Archivierter Artikel vom 02.08.2021, 19:49 Uhr
Dernau

Trotz Flut: Schreinerei in Dernau bereitet schnellen Neustart vor

Drei Holzwürmer flattern wie Wappentiere im Wind, von außen sieht es fast so aus, als hätte die Flutkatastrophe der Schreinerei Rönnefarth GmbH & Co. KG nichts anhaben können. Der Eindruck täuscht. Auch im Handwerksbetrieb an der Bundesstraße 267 sind die Schäden immens. Dennoch lässt sich das 30-köpfige Team nicht unterkriegen. Geplant ist, Ende August die Produktion wieder aufzunehmen.

Von Reinhard Kallenbach
Die Tischlermeister Maik Rönnefarth (rechts) und Guido Fritsch bereiten den Neustart vor. Foto: Reinhard Kallenbach
Die Tischlermeister Maik Rönnefarth (rechts) und Guido Fritsch bereiten den Neustart vor.
Foto: Reinhard Kallenbach

Ans Aufgeben hat Maik Rönnefarth nie gedacht. „Ich habe noch während der Flut einen Bagger bestellt“, sagt der Tischlermeister rückblickend. Die Aussage steht für die Entschlossenheit der Menschen in einer Region, die Folgen der Katastrophe so schnell wie möglich zu überwinden. Gut zwei Wochen nach der Flut bietet sich auf dem Unternehmensgelände ein beeindruckendes Bild.

Fast alles ist sauber, vom Schlamm ist nichts mehr zu sehen. Und in den Hallen der Schreinerei ist der Wiederaufbau angelaufen. Aktuell werden unter anderem neue Trennwände eingezogen, Fenster und Türen sind bereits bestellt. Und auch die Anschaffung neuer Maschinen wurde in die Wege geleitet. Die Hersteller haben eine beschleunigte Bearbeitung zugesagt. „Ein tolles Team“, antwortet Mike Rönnefarth auf die Frage, wie das alles so schnell möglich wurde. Er selbst spricht nicht nur offen über die Situation, sondern kommuniziert sie auch über die sozialen Netzwerke, vor allem, um die Fortschritte zu dokumentieren.

Gesamte Technik hinüber

Für die kommenden Tage und Wochen gilt, aus der Not eine Tugend zu machen und beim Wiederaufbau unter anderem die Digitalisierung zu beschleunigen. Dabei war der Betrieb schon vor der Katastrophe da schon ganz weit vorn. Keine Maschine war älter als vier Jahre, erst vor drei Monaten hat der Betrieb noch mal kräftig in eine Anlage investiert. Doch jetzt ist die gesamte Technik hinüber. Das heißt: 13 Großmaschinen sind schrottreif, auch die Abzugsanlage und die Lackiererei waren nicht mehr zu retten.

Ob man die Maschinen nicht hätte reparieren können? „Nein, viel zu gefährlich“, sagt Maik Rönnefarth und verweist auf die Sachverständigen der Hersteller, die den Betrieb bereits besucht haben. Der feine Schlamm hat Mechanik und Elektronik gleichermaßen zugesetzt. Selbst wenn eine provisorische Herrichtung möglich wäre, könnte niemand die Betriebssicherheit gewährleisten. Und so müssen die „Holzwürmer“ wieder neu anfangen. Ganz von vorn aber nicht, denn das Fachwissen und der Kundenstamm bleiben.

„Das war schon unglaublich“, sagt Maik Rönnefarth auf die Reaktionen der Kunden. Sie zeigten großes Verständnis für die aus der Flutkatastrophe resultierenden erheblichen Lieferverzögerungen. „Einige haben sogar angeboten, ihre Bestellungen vorab zu bezahlen“, sagt der Tischlermeister, dessen Betrieb sich vor allem mit individuellem Möbelbau weit über die Grenzen der Region hinaus einen Namen gemacht hat.

Neustart im Spätsommer

Aber auch Innenausbau, individueller Küchenbau, Ladenbau, Treppenbau und Holz im Außenbereich gehören zum Repertoire des Betriebes, dessen Mitarbeiter ihren Erfolg unter anderem auch auf den hohen Spezialisierungsgrad zurückführen. Beim Neustart im Spätsommer soll dieser Kurs grundsätzlich beibehalten werden. Allerdings will Maik Rönnefarth, der auch auf die gute Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer Koblenz und dem Fachverband verweist, genau hinschauen, was die von der Katastrophe betroffene Region genau braucht. Deswegen plant er unter anderem, zumindest vorübergehend sein Portfolio um die Produktion von Fenstern und Türen zu erweitern.

Mit Blick auf die zurückliegenden Tage sagt Maik Rönnefarth: „Landwirte und Handwerker haben wieder einmal gezeigt, wie wichtig sie sind.“ Denn sie waren es, die bei Räumungs- und Sicherheitsmaßnahmen oft zuerst in vorderster Front standen. Und das Gelände der Holzwürmer verwandelte sich dabei zu einer Kontakt- und Spendensammelstelle, die nicht nur die Branchen zusammenbrachte, sondern auch Hilfesuchende und Helfer.

Reinhard Kallenbach