Archivierter Artikel vom 01.08.2021, 19:30 Uhr
Bad Neuenahr-Ahrweiler

Teile wurden komplett zerstört: Wiederherstellung des Gasnetzes ist eine Herkulesaufgabe

Bis zur Normalität ist es ein weiter Weg – nach der verheerenden Hochwasserkatastrophe in der Eifel und im Ahrtal gilt dies im Besonderen auch für die Erdgasversorgung: Seit drei Wochen arbeiten die Experten der Energienetze Mittelrhein (ENM) mit Hochdruck daran, diese in den betroffenen Gebieten wiederherzustellen. Insgesamt sind im Netzgebiet rund 8000 Netzanschlüsse betroffen – um alle möglichst schnell wieder zu versorgen, wurden die Kräfte im ENM-Netzstandort in Bad Neuenahr zusammengezogen: Rund 25 Experten arbeiten von hier aus fieberhaft daran, einzelne Hausanschlüsse zu prüfen und Schäden zu beseitigen. Weil diese teilweise aber so groß sind, geht am Neubau von Erdgasleitungen kein Weg vorbei.

Von Tobias Lui

Aus der ENM-Zentrale in Bad Neuenahr-Ahrweiler heraus koordiniert Marcel Gras die Einsätze der Kolleginnen und Kollegen.
Aus der ENM-Zentrale in Bad Neuenahr-Ahrweiler heraus koordiniert Marcel Gras die Einsätze der Kolleginnen und Kollegen.
Foto: Tobias Lui

Auch fünf Mitarbeiter der Stadtwerke Neuwied helfen am Ort mit. „In der Not hilft man sich gegenseitig“, lobt Marcel Gras die Unterstützung durch den Konkurrenten. Aus der ENM-Zentrale heraus koordiniert Gras die Einsätze der Mitarbeiter –, aktuell geht es in der Ringener Straße daher zu wie im Taubenschlag. Zunächst wurden einzelne Trupps gebildet, die zu den Kunden fahren und die Schäden begutachten.

Gras arbeitet am Standort in Bad Neuenahr erst seit wenigen Wochen – und wurde gleich mit einer solchen Extremsituation konfrontiert. An vielen Stellen im Katastrophengebiet haben Wassermassen die Erdgasleitungen freigelegt, andere, wie die unter Brücken angebrachten Rohre, wurden gleich ganz weggespült. „Die Versorgungslage ist ganz unterschiedlich und ist auch von der Topografie abhängig“, beschreibt Gras.

Wie zerstörerisch die Wassermassen auch auf das Erdgasnetz wirkten, zeigt die Aufnahme rechts. Überall im Krisengebiet sind Leitungen an der Oberfläche zu sehen.
Wie zerstörerisch die Wassermassen auch auf das Erdgasnetz wirkten, zeigt die Aufnahme rechts. Überall im Krisengebiet sind Leitungen an der Oberfläche zu sehen.
Foto: Tobias Lui

Entsprechend unterschiedlich sieht die Versorgungslage aus: Die Gemeinden der Grafschaft beispielsweise haben schon seit zwei Wochen wieder Gas – bis auf die Haushalte in der Gemeinde Bengen. „Für die Leute dort ist das nicht immer ganz nachvollziehbar“, berichtet Gras von Anrufen verwunderter Kunden. „Die fragen sich dann, warum Bekannte wenige Kilometer entfernt wieder Gas haben, sie selbst aber nicht.“ Doch auch in einzelnen Orten könnten Versorgungsstränge unterschiedlich sein, betont der Experte. „Und wenn man den Leuten das dann erklärt, haben sie auch Verständnis.“ Natürlich sitze vielen dabei die Angst im Nacken, im Winter ohne Heizung dazustehen. Gras: „Uns ist die Notlage bewusst, und wir werden Lösungen finden, dass niemand im Winter frieren muss.“ Das könnte auch Provisorien bedeuten – all dies wird aktuell fieberhaft geprüft und geplant. In Bad Neuenahr-Ahrweiler beispielsweise wurde das Erdgasnetz teilweise völlig zerstört: Hier wird das Netz zum größten Teil komplett neu errichtet werden müssen. Eine Arbeit von Monaten, die Millionen verschlingen wird. Tobias Lui