Bad Neuenahr-Ahrweiler

Wie Bürger in Bad Neuenahr jetzt Hilfe bekommen: Wasser, Strom und Lebensmittel sind weiterhin gefragt

Toilettengang, etwas kochen oder sich waschen: Vielen Haushalten der Kernstadt fehlt es an den elementarsten Versorgungsmöglichkeiten zum Leben. Das Stromnetz ist stark angeschlagen und Wasserleitungen einfach von der Sintflut herausgerissen. Wo können die Bad Neuenahrer nun Hilfe bekommen, wie steht es um Strom und Wasser, und wie reagiert die Stadt?

Von Nicolaj Meyer
Hochwasser
Ein Hochwasser-Schild steht an einem überfluteten Feld.
Foto: dpa

Das Schadensausmaß am Stromnetz ist immens. Der Großteil der Stromnetzstationen wurde überspült, viele Leitungen beschädigt, selbst unterirdische Leitungen wurden in Gänze herausgerissen. Teile von Bad Neuenahr und Teile der Verbindung von Bad Neuenahr nach Ahrweiler haben zwar wieder Strom, aber eine Aussage, wann welcher Straßenzug mit Elektrizität versorgt werden kann, sei noch nicht zu treffen, erklärt Karl Walkenbach, Pressesprecher der Stadt. Infolge der Extremwetterereignisse wurden viele Netzanlagen beschädigt. Mit den noch vorhandenen Netzteilen wird zunächst eine provisorische Stromversorgung errichtet. Dabei müssen vor Inbetriebnahme alle Hausanschlüsse einer Untersuchung unterzogen werden, bevor diese wieder mit Strom versorgt werden können.

Immense Schäden an der Kanalisation

Ebenso vom Wasser mitgenommen ist das Abwasserwerk der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler. Dazu kommen umfangreiche Schäden an der Ortskanalisation und in den Hausanschlüssen. Wann die Bürger ihre Toilettenspülungen wieder benutzen können, darauf hat Walkenbach keine Antwort – und die kann er auch noch nicht haben, weil es viele technische Herausforderungen gibt. „Das Spülen der Kanäle wird in den nächsten Wochen eine Daueraufgabe des Abwasserwerkes sein“, erklärt die Stadt. „Es ist davon auszugehen, dass dieses Problem länger besteht“, ordnet Walkenbach ein und macht damit wenig Hoffnung auf eine baldige Rückkehr zur Normalität. Auch beim Trinkwasser erschweren viele Rohrbrüche die Wasserverteilung. Zunächst können laut Stadt nur die Osthälfte und die Mitte der Stadt unmittelbar versorgt werden. Dies erfolge sukzessive, um die Luft langsam aus dem System zu bringen. „Es kann auch zu Braunverfärbungen kommen“, heißt es weiter. Damit die Bürger mit ihren Problemen, nicht nur bei der Wasser- und Stromversorgung, nicht alleine bleiben, hat die Stadt nun Infopunkte errichtet.

Neben den Bemühungen der Stadt gibt es viele private Hilfsinitiativen. Etwa in der Aral-Tankstelle in Ahrweiler gibt es Lebensmittel zum Abholen. In der Rathausstraße 34 ist eine provisorische Lebensmittelausgabe des Rewe-Marktes eingerichtet. Neben Lebensmitteln werden auch Trinkflaschen und Hygieneartikel kostenfrei ausgegeben.

Seit Dienstag gibt es etwa in der Vitahris-Apotheke, Bergstraße 2, eine medizinische Notfallversorgung. Dies gilt zunächst bis Donnerstag, 22. Juli. Dr. Said Walid Wahisi steht dort jeweils von 9 bis 12 Uhr für Patienten bereit. Auf diese Weise soll auch das Erstellen von Rezepten für Medikamente erleichtert werden. Etwa auch die Delphin-Apotheke in Bad Neuenahr hat zu ortsüblichen Zeiten geöffnet. Ebenso hat die Jesuitenapotheke auf, aber ohne konkrete Öffnungszeiten.

