, aber kein Fahrer verfügbar? Meldet euch hier!“ In den Gruppenregeln der Administratorin ist unter anderem zu lesen: „Keine Wipperfürth oder Hartmann-Videos, außer sie enthalten wichtige Info, konkrete Aufrufe, Kontakte oder Daten. In diesem Fall ist dem Beitrag unbedingt eine kurze Inhaltsbeschreibung beizufügen. Alle anderen Beiträge werden gelöscht Nur Beiträge rund um Baumaschinen/ maschinenführer.“ fbu
Auskunft und Unterstützung für Betroffene der Hochwasserkatastrophe
Infonummer für Angehörige von Vermissten, Hinweise und Fragen: 0800 65 65 65 1
Kostenlose Hotline zur psychosozialen Unterstützung (9 - 17 Uhr): 0800 001 0218
Hinweisportal der Polizei Rheinland-Pfalz: rlp.hinweisportal.de
Die Polizei bittet, den Notruf 112 beziehungsweise 110 nur in dringenden Fällen anrufen.
Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz
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