Archivierter Artikel vom 04.08.2021, 19:47 Uhr
Niederzissen-Rodder/Ahrweiler

Täglich wird Eintopf verteilt: „Suppenfeen“ versorgen Osten von Bad Neuenahr-Ahrweiler

Nicht wenige Anwohner im Katastrophengebiet können sich nach wie vor nicht selbst versorgen, entweder weil in ihrem Umfeld noch kein Lebensmittelgeschäft wieder eröffnet hat oder auch weil es in ihren Haushalten immer noch an einer konstanten Stromversorgung mangelt, um sich eine warme Mahlzeit kochen zu können.

Von Tim Saynisch
Suppe verteilen aus dem Kofferraum: Für Gitte Daube (hinten) und Marianne Maur ist das Ehrensache.
Suppe verteilen aus dem Kofferraum: Für Gitte Daube (hinten) und Marianne Maur ist das Ehrensache.
Foto: Tim Saynisch

Dieses Problem kennt auch Gitte Daube aus Niederzissen-Rodder. Bereits am ersten Tag nach der Flutwelle hat die gelernte Gesundheitsberaterin damit begonnen, Suppen für Betroffene zu kochen und in Eigenregie in der Kreisstadt zu verteilen. Anfangs waren es 40 Portionen, mittlerweile verteilt sie täglich 120 Suppenteller im Osten von Bad Neuenahr. Dass das Hilfsprojekt so wachsen konnte, hat Daube den Rentnerinnen aus der Kirmesgruppe des Ortes zu verdanken.

„Mit einem Kernteam, bestehend aus sechs Leuten, treffen wir uns an fünf Abenden in der Woche an meinem Esszimmertisch“, berichtet Daube. Dort würde dann gemeinsam Gemüse klein geschnitten. „Die Aktion ist im Ort mittlerweile bekannt, ich bekomme sogar Gemüse vor die Tür gestellt. Außerdem ernten wir alle unsere Gärten leer“, sagt Daube mit einem Lachen im Gesicht. Aus den Gemüsewürfeln kocht die Gesundheitsberaterin dann in zwei Kesseln Suppe „oft in Bioqualität“, die dann am nächsten Mittag im Zweierteam mit dem Auto ausgefahren wird.

Lautstark hupend, düst Daube momentan von Montag bis Sonntag mit ihrem weinroten Skoda-Kombi durch die Straßen der östlichen Kreisstadt. „Wir haben uns mit anderen Helfern abgestimmt, geschaut, wo die unterwegs sind, und fahren jetzt verschiedene Haltepunkte in Bad Neuenahr-Ost an. Durch das Hupen wissen die Leute direkt, dass wir kommen. Die freuen sich, winken und holen teilweise auch ihre eigenen Tellerchen hervor“, berichtet sie. Das Hupen habe allerdings auch schon zu Irritationen geführt. „Ein Bundeswehr-Lkw hat uns einmal angehalten und gefragt, ob wir ein Problem haben“, erzählt Daube. Bisher ist das Suppenteam aber noch nie an der Weiterfahrt gehindert worden.

Weitermachen bis alle Strom haben

Am Samstag war Gitte Daube gemeinsam mit der Seniorin Marianne Maur unterwegs. Dass sich vorwiegend die Älteren engagieren, macht die mobile Suppenküche unabhängig. Die einzige berufstätige Helferin ist die Gesundheitsberaterin selbst, die die Projekte aus ihrer selbstständigen Arbeit derzeit hintanstellt. „Aufgrund von Corona waren Kochworkshops in der jüngsten Vergangenheit ohnehin nicht sehr gefragt“, erklärt sie.

Die „Suppenfeen“, wie sie von einigen mittlerweile genannt würden, wollen noch so lange weitermachen, „bis alle hier Strom haben und selbst kochen können“, berichtet Daube. Den Antrieb dazu lieferten die Bedürftigen selbst: „Uns trägt das Feedback der Menschen und ihre große Dankbarkeit. Eine Frau hat uns berichtet, dass ihre Tochter traumatisiert ist und tagelang nichts bei sich behalten konnte. Unsere mediterrane Gemüsesuppe war dann die erste Mahlzeit, die sie wieder gegessen hat.“