Mayschoß

Wie Mayschoß sich selbst hilft: Das Weindorf hat ein eigenes Krisenmanagement organisiert

Zu apokalyptischen Kulissen sind für die Menschen an der Mittelahr die Dörfer geworden, die einst ihre geliebte Heimat waren. In diesem Chaos nicht die Nerven zu verlieren, fällt schwer. In Mayschoß ist es trotzdem gelungen, ein Krisenmanagement zu organisieren.

Von Beate Au
Es gibt wohl lange keine Straßenverbindungen mehr von Mayschoß nach Altenahr geben, wie ein Blick auf das da beschädigte Viadukt an der Tunnelstraße zeigt. Mayschoß hat darauf bereits reagiert.  Foto: dpa/Arnaud Cailloux
Es gibt wohl lange keine Straßenverbindungen mehr von Mayschoß nach Altenahr geben, wie ein Blick auf das da beschädigte Viadukt an der Tunnelstraße zeigt. Mayschoß hat darauf bereits reagiert.
Foto: dpa/Arnaud Cailloux

Hubertus Kunz, Bürgermeister von Mayschoß, versucht am Telefon gefasst zu klingen, wenn er erzählt. Doch das fällt ihm nicht leicht. Er selbst hat mit seiner Familie auf dem Dach gesessen. Sein Haus ist jetzt eine Ruine. „Wir hatten Todesangst“, sagt er. Doch nach dieser Schockstarre und mit dem Wissen, dass absehbar keine Hilfe für den von der Außenwelt isolierten Ort zu erwarten ist, fiel die Entscheidung, einen Krisenstab zu gründen und die Talente abzurufen, die es im Ort gibt.

Dazu gehören zwei Polizeibeamte und Gerd Baltes, der internationale Erfahrung hat in der Krisenbewältigung, der vor seiner Pensionierung für die Polizei beispielsweise auch in Afghanistan im Einsatz war und noch bestens vernetzt ist. „Wir haben Mayschoß auf eigene Faust zum Krisengebiet erklärt, zwei Wirtschaftswege in Richtung Kalenborn ertüchtigt und so eine Logistik für die Versorgung aufgebaut, für die Sebastian Sonntag zuständig ist“, so Kunz. „Das Wichtigste war der Zugriff auf die Unterstützung der auf Hochwasserkatastrophen spezialisierten Berufsfeuerwehr Ludwigshafen, um eine Wasseraufbereitung, eine Krankenstation, sanitäre Anlagen und eine Lebensmittelversorgung aufzubauen“, so Kunz.

Die Bonner Polizei habe mit Funkgeräten ausgeholfen, um die Kommunikation zu gewährleisten. „Wir werden die Wege als Straßen ausbauen, denn ich gehe davon aus, dass wir vor Ende des Jahres keine Verbindungswege nach Altenahr oder Rech haben werden“, so Kunz. Zur autonomen unbürokratischen Lösung für Mayschoß gehören dank der organisierten externen Unterstützung, darunter neben der Feuerwehr Ludwigshafen auch Wehren aus Speyer, Neustadt oder Waldbreitbach sowie THW-Einheiten aus Nordhessen, auch drei eingesetzte Notärzte. „Wir haben zudem in der Kirche ein Informationszentrum für die Bürger eingerichtet. Ich bin heilfroh, dass wir kein Internet haben und damit keine Fakenews empfangen. Es darf keine Panik entstehen“, so Kunz. Seine Devise: „Wir leben momentan nur im Jetzt und lösen alle Probleme, die jetzt da sind.“ bea