Kreis Ahrweiler

Wie es um Essen auf Rädern steht: Caritas auf der Suche nach einer Lösung – Maranatha plant Start am Donnerstag

Täglich eine warme Mahlzeit: Viele Senioren nehmen den Service Essen auf Rädern gern in Anspruch – normalerweise. Denn auch diesen hat die Flutkatastrophe im Ahrtal zunichtegemacht. Kein Strom, kein Wasser, kein warmes Essen.

Von Silke Müller
Das Maranatha in Bad Bodendorf will versuchen, am Donnerstag eine Tour Essen auf Rädern loszuschicken. Bei der Caritas sieht es anders aus.
Das Maranatha in Bad Bodendorf will versuchen, am Donnerstag eine Tour Essen auf Rädern loszuschicken. Bei der Caritas sieht es anders aus.
Foto: picture alliance / dpa

Und das ist nicht unbedingt nur der fehlenden Infrastruktur geschuldet, was das Straßennetz angeht. Der Caritasverband Rhein-Mosel-Ahr zum Beispiel kann in der Kreisstadt gar kein Essen mehr zubereiten lassen. Das berichtet Geschäftsführer Richard Stahl im Gespräch mit der RZ. Vor der Flutwelle hatte die Caritas mit einem Altenheim in Bad Neuenahr-Ahrweiler kooperiert, in dem die Mahlzeiten gekocht wurden, bevor ehrenamtliche Fahrer der Caritas sie ausgeliefert haben. Aber diese Küche gibt es jetzt nicht mehr. „Wir hatten Pech, das Altenheim lag in einer Schneise. Die Küche ist dahin“, sagt Stahl und ergänzt: „Und wo keine Küche ist, da ist auch kein Essen mehr.“ Aber selbst wenn es eine Gelegenheit zum Kochen geben würde: Auch für die Fahrer der Caritas wäre es derzeit wegen des arg in Mitleidenschaft gezogenen Straßennetzes immens schwierig, die Senioren zu erreichen.

Stahl berichtet aber, dass viele Senioren sowieso evakuiert und nicht mehr zu Hause seien. „Die meisten sind durch Verwandte in eine bessere Situation geholt worden“, sagt er. Ein komplettes Bild aber könne sich die Caritas derzeit noch nicht machen. Denn einige Senioren haben immer noch keinen Strom und die Ü-80-Jährigen selten ein modernes Handy mit Powerbank. „Wir haben daher nicht alle erreichen können“, berichtet Stahl. Man sei aber an allen Ecken und Kanten bemüht. Bis auf Weiteres muss also auf die Hilfe unter Nachbarn gesetzt werden. „Und diese Hilfsbereitschaft ist sehr groß. Die Nachbarschaftshilfe ist derzeit die Lösung für viele Familien“, weiß Stahl.

Die Caritas indes möchte einen Versuch starten, um Essen auf Rädern wieder anbieten können. „Wir wollen strukturiert improvisieren und Kontakt zu anderen Institutionen aufnehmen, die eine Küche haben“, erläutert Stahl. Diese ist aber nicht die einzige Voraussetzung. Denn für Essen auf Rädern gibt es klare Hygienevorschriften, wie die Mahlzeit zu verpacken ist. Und auch diese Voraussetzung muss zwingend gegeben sein. „Da kann man nicht improvisieren“, erläutert Stahl. „Es sind also Rattenschwänze, die hinten dranhängen“, ergänzt er. Deswegen könnte man auf die Schnelle das Angebot nicht neu einrichten.

Auch für das Seniorenzentrum Maranatha in Bad Bodendorf läuft es schleppend. Dort gibt es am Dienstag noch keinen Strom. Die Bewohner würden mit Notfallstrom versorgt, so eine Mitarbeiterin der Einrichtung. Einen Speiseplan gibt es derzeit nicht. „Die Großküche versucht, etwas zu kochen, mit dem, was da ist“, so die Mitarbeiterin im Hinblick auf die vorhandenen Lebensmittel. Speisenausgaben, so berichtet Einrichtungsleiter Harald Monschau, würden sich im Hotel Maravilla, aber auch in der Kapelle der Kirchengemeinde in Bad Bodendorf befinden. Am Donnerstag will das Maranatha zumindest versuchen, eine Tour Essen auf Rädern loszuschicken. Aber auch da gibt es noch Fragezeichen. „Mal schauen, ob das mit dem Verkehr möglich ist“, so die Mitarbeiterin gegenüber der RZ. Allgemein würde es im Maranatha gut laufen, sagt Monschau. Lediglich Bewohner im betreuten Wohnen in der Ahrpark-Residenz mussten evakuiert werden. Sie sind im Hotel Maravilla untergebracht. Darüber hinaus hat die Einrichtung Monschau zufolge auch obdachlose Senioren aufgenommen.

Von unserer Redakteurin Silke Müller