Viele Bürger tauschen sich derzeit auch in den sozialen Netzwerken wie auf Facebook aus, um sich gegenseitig Hilfsangebote zu machen oder, um dort Unterstützung zu finden. Dort findet sich ein Beitrag mit einem Hilfsangebot in der Aloisius-Grundschule Ahrweiler: Bereits am Montag gab es dort ab 19 Uhr warme Gulaschsuppe und für die Vegetarier Kartoffelsalat. Das Essen reichte dabei für circa 300 Menschen. Nun soll noch aufgestockt werden, sodass bis zu 500 Menschen satt werden können. Das Angebot gilt immer ab 19 Uhr.

Und natürlich gibt es auch viele Unternehmen, die den von der Flut betroffenen Bürgern helfen wollen, wie mit einer Zapfstelle für Trinkwasser: An den folgenden Tagen können Bürger jeweils bis 22 Uhr an der Zapfstelle von Apollinaris am Heppinger Brunnen (gegenüber vom Werk) Trinkwasser entnehmen. Möglich gemacht hat dies Coca Cola Europeen Partners (CCEP) am Standort Bad Neuenahr. Diesbezüglich weist die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler darauf hin, dass dabei nur eine begrenzte Abnahme von maximal 20 Liter pro Haushalt möglich ist. Es wird zum gegenwärtigen Zeitpunkt darum gebeten, eigene Behältnisse selbst mitzubringen.

Wasseraufbereitungsanlage ist im Einsatz

Weil Wasser zu den elementarsten Notwendigkeiten gehört, hat sich das Technische Hilfswerk (THW) darum gekümmert, dass nun Brauchwasser an einer weiteren Station abgeholt werden kann. Vor der Rettungswache im Bereich des Krankenhauses Maria Hilf hat das THW eine Wasseraufbereitungsanlage aufgebaut (die RZ berichtete), wo nun Wasser abgezapft werden kann.

Da derzeit die Kommunikation noch ein großes Problem ist, hatte sich weiterhin die CDU-Landesvorsitzende und stellvertretende CDU-Bundesvorsitzende Julia Klöckner in einem Gespräch mit dem Vorstandsvorsitzenden der Telekom, Timotheus Höttges, für eine schnelle Wiederherstellung der Netzabdeckung des Mobilfunks in der betroffenen Hochwasserregion eingesetzt. Am Montag konnte das mobile Telefonieren beispielsweise in Kreuzberg an der Ahr wieder ermöglicht werden. „Das Mobilfunknetz ist für die Helferinnen und Helfer vor Ort elementar wichtig, um sich untereinander abzustimmen und auch Betroffene zu erreichen. Deshalb bin ich Herrn Höttges dankbar, dass er sich persönlich um schnelle und pragmatische Hilfe gekümmert hat“, sagte Klöckner.

Stadt richtet Info-Punkte ein

Um die Bürger vor Ort gezielt mit hilfreichen Informationen zu versorgen, wird die Stadt insgesamt an elf Stellen entsprechende Anlaufstellen einrichten. Dort stehen ab dem 21. Juli, in der Zeit von 10 bis 18 Uhr städtische Mitarbeiter für Fragen zur Verfügung. Im Stadtteil Ahrweiler auf der Goethestraße; Goethestraße/Ecke Ramersbacher Straße

Marktplatz Ahrweiler; Marktplatz

Mittelzentrum; Parkplatz Mittelzentrum.

Im Stadtteil Bachem

bei der alten Schule; Neuenahrer Straße 11.

In Bad Neuenahr

beim Rathaus; Parkplatz Rathausstraße

Stadtbibliothek; Willibrordusstraße 1

Krankenhaus Maria-Hilf; Dahlienweg 3.

In Ehlingen bei der alten Schule; Im Auelsgarten 1; In Heimersheim am

Marktplatz; Johannesstraße/Bachstraße.

In Heppingen an der

Kirche; Landskroner Straße; In Walporzheim am Bahnhof; Walporzheimer Straße.

Auskunft und Unterstützung für Betroffene der Hochwasserkatastrophe
Infonummer für Angehörige von Vermissten, Hinweise und Fragen: 0800 65 65 65 1
Kostenlose Hotline zur psychosozialen Unterstützung (9 - 17 Uhr): 0800 001 0218
Hinweisportal der Polizei Rheinland-Pfalz: rlp.hinweisportal.de
Die Polizei bittet, den Notruf 112 beziehungsweise 110 nur in dringenden Fällen anrufen.
Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz
Kreis Ahrweiler
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